Worauf bauen wir?

Predigt zum Weltgebetstag vom 5. März 2021 aus Vanuatu zu Matthäus 7,24- 27

24»Wer diese Worte von mir hört und sie befolgt, ist wie ein kluger Mann: Er baute sein Haus auf felsigem Boden.25Dann kam ein Wolkenbruch. Die Flüsse traten über die Ufer, die Stürme tobten und rüttelten an dem Haus. Doch es stürzte nicht ein, denn es war auf felsigem Untergrund gebaut.26Wer diese Worte von mir hört und sie nicht befolgt, ist wie ein dummer Mann: Er baute sein Haus auf sandigem Boden.27Dann kam ein Wolkenbruch. Die Flüsse traten über die Ufer, die Stürme tobten und prallten gegen das Haus. Da stürzte es ein und fiel völlig in sich zusammen.«  Basisbibel

Liebe  Gemeindeglieder!

„Worauf bauen wir?“, das fragen uns die Frauen aus Vanuatu, anlässlich des Weltgebetstages 2021. „Worauf bauen wir?“ Die Menschen in Vanuatu bewohnen Inseln im Südpazifik. Da gibt es viel Sand und Vulkanstein. Ich habe mich neugierig gefragt: Worauf bauen die Menschen auf den Inseln Vanuatus ihre Häuser? Ist es Sand wie an den vielen Stränden? Oder ist es vulkanisches Gestein, wenn man ins Landesinnere einer Insel kommt? Und halten diese Häuser stand, wenn wieder einmal ein Wirbelsturm über die Inseln hinwegfegt? Diese Welt am anderen Ende der Erde ist eine ganz andere Welt als hier bei uns in Deutschland. Trotzdem hören wir auf dasselbe Evangelium, dieses Mal ein Gleichnis, das Jesus erzählt hat. Und wir fragen uns, was dieses Gleichnis für die Menschen von Vanuatu und was sie für unser Leben bedeutet.

Worauf bauen wir? Auf Fels oder auf Sand? Immer wieder kommt es vor, dass ein Gebäude in sich zusammenbricht. 

Oft stellt es sich erst während des Einstürzens  oder viel später heraus: Wir haben auf Sand bebaut.

Die ganze Welt kommt mir inzwischen wie ein Haus vor, das ins  Rutschen kommt. Die Inseln im Pazifik drohen durch die drohende Klimakatastrophe unterzugehen. Den Menschen dort steht mehr als uns hier im sicheren Franken mittelfristig das Wasser bis zum Hals. Und zur Zeit machen wir Menschen eine globale Pandemie durch. Es ist egal, wo wir wohnen. Es trifft uns überall. Wir sind überall davon betroffen. Unsere Lebensgewohnheiten kommen ins Rutschen. Unsere Fundamente. Haben wir womöglich auf Sand gebaut?

Häuser kommen ins Rutschen und stürzen ein. Inseln verschwinden im Meer. Eine Pandemie lähmt uns global und konfrontiert uns mit handfesten Fragen: Haben wir genug Impfstoff – weltweit? Haben wir genug Masken – weltweit? Meistern wir diese Pandemie weltweit oder nur auf uns bezogen? Diese weltweite Pandemie stellt auch so manche selbstverständlich genommenen Grundwerte und Fundamente in Frage:

Wird unsere Gesellschaft noch von einem gemeinsamen Fundament getragen? Wie sieht es aus mit dem Respekt vor den Traditionen der Generationen vor uns, auf deren Grund wir bauten?
Oder sind gemeinsame Werte und Traditionen ins Rutschen gekommen?

Wir leben in einer Gesellschaft, in der der Einzelne eine große Last zu tragen hat. „Jeder muss selber wissen, was gut für ihn ist.“
So hört man es über die Zäune und Straßen hinweg, wenn wir uns überhaupt noch an den Zäunen und Straßen begegnen.  Wenn sich Nachbarn über das sonderbare Verhalten eines Dritten unterhalten, dann zucken wir vielleicht mit den Schultern, wenn es um Fragen von Sitte, Anstand, Moral, Ethik geht. „Muss jeder selber wissen!“


Eigentlich ein Widerspruch. Denn Sitte, Anstand, Moral sind gemeinschaftliche Traditionen. Wir regeln mit ihnen unser Zusammenleben.“ Das gehört sich so. Das macht man so. Daran hält man sich tunlichst.“

Oder anders gesagt: „Das gehört sich nicht. Das sagt mir mein Anstandsgefühl. Das tut man nicht.“

Wir leben in einer Gesellschaft, in der der Einzelne, das Individuum betont wird. Das hat schon was: Ich als Einzelner suche mir selber aus, an welchen Gemeinschaften mit welchen Regeln ich teilnehme: zu welchem Verein, zu welchen Kollegen ich mich halte,. Auch ob mir die Gemeinschaft im Gottesdienst oder in der Kirche wichtig ist, ist meine Entscheidung und wenn ich mich nicht zur Kirche geht, ist es auch meine Entscheidung.

Und jeder und jede entscheidet anders. Unser Bedürfnis nach Gemeinschaft ist individuell anders.

Die Sozialforscher sagen sogar: Wir leben in unterschied-lichen Lebenswelten, so als würden wir von der einen Gruppe zur anderen wie auf einen anderen Planeten uns wiederfinden.

Das fordert uns einzelne Menschen mitunter richtig heraus. Wir müssen ständig umschalten, uns auf andere menschliche Gemeinschaften einstellen, und  auch auf die unterschied-lichen Regeln und Traditionen der unterschiedlichen Kreise.
Und fallen wir dort aus der Rolle, müssen wir uns erklären und rechtfertigen.
Deswegen ist der Anpassungsdruck ziemlich groß. Ebenso die Versuchung, den Mund zu halten, zu schweigen, wenn man besser man was sagen sollte.
So fällt es uns Menschen in unserer individualistischen Gesellschaft zunehmend schwer, gemeinsame Ziele für alle unsere Lebensbereiche zu finden. Im Konfliktfall zucken wir dann mit den Schultern und sagen: Muß jeder selber wissen.

Einerseits muss es tatsächlich jeder und jede selber wissen und verantworten, was er oder sie zu tun oder zu lassen hat. Einerseits ist in einer globalen Pandemie jeder und jede gefragt:

Wie steht eigentlich mein persönliches Lebensgebäude da?
Wie stark ist es im Felsen verankert?
Was habe ich doch auf Sand gebaut!
Und was hält mich, wenn unten der Grund nachgibt?

Andererseits ist es ungeheuer hilfreich und entlastend für den Einzelnen, zu wissen, was in unserer Gesellschaft unsere Werte und Traditionen sind, worauf wir uns in der Gesellschaft uns normalerweise verlassen kann und was uns gemeinsam Halt und ein Fundament im Leben gibt gerade in Krisenzeiten.

In Krisenzeiten werden auch die Werte und Traditionen unserer Gemeinschaft gefragt, auch die unserer christlichen Gemeinschaften:

Was verbindet uns als Gemeinde? Wenn wir unsere Fühler ausstrecken, merken wir: Wir sind gar nicht allein auf uns gestellt. Da gibt es neben Trautskirchen auch Neuhof und Markt Erlbach und Wilhermsdorf u.a. Da gibt es unser Dekanat, unsere Landeskirche. Und auch unsere evang. Luth. Kirchen sind nicht allein auf sich gestellt. Wir leben unser Christsein in einer globalen Welt und sind auf einmal mit den Christen aus Vanuatu am anderen Ende der Welt verbunden. Von denen hatte ich vorher nichts gewusst. Und doch gibt es sie und auch für die Menschen im Südpazifik gibt es uns hier in Franken.

Wenn die Menschen auf den Südseeinseln wegen dem Klimawandel absaufen, kann es uns nicht egal sein. Wir sind mit ihnen und allen anderen Menschen verbunden. Die globale Pandemie zeigt es uns eindrücklich, wie abhängig und verbunden wir sind.


Und was haben wir als christliche oder kirchliche Wertegemeinschaft der Gesellschaft zu sagen? Vertreter der nichtchristlichen Gesellschaft können uns kritisch zurückfragen: Inwiefern seid ihr als Kirchen wirklich glaubwürdige Wertegemeinschaft? Die Kirchenaustritte katholischer Christen in Köln wegen sexueller Mißbräuche einiger katholischer Priester gehen uns Evangelische sehr wohl was an. Die Gesellschaft macht keine großen Unterschiede zwischen Evangelisch und Katholisch. Wir hängen als christliche Gemeinschaften da mit drin, ob wir wollen oder nicht. Und auch in unserer evangelischen Kirche ist der Umgang mit Machtmissbrauch auch durchaus ein Thema.

Ob evangelisch oder katholisch, wir sind zudem auch nur ein Teil unterschiedlicher Lebenswelten unserer Gemeinde-glieder, und oft nur ein kleiner Teil.
Viele sind ausgetreten. Viele werden noch austreten. Weil sie unsere christliche Werte nicht mehr teilen oder auch nur aus finanziellen Gründen.


Hat die Kirche einen sicheren Stand, wenn immer mehr Menschen ihr den Rücken kehren?
Passt das Bild einer Volkskirche noch ins Gesamtbild unserer Gesellschaft
Bröckelt und rutscht es hier nicht auch gewaltig?

24»Wer diese Worte von mir hört und sie befolgt, ist wie ein kluger Mann: Er baute sein Haus auf felsigem Boden“

„Diese Worte von mir.“ Es sind die Worte, die Jesus unmittelbar vorher gesagt hat. Auf diese Rede müssen wir hören.

 Aber was ist das denn für eine Rede? Es ist die Bergpredigt.
Die lange Rede Jesu in der Bergpredigt Mt 5-7. Worum geht es Jesus in der Bergpredigt?

Er preist die Armen, die Friedenstifter,
die nach Gerechtigkeit Dürstenden selig.

Es ist die Rede Jesu, in der er sagt: Halt auch noch die andere Backe hin, wenn dich einer auf die eine haut.
Es ist die Rede Jesu, in der er sagt: Kümmere dich um den Balken im eigenen Auge, bevor du am Splitter im Auge des Nächsten operierst.
Und: Sorgt euch nicht. Trachtet vielmehr zuerst nach dem Reich Gottes zuerst, alles andere wird euch zufallen.

»Wer diese Worte von mir hört und sie befolgt, ist wie ein kluger Mann:
Was Jesus sagt, sollen wir als Nachfolger nicht nur hören, sondern auch tun!

Hören  – dazu haben wir die Bibel zu Hause und hier im Gottesdienst wird die Bibel ausgelegt.

Aber lasst uns die Rede Jesu nicht in den Mauern der Kirche und Familien einsperren für gemütlich-weihevolle Stimmung. Lasst es uns von Jesus auch gesagt sein lassen.

26Wer diese Worte von mir hört und sie nicht befolgt, ist wie ein dummer Mann: Er baute sein Haus auf sandigem Boden.2
Ist das deutlich? Wenn wir als Gemeinde unsere christlichen Traditionen in der verstaubten Bibel im Regal archivieren,
ihr keine Kraft für unser heutiges Leben zutrauen,
werden unsere christlichen Werte im Boden versinken.

Wer diese Worte von mir hört und sie befolgt, ist wie ein kluger Mann: Er baute sein Haus auf felsigem Boden.2
Wenn wir die Rede Jesu hören und tun, was er von uns heute fordert, werden wir fest stehen und im Leben bleiben,
und kein Sturm und keine Pandemie der Welt wird uns den Boden entziehen können.
Amen.

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