Onlinepredigt Mk 9,14-27 Aus der Sicht des Kindes

Onlinepredigt für Palmsonntag, 5.4.20 dem Tag der geplanten Konfirmation 

Text: Markus 9,14-27 

Die Predigt ist aufgeteilt in drei verschiedene Predigten:

  1. An Euch Konfirmanden und Konfirmandinnen,
  2. an die Konfirmandeneltern
  3. und an die Gemeinde allgemein
  1. Die Jesus-Geschichte aus der Sicht von Euch Konfirmanden und Konfirmandinnen  (Sohn, Tochter)

14 Bei ihrer Rückkehr fanden sie die anderen Jünger zusammen mit einigen Schriftgelehrten mitten in einer großen Volksmenge. Die Schriftgelehrten hatten die Jünger in ein Streitgespräch verwickelt. 15 Sobald die Leute Jesus sahen, liefen sie ihm aufgeregt entgegen und begrüßten ihn. 16 »Worüber streitet ihr euch mit meinen Jüngern?«, fragte er sie. 17 Einer aus der Menge antwortete: »Lehrer, ich habe meinen Sohn hergebracht, damit du ihn heilst. Er kann nicht sprechen, weil er von einem bösen Geist beherrscht wird.[1] 18 Wenn dieser Geist Gewalt über ihn gewinnt, wirft er ihn zu Boden. Dann tritt dem Jungen Schaum vor den Mund, er knirscht mit den Zähnen, und sein Körper wird ganz starr. Ich habe schon deine Jünger gebeten, den bösen Geist auszutreiben, aber sie waren machtlos.« 19 Da rief Jesus: »Was seid ihr nur für eine ungläubige Generation! Wie lange soll ich noch bei euch sein und euch ertragen? Bringt den Jungen her zu mir!« 20 Sie brachten ihn, und sobald der böse Geist Jesus erblickte, zerrte er den Jungen hin und her. Der stürzte zu Boden, wälzte sich umher, und der Schaum stand ihm vor dem Mund. 21 »Wie lange leidet er schon darunter?«, fragte Jesus den Vater. Der antwortete: »Von Kindheit an. 22 Schon oft hat ihn der böse Geist in ein Feuer oder ins Wasser geworfen, um ihn umzubringen. Hab doch Mitleid mit uns! Hilf uns, wenn du kannst!« 23 »Wenn ich kann?«, fragte Jesus zurück. »Alles ist möglich, wenn du mir vertraust.« 24 Verzweifelt rief der Mann: »Ich vertraue dir ja – hilf mir doch, meinen Unglauben zu überwinden!« 25 Als Jesus sah, dass immer mehr Leute zusammenliefen, bedrohte er den bösen Geist: »Du stummer und tauber Geist, ich befehle dir: Verlass diesen Jungen und kehre nie wieder zu ihm zurück!« 26 Da stieß der Dämon einen Schrei aus, zerrte den Jungen heftig hin und her und verließ ihn. Der Junge lag regungslos da, so dass die meisten sagten: »Er ist tot!« 27 Aber Jesus nahm seine Hand und half ihm aufzustehen. Markus 9,14-27 

Liebe Konfirmanden und Konfirmandinnen, liebe Jugendlichen,

versetzt euch mal in die Situation des Jungen aus der biblischen Geschichte, die ihr gerade gehört habt.

Ich spüre, wie hilflos, wie ohnmächtig sich meine Eltern fühlen. Sie würden mir so gerne helfen, können es aber nicht. Ich bin von einem bösen Geist besessen. So denken mein Vater und meine Mutter über mich. Nicht nur die, die ganze Dorfgemeinschaft denkt so über mich. Und ich fühle und denke es genauso: Ich kann nicht reden, ich kann mich nicht verständlich machen. Wenn ich versuche, kommt nur unverständliches Gemurmel aus meinem Mund. Ich kann nichts hören. Ich sehe nur die Münder, wie sie sich bewegen, aber ich verstehe nichts. Am schlimmsten sind meine Anfälle. Seit ich ein kleines Kind war, hat es mich plötzlich gepackt, ins Feuer geworfen, ins Wasser. Ich zucke dann am ganzen Körper. Ich wälze mich hin und her bis es aufhört. Für mich ist es wirklich so was wie ein böser Geist, der mich befällt. Und niemand kann mir helfen.

Ich war echt dankbar, als mich mein Vater zu den Kumpels dieses Typen geschleppt hat. Dieser Typ muss was Besonderes sein, aber war erst noch nicht greifbar, Aber seine Kumpels waren da und bereit, etwas zu tun. Und dann das! Diese Versager! Diese Nieten. Erst großspurig daherreden, erst Sprüche klopfen, dann nichts dahinter! So jämmerlich wie die hat mich noch keiner angeschaut! Ich war echt sauer! Ich hätte heulen können!

Da packt mich mein Vater und schleppt mich direkt zu diesen Typen. Mein letzter Strohhalm, dachte ich widerstrebend, war aber einverstanden.

Und dann fragt dieser Typ meinen Vater irgendwas. Ich kann ihn ja nicht hören, aber ich kann mir es vorstellen, was er ihn gefragt hat. Mein Vater jedenfalls erzählt ihm meine ganze Krankheitsgeschichte. Ich habe sie oft genug ihm von den Lippen abgelesen. Wie oft hat er das schon anderen Leuten erzählt, aber keiner konnte mir helfen. Auch die Kumpels von diesem Typen nicht. Ich kenne ja nicht mal seinen Namen, er hat sich mir ja nicht vorgestellt. Vielleicht ist er ein Arzt oder ein Heiler. Hoffentlich zockt er meinen Vater nicht ab! Mein Vater redet auf ihn ein, redet und redet. Ich kann nicht alles verstehen, nur die Lippen ablesen, er redet so schnell, dass ich nicht alles mitkomme. Nur dass es ihm wichtig ist, dass dieser Typ sich um mich kümmert. Aber seinen letzten Satz kann ich deutlich von seinen Lippen ablesen: Er scheint ihn zu schreien:

„Hab doch Mitleid mit uns! Hilf uns, wenn du kannst!«

Ich bin ein wenig verblüfft, dass er von uns redet. Aber dann verstehe ich: Mein Vater ist genauso verzweifelt   wie ich, mit mir leidet die ganze Familie.  Es rührt mich, ich bin nicht allein. „Hilf uns,“ ich bin mitgemeint, aber auch mein Vater und meine ganze Familie. „Hilf uns, wenn du kannst!“

Ich spüre, wie verzweifelt mein Vater ist, nicht nur wegen der letzten Stunden, als sich die Kumpels dieses Typen um mich vergeblich gemüht haben. Keiner konnte mir helfen, seit ich klein war. Wie wahrscheinlich ist es, dass ausgerechnet dieser Typ mir und uns helfen kann?

Ich spüre, wie verblüfft und verärgert mein Vater ist, als er von diesem Typen das sagen hört:

 »Wenn ich kann?«. »Alles ist möglich, wenn du mir vertraust.« Ich bin mir ehrlich gesagt nicht sicher, ob du wirklich etwas kannst, ob du wirklich unserem Kind helfen kannst. Ehrlich gesagt, stecken in mir tausend Vorbehalte und Zweifel. Deine Jünger haben versagt. Wie wahrscheinlich ist es, dass der Meister dieser Versager nicht auch versagt!

Jetzt kleben meine Augen an den Lippen dieses mir fremden Menschen.

»Alles ist möglich, wenn du mir vertraust.«

Das sagt er nicht zu mir gewandt, sondern zu meinem Vater. Ich sehe meinen Vater in seinen Grundfesten erschüttert. Er ist in seinem Gottvertrauen erschüttert. Wie soll er vertrauen? Mir geht es ja genauso. Wie soll ich diesem Typen vertrauen, wie soll alles möglich sein?

Ich spüre doch selber, dass mir in meinem Leben so vieles unmöglich ist: Ich kann nicht reden. Ich kann nicht hören. Ich habe meinen Körper nicht unter Kontrolle und liege auf einmal zuckend im Staub. Alles möglich?

 Aber ich spüre, dieses Vertrauen ins Leben ist so wichtig: Es geht vielleicht gar nicht darum, diesem mir wildfremden Typen zu vertrauen. Es geht vielleicht darum, mir selber mehr zuzutrauen und dem Leben selbst zuzutrauen, dass das Leben für mich so oder so weitergeht.

„Alles ist möglich, wenn du mir vertraust!“

Wie könnte er es gemeint haben?  Ich steige jetzt mal aus der Rolle des Kindes aus und spreche für mich als Manfred Lehnert: So verstehe ich diesen Satz Jesu:  „Alles ist möglich, wenn du mir vertraust, wofür  ich mit Worten und Taten mein Leben lang eingestanden bin“: Vertraue dem Gott, von dem Jesus die ganze Zeit erzählt hat. Vertraue diesem Gott, den Jesus uns vor Augen gemalt hat. Dieser Gott ist gut den Gesunden und den Kranken. Dieser Gott ist gut den Gerechten und den Ungerechten. Dieser Gott ist den Menschen gut, ob sie es verdient haben oder nicht. Gott ist gut. Vertraue ihm.

 Vertraue dir selbst, wenn du tief in dich hinhörst: Vielleicht hörst du die Stimme Gottes, die dir sagt: Du bist mir gut genug! Du darfst leben. Du als Mensch mit Deinen Einschränkungen und Behinderungen auch. Ich möchte, dass alle Menschen leben können! Ich möchte, dass dein Leben und das Leben aller anderen Menschen gelingt trotz aller Einschränkungen, die es im Leben so gibt.

„Ich bin für das Leben! Vertraue mir!“

So verstehe ich den Satz Jesu: „Alles ist möglich, wenn du mir vertraust.“:

Im Leben ist alles möglich, wenn du dem Gott des Lebens vertraust. Es wird zwar nicht alles so in Erfüllung gehen, so wie du es dir gerade vorstellst. Aber das Leben geht seinen Weg. Gott will Leben!

Ich höre das als  Kind und Jugendlicher. Beides war ja auch ich einmal, lange ist es her. Das Leben stand mir als Kind und Jugendlicher offen. Hier und da gab es erste Einschränkungen. Das Leben geht weiter, auch wenn mein eigenes Leben manchmal anders verlaufen ist, als ich es mir gewünscht und erträumt hatte. Meine Erfahrung ist: Das Leben geht weiter, auch wenn nicht alle meine Wünsche und Träume in Erfüllung gegangen sind.

Ich will das glauben. Das Leben geht nicht unter. Trotz weltweiter Corona-Virus-Pandemie. Das Leben geht weiter, auch wenn das eine oder andere in meinem Leben anders läuft, als ich es mir einst erträumt und gewünscht habe. Das Leben geht. Gott sei Dank!

Natürlich sehe ich manches aus privilegierter Sicht. Wenn meine Kinder in einem der Zelte auf Lesbos von geflüchteten Familien ihr Leben fristen müssen, sähe es schon ganz anders aus. Ja, meine Kinder haben keine Leukämie, sie sind gesund, sie haben keinen Corona-Virus in sich, hoffentlich. Klar, das Leben ist manchmal abgrundtief. Es gibt wahre Abgründe, die sich vor Menschen auftun. Meine Kinder hatten eine schöne behütete Kindheit, sie waren erträgliche Jugendliche und sind alle drei ihren Weg gegangen und gehen ihn weiter. Andere Kinder haben vielleicht eine grausame Kindheit, sie hatten unerträgliche Eltern, oder keine Eltern und sind auf einen falschen Weg geraten, gehen ihn, obwohl er sie vom Leben abbringt: Saufen, Drogen, ein Abdriften ins Rechtsextreme.

Ich weiß aus eigener Erfahrung: „Alles ist möglich, wenn du mir vertraust.“ Ist nicht so einfach, wie es klingt. Das Leben ist nicht so einfach. Das Leben ist manchmal ein Kampf. Auch ihr habt als junge Menschen so manche Kämpfe auszustehen.

Darum kann ich das innerliche Ringen, den innerlichen Kampf des Vaters in der Jesus-Geschichte nur zu gut verstehen: Ich vertraue dir ja – hilf mir doch, meinen Unglauben zu überwinden!« Ja, dieser Satz ist nicht dahingemurmelt, sondern ein Schrei: „Ich will dir ja vertrauen, hilf mir doch, meinen Unglauben zu überwinden!«

Glaube und Unglaube, Vertraue und tiefes Misstrauen, der berühmte letzte Strohhalm, an dem man sich klammert und gleichzeitig die Verzweiflung, man weiß doch, dass ein Strohhalm ein Strohhalm ist.

Der Vater befindet sich in einem regelrechten Glaubensdilemma: „Ich würde ja so gern glauben, aber ich kann nicht! Hilf mir!“

Ich verstehe diesen Mann nur zu gut. Es gibt immer wieder Dinge im Leben, bei denen ich mich selber sehr, sehr hilflos gefühlt habe. Als mein Vater letztes Jahr gestorben ist, fühlte ich mich hilflos. Der Tod meines Langenfelder Kollegens machte mich ebenfalls sprachlos. Es gab auch sonst im letzten Jahr so manche Erlebnisse, die ich eigentlich niemanden wünschen würde: Konflikte auf der Arbeit etwa.

Und jetzt ganz aktuell: die Corona-Virus -Krise. Sie legt für Monate das gesamte gesellschaftliche Leben lahm, auch das gottesdienstliche Leben. Ich hätte mir nie als Pfarrer träumen lassen, dass ich eine Konfirmation ausfallen lassen muss. Ich hatte anfangs gedacht, das geht schon, eine andere, sicherere Abendmahlspraxis mit Einzelkelchen, wir machen halt unsere Gottesdienste vor Corona sicher. Aber schon Eure Eltern haben mich darauf gebracht, das geht so nicht. Später kam dann das allgemeine Gottesdienstverbot von Staat und Kirche dazu. Und da hat sich die Frage ganz von selbst erledigt. Nicht einmal der Karfreitagsgottesdienst und die Ostergottesdienste (einschließlich Osternacht, auf die ich mich so gefreut hatte) wird es geben, alles fällt aus. Ersatzlos. Konfirmation vielleicht am 6. September oder gleich nächstes Jahr. Ist alles noch offen, vage.

Ich weiß nicht, wann Eure Konfirmation  sein wird. Hundertprozentig sicher ist gar nichts in dieser Zeit. Mein Thema für Eure Konfirmation heute am Palmsonntag wäre die Jahreslosung gewesen: „Ich glaube, hilf meinem Unglauben“ (Mk 9,24). Sie   i s t   zum Thema des heutigen Palmsonntages geworden, auch ohne Konfirmationsfeier.

Was möchte ich Euch Konfirmandinnen bzw. Euch Konfirmanden aus dieser Jesus-Geschichte heraus sagen?

1) Zunächst: Euer Glaube ist heute ein zartes Pflänzlein, das ihr hüten und pflegen müsst, wenn etwas Großes daraus werden soll. Ich habe euch als Konfirmandengruppe nicht als besonders an Glaubensthemen interessierte Gruppe erlebt. Wir hatten mal ganz ernsthaft mit einander gesprochen. Vielleicht erinnert Ihr Euch noch daran. Vielleicht lag es auch an meinem Konfirmandenunterricht. Ich habe immer wieder mal das Gefühl der Ohnmacht in mir gespürt: Was kann ich Euch sagen, was Euch wirklich interessiert?  Der christliche Glaube ist heutzutage nicht mehr der Brüller, ganz ehrlich. Früher hat man dagegen angekämpft, heute interessiert es die wenigsten.

Der Glaube in unserer Zeit ist genauso schwach und hin – und hergerissen zwischen Glaube und Unglaube wie in dieser biblischen Geschichte. Glaube und Unglaube sind heutzutage fast untrennbar miteinander verbunden, wie Geschwister. Natürlich spielen Aufklärung und Naturwissenschaft eine wichtige Rolle in der Entfremdung vom traditionellen Glauben. Für Deinen Glauben ist  die Auseinandersetzung mit Vernunft und Naturwissenschaft nur heilsam, wenn er nicht im Kinderglauben erstarren will. Wir Christen und Christinnen leben heute einen eigenverantwortlich gelebten Glauben. Kein Papst, kein Pfarrer kann Dir heute vorschreiben, wie und was Du zu glaubst. Und das ist gut so.  Es ist heutzutage nicht mehr so einfach, an einen Schöpfergott zu glauben, schon gar nicht, dass dieser Gott die Welt in sieben Tagen geschaffen hat. Nimmt man diesen Mythos wörtlich, wird es unglaubwürdig. In der Jesus-Geschichte ist von einem bösen Geist die Rede. Damals war klar: Der Sohn ist von einem bösen Geist besessen. Heute wissen wir: Der Junge ist stumm und taub und hat epileptische Anfälle – von Kindheit an. Wir leben heute in keiner böse-Geisterwelt. Das sagt uns unser Glaube und Verstand. Aber wir leben in einer sehr gefährdeten Welt und sind genauso hin- und gerissen wie der Junge damals. Keiner von uns hat sein Leben im Griff. Das zeigt uns die Corona-Virus-Epidemie. Und heute wie damals stellt sich die Grundfrage: Wem vertraue ich, wenn das Leben erschüttert ist? Was gibt mir Halt in solchen Zeiten?

2) Dann möchte ich Euch jungen Menschen Mut machen. Die Jesus-Geschichte von dem Vater, der hin- und hergerissen ist zwischen seinem Glauben und seinem Unglauben, empfinde ich als eine Geschichte, die Mut macht. Als der Vater den Satz herausschreit: „Ich glaube, hilf meinem Unglauben“, verurteilt Jesus ihn  nicht für seinen Unglauben.

Jesus zeigt damit: Du musst als junger Mensch im  Glauben nicht perfekt sein. Du darfst zu Gott auch mit Deinem Unglauben kommen. Wenn Du hin – und hergerissen bist, kann sogar der Unglaube eine Kraftquelle sein, die Dich  zu Gott hintreiben, wenn Du nicht mehr aus und ein weißt. Das Glaubensdilemma ist auf einmal gar nicht so schlimm: Wenn Du genug Kraft zum Glauben hast, ist es gut. Und auch wenn Du nur noch Unglauben in Dir vorfindest oder zwischen Glaube und Unglaube hin- und hergerissen wirst, ist Gott da und trägt Dich. „Ich glaube; hilf meinem Unglauben.“ Das glaube ich ganz fest: Gott lässt Loser nicht fallen. Darauf vertraue ich.

Noch einmal zurück zur biblischen Geschichte. Ich schlüpfe noch einmal in die Rolle des Kindes.

Ich habe die Verzweiflung meines Vaters gespürt, seine Ohnmacht und Hilflosigkeit. Und genauso verzweifelt, ohnmächtig und hilflos fühle ich mich als ein Kind, vom bösen Geist ergriffen. Ich habe mich nicht in der Hand.

Ich liege da und warte. Und als dieser Typ den bösen Geist in mir anfährt: „»Du stummer und tauber Geist, ich befehle dir: Verlass diesen Jungen und kehre nie wieder zu ihm zurück!« da stößt es tief in mir ein wilder Schrei aus, zerrt mich heftig hin und her bis ich regungslos daliege. „Der ist tot!“ höre ich, höre ich auf einmal. Ich höre wieder! Vielleicht kann ich auch wieder reden. Aber viel wichtiger ist mir etwas anderes. Dieser Typ nimmt mein Hand und hilft mir aufzustehen:

„27 Aber Jesus nahm seine Hand und half ihm aufzustehen.“

Er ergreift mich sanft an meiner Hand und richtet mich auf. Ich darf mich aufrichten, mein Leben wieder selber leben. Eigenverantwortlich mein Leben leben.

Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, wir befinden uns ja gerade in einer Zeit, in der wir es tunlichst meiden sollen, einander an der Hand zu ergreifen und einander zu berühren. Berühren verboten. Aber vielleicht freut Ihr Euch auf die Zeit nach der Krise, wo Ihr einander berühren könnt.  Einander berühren, heilt. Sich dem anderen zuwenden, berührt. Die Hand des anderen richtet auf. Ich wünsche Euch viele solche berührenden Momente in Eurem Leben, in dem Ihr von Gott oder von Jesus berührt und aufgerichtet werdet. Bis zu Eurer Konfirmation behüte Euch Gott. In seiner Hand seid Ihr, sind wir alle geborgen. Amen.

Gebet für den 6. Sonntag der Passionszeit (Palmsonntag)

Fürbitten

Gott, unser Vater,

eigentlich hätten wir heute am Palmsonntag den Tag unserer Konfirmation.

Wir hatten uns schon darauf gefreut

Und sind schon enttäuscht, dass unsere Konfirmation verschoben werden muss.

Wir bitten dich für uns Jugendlichen.

Wir sind ja immer noch auf dem Weg zu unserer Konfirmation.

Lass die Zeit bis zur Konfirmation uns zu einer ganz wertvollen Zeit werden.

Lass uns im Glauben wachsen.

Lass uns einen guten Weg finden.

Lass in dieser Zeit in unserem Leben Mitmenschlichkeit erfahren und weitergeben.

Stärke unser Gottvertrauen in diesen Zeiten.

Wir rufen zu dir:

Herr, erhöre uns.

Wir bitten dich für unsere Eltern.

Schaffe ihnen ein verständiges Herz,

damit sie uns als ihre eigenen Kinder ernstnehmen mit unseren Bedürfnissen

und uns vertrauen können.

Gib ihnen Geduld und Liebe,

die Eigenwilligkeiten von uns Kindern zu ertragen.

Und gib ihren Kraft und Zeit für sich selbst.

Wir rufen zu dir:

Herr, erhöre uns.

Wir bitten dich um Frieden und Verständigung in unseren Familien.

Wir sind in dieser Zeit der Ausgangssperre ganz auf uns als Familie zurückgeworfen.

Hilf, dass Eheleute und Familienglieder sich nicht gegenseitig verletzen

und einander fremd werden.

Wo Brüche und Enttäuschungen vorhanden sind, heile und verbinde.

Wir rufen zu dir:

Herr, erhöre uns.
Wir bitten dich für Großeltern und ältere Menschen,

die uns verbunden sind.

Behüte sie davor, sich mit dem Corona-Virus anzustecken.

Schenke uns eine liebevolle Gemeinschaft zwischen Jung und Alt auch auf Distanz

und eine gute Begleitung durch uns als Angehörige.

Wir rufen zu dir:

Herr, erhöre uns.

Wir bitten für Menschen,

die die Sprache des Glaubens verloren haben

und von dir nichts mehr erwarten können.

Dein Geist öffne ihre Herzen,

dass sie deinem Wort und deiner Liebe neu Glauben schenken.

Wir rufen zu dir:

Herr, erhöre uns.

Wir bitten dich für Menschen,

die an körperlichen Krankheiten leiden

oder durch seelische Wunden gezeichnet sind.

Heile, was heil werden muss und umhülle sie mit deiner Gnade.

Heile die Menschen, die durch Corona schwer erkrankt sind.

Wir rufen zu dir:

Herr, erhöre uns.

Dir Gott

Wollen wir vertrauen,

ganz gleich was kommt,

du bewahrst und behütest uns in diesen Zeiten.

Wir sind in Deiner Hand.

Du gehst mit uns durch diese Zeit

Heute, in diesen Tagen der Passion,

und jeden neuen Tag.

Amen.

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