Die (Corona-)Zeit auskaufen Epheser 5,15-20 Predigt

 Trautskirchen  Epheser 5,15-20 „Kauft die Zeit aus!“

Liebe Gemeinde!

„So achtet nun genau darauf, wie ihr euer Leben führt,

nicht als Unweise, sondern als Weise! Und kauft die Zeit aus, denn es ist böse Zeit!

Darum seid nicht unverständig, sondern versteht, was der Wille des Herrn ist.

Sauft euch nicht voll Wein, denn das führt zur Zügellosigkeit, sondern lasst euch vom Geist erfüllen.

Ermuntert einander mit Psalmen und Lobgesängen und geistlichen Liedern,           singt und spielt dem Herrn in euren Herzen und sagt Gott, dem Vater, allezeit Dank für alles…          Eph 5,15-20

1. Dankt für alles! Höre ich ganz am Ende heraus. Dankt für alles. Gerade in diesen Zeiten der Dank. Das ist das eine, was mich anspricht und was ich seit Monaten einübe: Jeden Tag überlege ich mir: Wofür kann ich Danke sagen. Gerade in diesen schwierigen Zeiten.  Ich will nur verraten, es gibt vieles, wofür ich danken kann. Ein Ergebnis sind hier in der Kirche die Dankesworte, die ich und auch andere gefunden haben.

Übt euch im Danken ein!

Und Kauft die Zeit aus. Über letzteres möchte ich nun nachdenken.

2. Zunächst ein paar Gedanken zum Stichwort Zeit.

Zeit verrennt. Zeit vergeht.

Unsere Lebenszeit, meine Lebenszeit verstreicht. Ich kann die Zeit nicht aufhalten. Ich kann sie auch nicht zurückdrehen.

Unsere Lebenszeit ist begrenzt.

Und gestundet.

Wie heißt es doch in einem Psalm:

„Unser Leben währet siebzig Jahre,

und wenn`s hoch kommt,

so sind´s achtzig Jahre,“ […]

und

„Es fähret schnell dahin, als flögen wir davon.“

Schnell fährt´s dahin, das Leben, als flögen wir.

Auch ungelebtes Leben fährt dahin, fliegt davon und geht zu Ende. Wie viel nicht gelebtes Leben gibt es! „Dass er starb, ist noch kein Beweis dafür, dass er gelebt hat.“ Schrieb ein Schriftsteller (Stanislaw Jerzy Lec) in seinen „Unfrisierten Gedanken“ Mancher kennt nur seine Arbeit. Ist das ein Leben? Der Stumpfsinn täglicher Arbeitsqual und täglicher Hetze nimmt den Tod vorweg.

Ungelebtes Leben … Auch ungelebtes Leben geht zu Ende.

    

Es ist immer die eigene Lebenszeit, die wir nutzen und auskosten können.

3. Deshalb: Kauft die Zeit aus!

  „Kauft die Zeit aus!“

Schon ein seltsamer Satz. Kauft die Zeit aus! Ausverkauf der Zeit? Lutherdeutsch. Gemeint  ist: Nutzt die Zeit, die ihr habt. Auch in den schwierigen Zeiten.

Die Zeit auskaufen, die Zeit nutzen. Erst einmal möchte ich sagen, was die Zeit nutzen nicht ist:

Die Zeit nutzen, damit ist nicht gemeint, dass wir uns dauernd fragen: Was bringt´s ? Was nützt es?

Essen schnell, schnell, Zeit sparen, auf der Arbeit ja keine Zeit verschwenden, Beziehungen und Freundschaften nur dann pflegen, wenn sie was bringen? Bloß keine Zeit verlieren für Menschen, die nicht wichtig sind? Nur ja keine Zeit verschwenden für unwichtige Dinge. Das ist mit Zeit auskaufen nicht gemeint.

Was bringt´s ? Was nützt es?  Wir können diese Frage nicht ernsthaft stellen, wenn der Mitmensch vor der Tür steht? Oder wenn er anruft. Auch wenn er stört und nervt, ist es doch ein Mitmensch, der nach meiner Zeit verlangt. Wie ist das, wenn jemand für mich keine Zeit hat, weil ich in seinen Augen nur störe oder unwichtig bin.

Da ist jemand, der braucht mich. Und es ist immer gut, sich für den Mitmenschen Zeit zu nehmen und dabei nicht nach dem Nutzen schielen. Gerade die scheinbar unwichtigen Menschen können auf einmal wichtig sein.

Zeit, die nur darauf schaut, was bringt´s, ist womöglich die eigentlich vergeudete Zeit. Wir leben womöglich am echten, wahren, sinnvollen Leben vorbei, wenn wir unsere Zeit nur noch auf Nutzen und Effektivität trimmen.

Jetzt in der Coronazeit haben wir Zeit, viel Zeit.

Jetzt in der Coronazeit, in der Abends nicht so viel los ist, habe ich auch an mir wahrgenommen: Mir ist langweilig. Ich mag abends nicht dauernd fernsehen. Aber in solchen langweiligen Momenten ist mir aufgegangen: Auch die Langeweile, die Muße, dass ich Zeit habe, ist wichtig. Wir  Menschen stoßen auf die wirklich wichtigen Dinge im Leben oft erst dann, wenn wir nicht eingezwängt werden im täglichen Zeitraub. Wir brauchen die Muße zum Nachdenken und Innehalten, selbst wenn die Muße langweilig ist.

Aber zurück zur Frage: Was heißt dann: die Zeit nutzen, auskaufen?

4. Aber wie? Jetzt schauen wir vielleicht doch noch einmal auf den Gesamtzusammenhang. Wie heißt es im Predigttext gleich zuerst:

4.1.  „Achtet auf euer Leben!“  So kauft ihr euer Leben aus.

Das Gegenteil wäre, das Leben nicht achten, sich im Leben träge dahintreiben zu lassen oder gar gleichgültig gegenüber dem Leben zu sein. Ist doch alles egal!

Ist doch alles scheißegal!

Gell, jetzt habe ich Sie schon ein wenig erschreckt. Aber da darf man schon mal hochschrecken. Ist doch schlimm, wenn das einer nicht nur sagt, sondern lebt: dieses Ist doch alles scheißegal!

Was für eine Lebenseinstellung verbirgt sich  dahinter?  Ich versuche dieser Lebenseinstellung eine Sprache zu geben:

„Mir doch scheiß egal, es interessiert mich  nicht, was in der Welt vor sich geht. Es interessiert mich nicht, was in der großen Politik vor sich. Scheißegal, betrifft mich nicht. Und genauso wurscht ist es mir, was vor Ort geschieht, in meinem unmittelbaren Umfeld in Trautskirchen,  in der Region, im Dorf, selbst gegenüber beim Nachbarn. Scheißegal, solange sie mir meine Ruhe lassen.“

Nicht war, über eine solche Scheißegal-Haltung kann man sich ganz schön aufregen. Sie ist weit verbreitet. Aber während ich mich über diese  – entschuldigen Sie bitte „Scheiß-Gleichgültigkeit“  aufrege, merke ich, dass auch wir, ja dass auch ich selber daran kranke. Ja, wenn wir in uns hineinschauen, erschrecken wir möglicherweise vor der eigenen Gleichgültigkeit an den Menschen um uns  herum

und an dem, was in mir und mit mir ist. Ist doch egal! Ist es eben nicht!

Es ist alles andere als egal, was in mir und um mir herum geschieht. Es ist alles andere als wurscht, was im Dorf, in der Gesellschaft, ja auf der globalen Welt so geschieht.

„Achtet auf euer Leben!“ So kann es also ausschauen, eure Zeit auszukaufen und auszukosten: Indem ihr sorgsam mit dem Leben umgeht. Mit dem Leben eurer Mitmenschen, eurer Umwelt, aber auch mit unserem eigenen Leben. Das Leben ist kostbar.

4.2. Dann noch ein zweiter Hinweis, was es heißen kann, das Leben auszukosten:

 „Versteht, was der Wille des Herrn ist!“

Das ist nicht ganz so einfach. Wer weiß schon, was der Wille Gottes ist? Nur Fundamentalisten wissen darauf immer eine fertige Antwort.

Was Gottes Wille ist, wir Menschen finden darauf in unserem Leben nur vorläufige Antworten. Und müssen uns mit anderen beraten: Was meinst du, was ist heutzutage hilfreich, was ist jetzt für uns gut und dran?

Diese Fragen, was wirklich wichtig ist im Leben, kann ich nur mir stellen – mein Leben betreffend. Aber ich kann mit anderen darüber reden. Das öffnet das eigene Denken und erweitert meinen Horizont: Aha, so kann man es auch verstehen, das Leben auszukaufen, auszukosten.

Und schließlich noch ein letzter Hinweis, wie wir das Leben auskaufen, auskosten können:

4.3. „Sauft euch nicht voll Wein! Lasst euch vom Geist erfüllen.“

Damit ist der Lebensgenuss angesprochen.

Das Leben genießen, darf man das etwa nicht?

Nun es gibt ein Zuviel an Genuss. Alkoholiker und

Angehörige von Alkoholkranken wissen das. Es gibt den Rausch, der Leib und Leben zugrunde richtet.

Jeder Mensch kennt Trunkenheit, kennt „Besoffensein“.

Jeder Mensch kennt süchtiges Verhalten, hat seinen „Alkohol“ in seinem Leben. Immer wenn es ein Zuviel an Genuss ist, ein Übermaß, wird es gefährlich.

Der Missbrauch des Lebensgenusses schließt aber nicht den Lebensgenuss aus. Darum heißt es: füllt euch mit heiligem Geist ab.

Auf Latein heißt Alkohol „Spiritus“. Dasselbe Wort wird für den heiligen Geist benutzt, spiritus sanctus.

Es gibt im Leben einen göttlichen Geist,  der uns trunken sein lässt vor Glück. Es sind die glücklichen Momente im Leben, die kleinen und die großen Momente des Lebens, die uns spüren lassen: Das Leben ist mehr als Arbeit. Es ist Glück, Lachen, Staunen.

Es gibt in deinem und meinem Leben glückliche Momente. Wir können sie nicht machen. Das Glück fällt uns in den Schoß. Es gibt Momente im Leben, da können wir vor Freude die Welt umarmen.

Gott möchte, dass wir das Leben genießen können, dass wir uns des Lebens freuen können. Lebenslust und Lebensfreude, auch das sollen wir, dürfen wir auskosten, auskaufen.

Kauf die Zeit aus – sie ist geschenkte Zeit!

Kauf die Zeit aus: Achte auf dein Leben! Von wegen: egal!

Das Leben ist kostbar und wertvoll.

Kauf die Zeit aus, indem du immer wieder danach fragst, was wirklich wichtig ist in deinem Leben.

Kauf die Zeit aus. Füll´ dich nicht ab, aber wenn die Lebenslust dich packt,  lass dich von ihr  erfüllen!

Noch einmal die Worte aus dem Epheserbrief in der Basisbibelübersetzung:

15Achtet also sorgfältig darauf, wie ihr euer Leben führt: Nicht voller Dummheit, sondern voller Weisheit.16Macht das Beste aus eurer Zeit, gerade weil es schlimme Tage sind.17Aus diesem Grund sollt ihr nicht unverständig sein, sondern begreifen, was der Wille des Herrn ist!18Betrinkt euch nicht mit Wein, denn das macht euch zügellos. Lasst euch lieber vom Geist Gottes erfüllen.19Tragt euch gegenseitig Psalmen, Hymnen und geistliche Lieder vor .Singt für den Herrnund preist ihn aus  vollem Herzen!20Dankt Gott, dem Vater, zu jeder Zeit und für alles …  Amen

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