Wie sieht für mich ein moderner christlich geprägter Glaube aus?

  1. Ich gebe mit dem Glauben nicht meinen Verstand ab. Im Gegenteil Glaube und Vernunft gehören zusammen.
  2. Moderner christlicher Glaube schenkt dem Menschen die Freiheit des Glaubens. Er versklavt nicht, er macht nicht unmündig. Im Gegenteil, moderner christlich geprägter Glaube sucht den mündigen Menschen in mir und meinen Mitmenschen. Ich sehe mich nicht von Gott geführt und gegängelt, sondern gehe meinen eigenen Weg im Glauben.
  3. Mein Glaube ist christlich geprägt. Ich bin in einer christlichen Tradition aufgewachsen und beheimatet. Diese ist natürlich auch wandelbar. Aber ich stehe als Christ in der Nachfolge Jesu von Nazareth. Ich bete ihn nicht als Christus an, ich folge ihm nach, weil er für mich aus verschiedenen Gründen zum Christus, zum Wegweiser zu Gott geworden ist.
  4. Moderner christlicher Glaube weiß sich umgeben von Glauben anderer Konfessionen und Religionen. Jeder Mensch hat die Freiheit, seinen Glauben so zu leben, soweit er dadurch nicht die Freiheit des anderen verletzt und einengt.
  5. Glaube in der Moderne hat Raum für die Klage. Wir leben in einer Zeit, in der Auschwitz und viele andere Katastrophen möglich waren und möglich sind. „Gott“ ist dafür nicht verantwortlich. Aber „Gott“ bietet Raum zur Klage.
  6. Ich persönlich erwarte von Gott keine Erfüllung irgendwelcher Bitten. Er ist nicht der Erfüllungsgehilfe meiner Wünsche und Sehnsüchte. Natürlich darf ich „Gott“ mein Wünsche und Sehnsüchte sagen. Aber „Gott“ weiß eh darum.

In der Moderne verzichten wir darauf, Gott für gutes Wetter oder Regen zu bitten. Wir wissen ja, dass andere Dinge dafür verantwortlich sind.

  1. „Gott“ ist für mich ein Ort, wo ich meine Dankbarkeit als Lebensstil einüben kann. Ich sehe mich allerdings nicht in einer unmittelbaren Abhängigkeit von einem Gott, der auf meine Bitten hin mir gibt und ich ihm danke. Dankbarkeit ist ein Lebensstil, kein Ausdruck unterwürfiger Bettelei.
  2. Ich persönlich denke mir „Gott“ zunächst personal, wohlwissend, dass „Gott“ alle personalen Gottesbilder übersteigt und korrigiert. Ich bete zu einem Gott, der väterliche und mütterliche Züge hat und doch alle Väter und Mütter übersteigt.

Letztlich glaube ich „Gott“ als der Urquelle, dem Urgrund des Daseins. Ich bin getragen vom Urgrund, ob ich daran glaube oder nicht.

  1. Wer mag, kann auf traditionelle Weise zu Gott beten: Gott himmlischer Vater, Herr, Allmächtiger.                                                                                                                                       Ich suche nach anderen Bilder und Namen Gottes: Liebhaber des Lebens, mein Lichtblick im Leben, mein Fundament im Leben.

Gott, du Allbarmherziger, du Liebender aller Menschen

Gott, du Atem meines Lebens, mit jedem Atemzug atme ich dich ein und aus.

„Gott“ ist kein Gott, den es gibt oder den es nicht gibt. Wer oder was wir auch unter „Gott“ verstehen, übersteigt unsere menschlichen Vorstellungen, auch unsere atheistischen. So kann ich durchaus auch atheistisch an „Gott“ glauben. „Gott“ umfasst theistische und atheistische Vorstellungen.

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