Miteinander verbunden in Coronazeiten Predigt Joh 15,1-8

Jubilate, 3.5.20 Onlinepredigt Manfred Lehnert, Pfarrer, Trautskirchen

Johannes 15,1-8: (Lutherübersetzung)

„Jesus spricht: Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater der Weingärtner. Eine jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, nimmt er weg; und eine jede, die Frucht bringt, reinigt er, dass sie mehr Frucht bringe. Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe. Bleibt in mir und ich in euch. Wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht an mir bleibt. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun. Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt, und man sammelt die Reben und wirft sie ins Feuer, und sie verbrennen. Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren. Darin wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringt und werdet meine Jünger.“

Ich bin der Weinstock – ihr seid die Reben.

Dass Jesus so von sich spricht, so einprägsam und doch irgendwie geheimnisvoll, das finden wir nur im Johannesevangelium. Es geht um Verbundenheit. Gott, Jesus und wir Menschen gehören zusammen, das besagt dieses Bild vom Weinstock und den Reben. Wir sind miteinander verbunden.

Dieses Bild vom Weinstock und den Reben ist uns vertraut. Zu vertraut. Wir hören es, kennen wir, haken ab. Wissen wir schon, was das Bild bedeutet: Jesus der Weinstock, wir die Reben, ohne ihn können wir nichts tun.

Aber verlassen wir mal dieses Bild vom Weinstock und den Reben. Die wenigsten haben einen Weinstock im Garten. Das Bild vom Weinstock kann uns wegbringen von dem, was das Bild sagen will. Statt wieder und wieder das Bild vom Weinstock zu entfalten, falte ich das Bild achtsam zusammen, lege es weg und höre hin, wie oft Jesus innerhalb dieses Bildworte vom Bleiben redet. Siebenmal ist vom Bleiben bzw. nicht bleiben die Rede:

„Bleibt in mir und ich in euch.  wenn ihr nicht an mir bleibt.   Wer in mir bleibt und ich in ihm, Wer nicht in mir bleibt   Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, „

Es geht also darum, dass wir in Jesus bleiben und er in uns.

Aber was heißt: In Jesus bleiben? Und wir in ihm bleiben?

Auch das ist natürlich eine Sprachform, die nicht die ursprüngliche Rede Jesu ist. So haben die johanneischen Christen gesprochen, Wir bleiben in Jesus und er in uns.

Es ist schon eine mythische Sprache für Eingeweihte. Oder haben Sie schon mal so geredet: Wir bleiben in Hans Huber und er in uns?

Christen der johanneischen Gemeinden haben sich mystisch in Jesus versenkt. Das ist ihr gutes Recht und ihr ganz persönlicher Glaubenszugang zu Jesus. Auch heute versenken sich Christen in Jesus, wenn sie beten oder ihn anbeten. Orthodoxe Christen vertiefen sich in Ikonenbildern, in Jesusbildern und glauben, auf diese Weise in Jesus zu sein und er in ihnen. Katholische Christen verehren das Herz Jesu. Evangelische beten zum Heiland und Erlöser Jesus und haben sein Kreuz vor Augen.

Wer das nicht mag und nicht kann, wer keine mystischen Zugang zu Jesus findet, kann vielleicht den Zugang finden, den ich und andere Gläubige zu Jesus gefunden haben.

Was heißt: In Jesus bleiben und er in uns?

Es heißt für mich: Mit Jesus in Verbindung bleiben.

In der Hoffnung für alle Übersetzung ist es so übersetzt worden:

„4 Bleibt fest mit mir verbunden, und ich werde ebenso mit euch verbunden bleiben!“

Jesus – Wie können wir mit ihm heute im Jahr 2020 in Verbindung bleiben?

Wie können wir mit ihm verbunden bleiben? Es gibt so viele zeitliche und räumliche Entfernungen. Und wie soll das gehen, bei Jesus bleiben, körperlos, ohne Berührung?

Selbst damals nach Ostern war alles anders als vorher, als sie ihn sehen und berühren konnten. Wie soll das gehen, mit Jesus verbunden bleiben?  Verbunden bleiben?

Jetzt  während der Corona-Krise haben wir es eingeübt, mit unseren Freunden und Familien und Glaubensgeschwistern verbunden zu bleiben, auch wenn vielleicht keine körperliche Verbindung möglich ist.

Wir bleiben miteinander verbunden über die 2 Meter Abstand hinweg. Ohne Händedruck und Berührung bleiben wir über nötige Distanz und notwendigen Abstand hinweg miteinander verbunden.

Wir bleiben miteinander verbunden, ohne dass wir miteinander Gottesdienste gefeiert haben. Wir bleiben miteinander verbunden –   ohne Kirche und Gemeindeleben.

Ich habe an euch gedacht und ihr an mich. Wir haben miteinander geredet, telefonisch oder digital. Wir haben einander von der Ferne gesehen. Wir haben aufeinander gehört. Und achtsam aus der Distanz wahrgenommen, was der andere vielleicht gerade braucht.

Und aus dem miteinander verbunden sein, ist uns Kraft und Lebensfreude erwachsen, das Gefühl, wir sind nicht allein, das Gefühl der Dankbarkeit, da ist Hilfe.

Wir bleiben miteinander verbunden über Entfernungen und Grenzen  und Corona-Einschränkungen hinweg und bekommen Kraft, für das was zu tun ist.

So stelle ich mir auch die Verbundenheit mit Jesus vor.

Über räumliche Entfernungen und zeitliche Grenzen und den über den Sprung des garstigen Grabens von Jahrhunderten hinweg bleiben wir mit Jesus verbunden und bekommen heute Kraft und Lebensfreude, Kraft von ihm, Jesus.

Eine gute Frage ist: Wer ist dieser Jesus, von dem wir Kraft bekommen und mit dem wir in Verbindung bleiben können über Zeit und Räumlichkeit hinweg.

Wer ist dieser Jesus?

Jesus –  Das ist der, der die Frauen nicht ausgrenzt und die Schwachen und Armen nicht übersieht.

Jesus – Das ist der, der sagt: Andere unterdrücken, Macht missbrauchen, ein Oben und ein Unten – so soll es bei euch nicht sein!

Jesus – Das ist der, der Menschen auf Augenhöhe begegnet, ihnen wohltut mit seinen Worten und Taten, ihre seelischen Wunden heilt.

Jesus – Das ist der, der den Menschen von Gott erzählt, von seinem Gott, der die Menschen bedingungslos liebt, und diese Liebe auch lebt.

Jesus – Das ist der, von dem die Menschen sagen, den hat Gott bestätigt durch das, was an Ostern geschehen ist.

Jesus – Das ist aber auch der, der vor 2000 Jahren auf Erden gelebt hat.

Jesus – Das ist aber auch der, den die Kirche jahrhundertelang für sich vereinnahmt hat,

Zum Jesus der Kirchen haben sie ihn gemacht, je nach Bekenntnis. Zum evangelischen, katholischen, orthodoxen Jesus der Kirche haben sie ihn gemacht. Und dabei ist er doch nie dem jüdischen Glauben entfremdet gewesen.

Mit diesem Jesus können wir heute in Verbindung sein durch seinen Geist.

Mit diesem Jesus sind wir heute verbunden durch seinen Geist.

Eine Verbindung kann nicht bestehen, wenn wir Menschen nicht aneinander denken, miteinander reden, aufeinander hören, wenn wir einander nicht besuchen. Ebenso ist es mit der Verbindung mit Jesus. Sie kann nur bestehen, wenn ich auf seine Worte höre und ihnen Raum in meinem Leben gebe.

Wie zeigt sich Verbundenheit in der Zeit der Corona-Pandemie?

Nicht wahr, die letzten Wochen waren hart: Ausgangsbeschränkungen, Kontaktsperre, für manche Quarantäne. Kein Kindergarten, keine Schule, kein Büro, für viele Menschen heißt das auch: keine Arbeit, kein Geld. Andere arbeiten weit über ihre Grenzen, im Pflegeheim oder im Supermarkt. Die einen sind abends nur noch kaputt, andere gehen sich zuhause inzwischen so richtig auf den Geist, und wieder andere sind seit Wochen allein und einsam.  Da ist es schwer, mit anderen Menschen in Verbundenheit zu leben.

Wie bleiben wir verbunden mit denen, die zu uns gehören? Die wir jetzt nicht sehen können. Nicht treffen, nicht in den Arm nehmen. Telefonieren – ja, das mag helfen. Aber doch nicht über eine so lange Zeit. Schwer zu verstehen, dass es gerade jetzt der Abstand ist, die körperliche Distanz, die uns am meisten schützt. Darum suchen wir neue Formen der Nähe:

Von einer kleinen Episode habe ich gehört. Sie hat mir verdeutlicht, wie kreativ und mutig wir sein können, Verbindung aufzunehmen: An Ostern durfte eine Familie ihren alt und dement gewordenen Angehörigen wegen der Corona-Ansteckungsgefahr nicht mehr im Pflegeheim besuchen.  Was haben die Angehörigen gemacht, um mit ihm doch noch in Verbindung zu treten? Mit einer österlichen Kreidebotschaft auf dem Gehweg, und einem nicht ganz erlaubten österlichen Ständchen vor dem Pflegeheim direkt vor dem Balkon des Angehörigen haben sie die Verbindung mit ihm gesucht und gefunden. Das hat dem alten Menschen eine letzte Freude gemacht und wird den Angehörigen vor seinem Tod in kostbarer Erinnerung bleiben: Wir waren verbunden mit ihm.

Und ist es nicht so: Immer dann, wenn wir auf kreative Weise Verbindung mit dem anderen gesucht haben, waren wir glücklich, erfüllt, dankbar, zufrieden und haben Kraft getankt.

So ist es auch, wenn wir auf kreative Weise Verbindung mit Jesus suchen. Wir sind in dem Augenblick glücklich, erfüllt, dankbar, zufrieden und haben Kraft getankt. Seine Worte machen uns Mut, anderen Menschen Worte zu sagen, die ihnen Mut machen. Seine Liebe und Menschenfreundlichkeit steckt an und das ist in Zeiten vom Corona-Virus nichts Gefährliches, sondern im Gegenteil, seine Liebe und Menschen-freundlichkeit steckt uns an, die Menschen zu lieben und sich mit der ganzen Menschheit verbunden zu fühlen. Bleiben wir mit Jesus und den Menschen verbunden. Amen


Fürbitten

Gott, wir sind mit Jesus verbunden. Diese Verbindung schaut ganz unterschiedlich aus.   
Lass uns tolerant sein, wenn wir spüren, wie unterschiedlich verbindlich gelebtes Christsein aussieht.         
Lass uns in unserer Verbindung mit Jesus reifen. Schenke uns durch die Verbindung mit Jesus Kraft, Mut und Hoffnung für die Tage, die nun kommen.

Gott, in deinen Kirchen ist es möglich, dass Menschen eine ganz persönliche Verbindung zu Jesus   finden können. Wir danken dir von Herzen, dass wird bald wieder Gottesdienste feiern können in           unseren Kirchen. Lass uns spüren, wie gut es uns tut, wenn wir gemeinsam beten, auf dein Wort hören und in Verbindung mit Jesus bleiben.
Lass uns die Zeit, in wir wieder Gottesdienst feiern  können, kostbar werden. Gott, wir denken an all die Menschen, die die Verbindung mit dir unterbrochen haben: Vielleicht spüren sie in dieser schweren Zeit, was ihnen fehlt, wenn sie diese Verbindung nicht haben.                         
Lass die Menschen neu den Kontakt mit dir und deiner Kirche suchen. Wir selber sind offen für Begegnungen mit Menschen, die auf der Suche nach verbindlichem Glauben sind.

Gott, wir denken an all die Menschen, die noch nie Halt und Verbindung in ihrem Leben erlebt haben. So viele treiben orientierungslos dahin, finden keinen Halt und vermissen nicht einmal den Halt, den du uns Menschen in schweren Zeiten geben kannst. Lass sie Menschen finden, denen sie vertrauen können,  Christen und Christinnen, die glaubwürdig aus ihrer Verbindung mit Jesus ihr Leben leben. Gott, wir denken an die Menschen, die gerade Kraft brauchen, Kraft und Hoffnung diese schweren Zeiten   zu bewältigen. Die Kranken, die Sterbenden. Lass ihnen Kräfte erwachsen, die ihnen jetzt helfen. Gott, wir sind nicht nur mit Jesus und dir verbunden. Wir sind mit allen Menschen verbunden. Lass uns  diese Verbundenheit mit der ganzen Menschheit spüren. Wir werden still und denken auch an uns selbst, wie es uns jetzt in diesem Moment geht, was wir jetzt gerade brauchen.   

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen.

Der Gott deines Lebens segne dich und behüte dich!

Der Gott deines Lebens blicke dich freundlich an und sei dir gnädig!

Der Gott deines Lebens wende sich dir in Liebe zu und gebe dir Frieden!

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