Menschen können sich ändern!

Menschen können sich ändern. Jeder Mensch kann sich ändern, auch die Menschen von Ninive. Gott hat sie noch nicht aufgegeben. Darum schickt er ihnen einen Propheten. Der soll ihnen sagen, was Sache ist:  “Noch vierzig Tage, dann ist es vorbei mit Ninive. Dann geht die Stadt unter!”

Lesung Jona1, 1–2

1 Das Wort des HERRN kam zu Jona, dem Sohn des Amittai:

2 »Auf! Geh nach Ninive, in die große Stadt, und rede ihr ins Gewissen! Ihr böses Tun ist mir zu Ohren gekommen.«

Auf, geh nach Ninive! Jona. Jona Jedermann oder Jederfrau. Jona lebt überall und zu allen Zeiten. Es könnte also auch heißen: Auf, Jona, geh nach Belaruss oder all diese Länder heißen, wo Korruption herrscht, Mord und Totschlag. Auf, Jona, geh dahin, wo Geld und Macht wichtiger sind als Nächstenliebe und Barmherzigkeit. Auf, Jona, geh dorthin, wo krumme Geschäfte gemacht werden auf Kosten der Umwelt und der Ärmsten dieser Welt. Auf, Jona, geh dorthin, wo Kriege geplant und Waffen zur Vernichtung geschmiedet werden. Denn dafür steht Ninive in der biblischen Erzählung. Auf, Jona, geh nach Ninive – und sag allen: „Unser Gott spricht: So geht es nicht weiter! So werdet ihr alle untergehen! Kehrt um!“ Los, Jona, mache dich auf die Socken! Lauf, denn die Zeit ist knapp!

Ninive gibt es nicht nur im Großen. Ninive ist zum Beispiel auch da, wo in unseren Beziehungen Hochmut und falscher Stolz herrschen. Ninive ist in unserem direkten Umfeld da, wo Menschen ausgenutzt und unwürdig behandelt werden. Auf, Jona, geh nach Ninive könnte dann heißen: Schau dahin, wo deine Beziehungen verkorkst sind, wo ihr einander verletzt und gemein seid. Auf, Jona, geh genau dorthin! Denn dort wartet eine Aufgabe auf dich, vor der du schon so lange wegläufst:


Da ist eine Frau in unmittelbarer Nachbarschaft. Ihre Ehe ist schon jahrelang schwierig ist. Ihr Mann trinkt zu viel und macht ihr das Leben zur Hölle. Immer wieder und wieder hat sie verziehen, ausgehalten und konnte sich nicht durchringen, sich von ihm zu trennen.  Vielleicht ist ihr Auftrag, nun endlich in ihr „Ninive“ zu gehen:  Auf! Jona, geh nach Ninive. Schau genau hin, wie es dir damit geht und treffe endlich eine Entscheidung. So geht das nicht weiter. Es ist Zeit umzukehren, sonst werden beide untergehen.


Auch das Umgekehrte kann ein Auftrag sein: Auf, ihr Jonase geht aufeinander zu, auf, Jona, biete Versöhnung an, Auf, Jona sei barmherzig. So legt es uns die Jahreslosung (Lukas 6,36) ans Herz legt: Jesus Christus spricht: Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist!

Los, Jona, mach dich auf!


Was hält ihn ab, was lässt ihn zögern? Nun, Ninive ist kein Ort, wo er gerne leben möchte. Jona, das Landei soll in die Großstadt nach Ninive! Heute wäre Ninive New York, Berlin, oder Bombay. In eine dieser fürchterlich großen Städte mit den Slums. Wo er niemanden kennt. Wo Millionen Menschen durch die Straßen rennen. Wo die Menschen hetzen. Wo die Autos rasen Wo man keine Sterne mehr sieht, aber für Geld alles bekommen kann. Wie soll das gehen? Niemand wird auf dieses Landei Jona hören. Jona denkt: „Was hast du dir dabei gedacht, Gott? Sie werden mich auslachen oder mundtot machen. Denn ich störe. Niemand wird auf mich hören. Und außerdem ich habe Angst. Nimm jemand anderen, Gott, lass mich mit diesem Auftrag in Ruhe. Ich will kein Unheilsprophet sein, der durch die Fußgängerzonen schreiend zieht und alle lachen über mich!“

So ist das bei unseren Ninives, den großen und den persönlichen: Da wartet unangenehme Arbeit auf uns, da wird es schmerzlich. Da stoße ich auf Ablehnung und Spott – oder ich stoße auf meine eigenen Abgründe und verkorksten Geschichten: „Will ich mir das wirklich anschauen und antun? Wie soll mein Leben denn dann weitergehen? Ich weiß doch nicht wohin und was werden soll.“

Jona also läuft– nein, nicht nach Ninive – sondern in die entgegengesetzte Richtung. Ziel: Am besten bis ans Ende der Welt, dort, wo Gottes Arm nicht hinreicht. Ein Schiff soll ihn dorthin bringen … Er zahlt den Fahrpreis, zieht sich im hintersten Winkel des Schiffes zurück. Und das Schiff legt ab. Aber es kommt, wie es kommen muss: Die See wird rau, dann stürmisch, bis schließlich der Orkan losbricht. So ist das, wenn wir die Augen verschließen– vor den Folgen unseres nicht nachhaltigen Wirtschaftens und ungerechten Lebens in der gesamten Welt. So ist das, wenn wir die Augen verschließen vor den ersten Störungs-Anzeichen in unseren Beziehungen. Wir verschließen die Augen – aber der Sturm lässt sich nicht aufhalten. Er wird nur noch schlimmer. Irgendwann hilft nur noch: hinsehen und handeln.

Ein letzter Ausweichversuch ist dann häufig: Hinsehen und verhandeln. Also nicht wirklich etwas tun, sondern fragen: Wen können wir verantwortlich machen? Und damals wie heute fragen die Menschen an Bord: Wer ist schuld? Es muss doch jemanden geben, der für diese Misere verantwortlich ist. Welcher Gott hat uns das eingebrockt? Deiner oder meiner? Oder gar der merkwürdige Gott des Hebräers? Antisemitismus kommt daher: Irgendjemand muss doch schuld sein für die Pandemie oder das Unglück, also sind es die Juden.


Ich bin schuld – sagt Jona. Und mit diesem Satz hat er seine Flucht eigentlich schon beendet. Vor meinem Gott, vor seinem Auftrag kann ich nicht davonlaufen – merkt er. Vor mir und meiner Verantwortung kann ich nicht davonlaufen.

Jona gibt die Flucht auf, aber stellt sich der Aufgabe noch nicht: Wenn ich schon nicht fliehen kann, dann eben untergehen? Die anderen sind einverstanden! Ein Opfer muss her – das hat doch bisher meistens geholfen. Ein Sündenbock – her damit! Werft mich ins Meer! Lieber einer stirbt – als alle zusammen.

Und so werfen sie ihn, nach vergeblichem Versuch, gegen den Sturm anzurudern, in des Meeres Rachen.
Und es wird still, ganz still. Der Sturm legt sich, spiegelglatt das Meer und Jona sinkt in die tiefe Stille.
Und auf einmal kommt da ein Fisch, groß wie ein Haus, mit weit aufgerissenem Maul. Und er verschluckt den Jona mit einem Happs! Das dürfte dann wohl wirklich das Ende sein. Jona fällt  in einen tiefen Schlaf. Doch anstatt in die Hölle zu versinken, wacht er wieder auf. Im Bauch des Fisches – umgeben von, ja was eigentlich? Er erinnert sich an dieses Gefühl – damals, als er noch nicht geboren war. Im Bauch der Mutter war er geborgen, geschützt vor allen Gefahren der gleißenden Welt da draußen.

Und im Bauch des großen Fisches, in der Tiefe seines Daseins beginnt es in ihm zu singen:

3 Als ich in Not war, schrie ich laut.

Ich rief zum HERRN und er antwortete mir.

Aus dem Innern des Totenreichs rief ich um Hilfe.

Da hast du mein lautes Schreien gehört.

4 In die Tiefe hattest du mich geworfen,

mitten in den Strudel der Meere hinein.

Wasserströme umgaben mich.

Alle deine Wellen und Wogen –

sie schlugen über mir zusammen!

5 Da dachte ich: Jetzt bin ich verloren,

verstoßen aus deinen Augen.

Wie kann ich je wieder aufschauen,

um deinen heiligen Tempel zu sehen?

6 Das Wasser stand mir bis zum Hals.

Fluten der Urzeit umgaben mich.

Seetang schlang sich mir um den Kopf.

7 Zum Grund der Berge bin ich hinabgestiegen,

in das Reich hinter den Toren des Todes.

Sie sollten für immer hinter mir zugehen.

Du aber hast mein Leben aus dem Abgrund gezogen,

du HERR, du bist ja mein Gott.

8 Als ich am Ende war,

erinnerte ich mich an den HERRN.

Mein Gebet drang durch zu dir,

bis in deinen heiligen Tempel.

9 Ja, wer sich an Nichtigkeiten klammert,

verliert seinen einzigen Halt im Leben.

10 Ich aber will dir mit lauter Stimme danken,

Schlachtopfer will ich dir darbringen.

Auch meine Gelübde werde ich erfüllen.

Hilfe findet sich beim HERRN!

Lied 630 Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir….

11 „Da befahl der HERR dem Fisch, Jona an Land zu bringen. Dort spuckte der Fisch ihn aus.“


Jona weiß jetzt: Ich kann nicht vor Gott fliehen! Ich kann nicht vor seinem Auftrag fliehen. Ich muss nach Ninive gehen. Davonlaufen ist zwecklos. Noch nicht verstanden hat er, dass der Auftrag selbst gut ist, lebensnotwendig. Aber er weiß schon – was er vorher nicht wusste –, dass Gott mit ihm geht. Dass er sich nicht zu fürchten braucht.

Als Jona endlich in Ninive eintrifft, ist seine Botschaft von großem Erfolg gekrönt:

3 1 Das Wort des HERRN kam zum zweiten Mal zu Jona:

2 »Auf! Geh nach Ninive, in die große Stadt,

und rede ihr ins Gewissen!

Ich werde dir sagen, was du ihr verkünden sollst.«

3 Da machte sich Jona auf und ging nach Ninive.

Diesmal folgte er dem Wort des HERRN.

Ninive war aber eine ungeheuer große Stadt.

Man brauchte drei Tage, um sie zu durchwandern.

4 Jona wanderte einen Tag in die Stadt hinein

und rief: »Noch 40 Tage, dann wird Ninive zerstört!«

Der Erfolg ist atemberaubend:

 Die ganze Stadt geht in Sack und Asche, von den einfachen Leuten bis zum König gehen sie buchstäblich in Sack und Asche in der Hoffnung, dass sie doch noch einmal Gnade vor Gott finden möchten. Sie geben ihr böses Treiben auf und machen einen neuen Anfang.

Ich sagte eingangs:

Menschen können sich ändern. Jeder Mensch kann sich ändern, auch die Menschen von Ninive. Gott hat sie noch nicht aufgegeben. Gott sei Dank können sich Menschen ändern. Gott sei Dank gibt Gott uns Menschen nicht auf.


Auch der Gott des Alten Testamentes ist ein Gott der Liebe. Er ist geduldig und von großer Güte. Wenn Menschen auf Abwege geraten, wünscht er sich nichts sehnlicher, als dass sie umkehren und auf den rechten Weg zurückfinden. Er tut alles dafür, sie zu einer Sinnesänderung zu bewegen. Das gilt für auch für die Menschen in Ninive. Das haben die Menschen gespürt und deshalb kehren sie um, nicht aus Angst, sondern weil sie spüren, Gott ist ein Gott der Liebe.

Wir sind nicht nur Jona. Wir sind auch die Leute in Ninive. Wir sind verstrickt in einen Lebensstil, der uns selbst schadet, aber auch unseren Mitmenschen und der ganzen Schöpfung. Wir sind angewiesen auf Menschen wie Jona, die uns die Augen öffnen und uns für andere Wege öffnen. Wir sind angewiesen auf Menschen wie Jona, der uns die Augen dafür öffnet, dass uns eine göttliche Liebe umfängt.


Und Jona? Seine Begeisterung hält sich in Grenzen. Jetzt, wo er mit dem sanften Druck Gottes doch nach Ninive gegangen ist, möchte er auch den Untergang der Stadt sehen. Dass Gott sich erweichen lässt, passt ihm gar nicht. Obwohl er selbst die Güte Gottes gerade erst am eigenen Leib erlebt hat. Gottes Güte ist größer, als Jona es sich ausmalen kann. Gottes Liebe ist so unendlich viel größer als wir Menschen es sich ausmalen können oder wollen. Gott will, dass Menschen ihr Leben ändern, nicht, dass sie zugrunde gehen. Darum gibt er nicht auf. Niemanden. Auch heute nicht. Auch Jona nicht, der missgünstig unter dem Rizinusstrauch hockt und am Leben verzweifelt, weil Gott so gütig ist und kein Unheil über Ninive schickt. Als die Rizinus-Pflanze, die Jona Schatten gespendet hatte, verdorrt, heult er. Die ganze Jona-Geschichte endet mit einer Frage Gottes an Jona:

Du heulst wegen einer Rizinus-Pflanze.

10 Da sagte der HERR:

»Die Rizinus-Pflanze tut dir leid.

Doch du hast keine Mühe mit ihr gehabt

und sie auch nicht großgezogen.

Sie wuchs über Nacht und verdarb über Nacht.

11 Und jetzt frage ich dich:

Sollte Ninive mir nicht leidtun –

eine große Stadt mit mehr als 120.000 Menschen?

Sie alle wissen nicht, was links und was rechts ist.

Dazu kommen noch die vielen Tiere.

Sollte es mir da nicht leidtun?«

So tut es Gott unendlich leid, wenn Leben verkehrt läuft, ohne Liebe, mit Hass. Und umgekehrt freut sich Gott, wenn Leben wieder in Bahnen läuft mit Liebe und Herzenswärme. Jeder Tag meines Lebens bietet uns eine

Möglichkeit, unser Leben Guten hin  zu verändern.
Amen.

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