Archiv der Kategorie: Alles mögliche

Schenke denen, die dich nicht schätzen, deine Abwesenheit!

Schenke Menschen, die deine Anwesenheit nicht schätzen,

deine Abwesenheit.

Warum setzt du dich der Gegenwart von Menschen aus, die dich klein und unwichtig machen?

Warum tust du dir diese Menschen an?

Du brauchst diese Menschen nicht.

Du hast die Freiheit, dich von diesen Menschen, die dich klein machen, zu verabschieden.

In deiner Welt gibt es noch mehr als genug Menschen, die dich wirklich schätzen.

Mehr als du denkst,

gibt es Menschen, die dich so annehmen wie du bist

und sich darüber freuen, dass es dich gibt.

Schenke den Menschen, die deine Anwesenheit nicht schätzen, ruhig deine Abwesenheit.

Sie werden dich nicht vermissen

und du sie auch nicht.

Vom Glück der Hoffnung auf Glück Erich Fried (1921-1988)

Bevor ich sterbe

Noch einmal sprechen

von der Wärme des Lebens

damit doch einige wissen:

Es ist nicht warm

aber es könnte warm sein

Bevor ich sterbe

noch einmal sprechen

von Liebe

damit doch einige sagen:

Das gab es

das muss es geben

Noch einmal sprechen

vom Glück der Hoffnung auf Glück

damit doch einige fragen:

Was war das

wann kommt es wieder?

Erich Fried (1921-1988)

Geschützt: Wut

Dieser Inhalt ist passwortgeschützt. Um ihn anzuschauen, gib dein Passwort bitte unten ein:

Den Dingen auf den Grund gehen

Letzte Dinge

Letzten Dingen auf den Grund gehen

Woher ich komme,

wohin ich gehe,

welchen Sinn mein Leben hat

woher wohin wozu

Lebensfragen auf den Grund gehen.

In die Tiefe des Seins tauchen

So tauche ich in die Tiefe des Seins mit meinen Fragen:

„Woher ich komme?“

Ich bin kein Produkt des  Zufalls.

Nichts geschieht ohne Hintersinn

Auch mich hat eine höhere Macht gewollt

Und ins Leben gerufen.

Ich kann diese höhere Macht „Gott“ nennen oder „Universum“  oder was weiß ich.

Ich komme aus höheren Kreisen,

bin mehr als Fleisch und  Blut, Genen und Materie.

Und wenn ich sterbe,

kehre ich dahin zurück, woher ich gekommen bin.

Solange ich lebe, wird mich die Frage nach dem Wozu meines Daseins beschäftigen.

Ja,

ich habe eine Mission,

eine Berufung,

die ich immer wieder neu für mich entdecken darf.

Es ist genug!

„Es ist genug!“

Dieser Satz begleitet mich seit Jahren, als er mir während eines Bibliodramas ins Auge fiel.

Seitdem lässt er mich nicht mehr los. Es ist genug!

Immer mehr und immer mehr Ansprüche ans Leben stellen?  –

Es ist genug!

Wir werden befreiter leben und anderen bleibt mehr vom Leben.

Immer  mehr und immer mehr Worte verbreiten?

Es ist genug!

Weniger Worte machen, einfach mal auch schweigen,-

Wir werden ruhiger, gelassener

Und andere kommen zu Wort.

Es ist genug!

Immer ungeduldiger werden, immer alles sofort haben wollen?

Es ist genug!

Wir können geduldiger sein.

Wir können entspannter leben

und andere können aufatmen.

Es ist genug, sagt uns Gott, lass es gut sein,

du musst nicht immer mehr haben wollen,

du musst nicht über deine Kräfte und Möglichkeiten leben,

du musst nicht am Leben vorbei leben.

Sei einfach du selbst, und es ist genug!

Weniger Ansprüche ans Leben stellen

Weniger Ansprüche ans Leben stellen –

Wir würden befreiter leben

Und anderen bliebe mehr: ein Weg zum Leben.

Weniger Worte machen –

Wir würden ruhiger

Und andere kämen zu Wort: ein Weg zum Leben.

Weniger ungeduldig sein –

Wir würden entspannter leben

Und andere könnten aufatmen: ein Weg zum Leben.

Weniger wollen,

mehr schweigen,

geduldiger sein –

Uns täte es allen gut.

Lasst uns darum stille sein

und schweigen,

Lasst uns Gott in der Stille wahrnehmen,

wenn unsere Ansprüche verstummen,

wenn unserer Worte endlich ein Ende

und unserer Ungeduld zur Geduld wird.

Ich atme ein, ich atme aus.

Ich halte für einen Moment die Luft ein.

Ich atme ein, ich atme aus.

Gott mache mich frei,

immer mehr zu wollen,

über meine Kräfte und Möglichkeiten zu leben,

am Leben vorbei zu leben.

Lass mich einfach sein.

Was jeder verstehen kann

13.6.21 Trautskirchen        1. Korinther 14,1-12 Basisbibelübersetzung

„Bleibt unbeirrt auf dem Weg der Liebe!

Strebt nach den Gaben, die der Heilige Geist schenkt – vor allem aber danach, als Prophet zu reden.

2 Wer in unbekannten Sprachen redet, spricht nicht zu den Menschen, sondern zu Gott. Denn niemand versteht ihn. Was er unter dem Einfluss des Geistes sagt, bleibt vielmehr ein Geheimnis.

3 Wer dagegen als Prophet redet, spricht zu den Menschen. Er baut die Gemeinde auf, er ermutigt die Menschen und tröstet sie.

4 Wer in unbekannten Sprachen redet, baut damit nur sich selbst auf.

Wer aber als Prophet redet, baut die Gemeinde auf.

5 Ich wünschte mir, dass ihr alle in unbekannten Sprachen reden könntet.

Noch lieber wäre es mir, wenn ihr als Propheten reden könntet. Wer als Prophet redet, ist bedeutender als derjenige, der in unbekannten Sprachen redet – es sei denn, er deutet seine Rede auch. Das hilft dann mit, die Gemeinde aufzubauen. Reden in unbekannten Sprachen bleibt ohne Auslegung unverständlich.

6 Was wäre, Brüder und Schwestern, wenn ich zu euch komme und in unbekannten Sprachen rede.

Was habt ihr davon, wenn ich euch nichts Verständliches vermittle?

Das kann eine Vision sein oder eine Erkenntnis, eine prophetische Botschaft oder eine Lehre.

7 So ist es ja auch bei den Musikinstrumenten,

zum Beispiel bei einer Flöte oder Leier:                                Nur wenn sich die Töne unterscheiden, kann man die Melodie der Flöte oder Leier erkennen.

8 Oder wenn die Trompete kein klares Signal gibt, wer rüstet sich dann zum Kampf?

9 Genauso wirkt es, wenn ihr in unbekannten Sprachen redet.

Wenn ihr keine verständlichen Worte gebraucht, wie soll man das Gesagte verstehen können?

Ihr werdet in den Wind reden!

10 Niemand weiß, wie viele Sprachen es auf der Welt gibt. Und kein Volk ist ohne Sprache.

11 Wenn ich eine Sprache nicht verstehe, werde ich für den ein Fremder sein, der sie spricht.

Und wer sie spricht, ist umgekehrt ein Fremder für mich.

12 Das gilt auch für euch. Ihr strebt nach den Gaben des Heiligen Geistes.

Dann strebt nach Gaben, die die Gemeinde aufbauen. Davon könnt ihr nicht genug haben.

„Wie kannst du nur diesen Fehler machen! Unverzeihlich!
„Du hast schon wieder nicht! Nein, so geht das nicht!“ Was bist du nur für ein Loser! Du Depp!“

Manchmal werfen wir Worte wie Giftpfeile auf andere oder werden damit beworfen. Solche Worte oder auch noch schlimmere vergiften die Beziehung. Sie verletzen und grenzen aus.  Und auf einmal geschieht Spaltung, Streit, ein tiefer Riss. – Genau das soll nicht passieren, sagt Paulus in seinem Brief an die Korinther. Eure Worte sollen Gemeinschaft ermöglichen. Eure Worte sollen Menschen  trösten und ermutigen. Nicht ausgrenzen, Nicht verletzen. Sagt er.


„Bleibt unbeirrt auf dem Weg der Liebe!schreibt Paulus.

Die Liebe ist  d e r  Maßstab. Auch wenn es um Worte geht, ob ich sie sage oder lieber den Mund halte. Die Liebe sagt mir: Moment mal, überlege dir genau, was du dem anderen sagst. Und wenn deine Worte möglicherweise verletzend oder ausgrenzend sind, lass sie lieber bleiben. Denn auf dem Weg der Liebe wird kein Mensch ausgegrenzt. Paulus hat dabei eine Gruppe in Korinth im Auge. Diese kleine, aber feine Gruppe von Christen und Christinnen war auf ihr inniges Verhältnis zu Gott besonders stolz. Vielleicht sogar zu Recht. Denn sie haben dafür sogar eine eigene Sprache, die Zungenrede. Eine Sprache, die nur sie selber und Gott verstehen. Mit Gott auf du und du. Wir verstehen Gott und er uns.

Das ist schön für euch und euer Gemeinschaftsgefühl, schreibt Paulus dieser Gemeindegruppe. Aber was ist mit den anderen in der Gemeinde und draußen?  Eure Wellnesszungensprache, euer „mit Gott per Du- Gebet“, hilft ganz offensichtlich nicht den anderen, schreibt Paulus. Im Gegenteil: es schließt die anderen aus, weil sie nicht verstehen, worum es geht. Vielleicht bekommen sie sogar das Gefühl, dass sie noch nicht fest genug glauben oder dass an ihrer Beziehung zu Gott was nicht stimmt. Und das ist lieblos. Und unbarmherzig.

Bleibt unbeirrt auf dem Weg der Liebe!“ schreibt Paulus.
Eure Worte sollen verbinden, nicht ausschließen. Und doch tun sie es. Oft sogar unbeabsichtigt. Auch hier bei uns. Hier in der Kirche.


Bis zur Reformation haben die Pfarrer auf Latein gepredigt. Das Volk verstand sie nicht. Die Laien nahmen am Schauspiel der Kleriker teil, aber gehörten nicht wirklich dazu. Auch die Bibel gab es noch nicht in Deutsch.


Das änderte sich dann. Plötzlich gab es die Muttersprache in der Bibel und auf der Kanzel. Aber verstanden die Leute wirklich, was gesagt wurde?

Ich fasse mir an meine eigene Nase: Wie oft habe ich viel zu lange Sätze verwendet? Und Worte, die nur die wirklich Eingeweihten verstehen?

Dazu kommt: Ich lebe ja auch in meiner Welt. Und ihr als Hörer und Hörerinnen lebt in eurer Welt. Manchmal habe ich den Eindruck, ich lebe in einer ganz anderen Welt als ihr…

Meine Erfahrungen sind nicht eure.  Eure Erfahrungen sind nicht meine. Wir sprechen und verstehen zwar deutsch. Und ich gehe davon aus, dass wir uns verstehen, weil wir doch dieselbe Sprache haben. Aber manchmal sprechen wir doch nicht dieselbe Sprache. Sonst gäbe es nicht so viele Missverständnisse. Und ja, ich ertappe ich mich dabei, wie auch ich Worte benutze, die ausgrenzen, und Sätze, die ihr nicht versteht. So verstehen wir uns und verstehen uns vielleicht doch nicht.  So muss ich vielleicht noch deutlicher wie damals in Memmingen.

Vor vielen Jahren war ich damals in Memmingen nebenamtlich Gefängnisseelsorger. Ich traf im Knast auf eine ganz andere, mir fremde Welt. Ich gab mir Mühe, sie zu verstehen und mich verständlich zu machen. Die Knackis haben kein Kirchenlatein verstanden und auch kein Kirchendeutsch. Sie haben nicht gewusst, was eine Liturgie ist und haben sich auch nicht darangehalten. Sie konnten kein Glaubensbekenntnis und kein Vaterunser. Lieder von anno dazumal haben sie weder gesungen noch verstanden. Selbst bei modernen Liedern haben lieber miteinander getratscht und Tabak getauscht, als mitgesungen.

Ich habe mein Predigtmanuskript abgelegt und frei gesprochen. Frei von der Leber habe ich gesprochen, auch  derb. Ich habe das Wort Scheiße in den Mund genommen. Warum? Nun viele von ihnen sagten mir im Knast: Alles ist Scheiße. Das Gerichtsurteil, die Schließer, das Essen, die anderen Kriminellen: alles Scheiße! Also habe ich den Strafgefangenen an einem Tag vor Heiligabend frei und ungeschönt  vor Augen gemalt, wie dreckig der Schafsstall war, in dem Jesus geboren ist, die Scheiße bis hierher. Da stand ein Knacki lässig an der Wand gelehnt, mit verschränkten Armen und sagte grinsend: „Vielleicht steht Gott auf Scheiße!“.  Ich war glücklicherweise so schlagfertig  und habe ihm geantwortet haben:

„Gott steht nicht auf Scheiße, sondern auf die Leute, die Scheiße gebaut haben!“

Da haben diese Knackis, die alle Scheiße der Welt gebaut haben, vom Dieb bis zum Mörder, ganz anders hingehört als all die Christen in der Kirche nachher. Eigentlich habe ich den braven, anständigen Christenmenschen danach in der Kirche die gleiche Botschaft gesagt, auch wenn ich das Wort Scheiße nicht gesagt habe: Der Stall voller Scheiße heißt, wir dürfen zu Jesus kommen, wie wir sind, als Sünder oder auch als Menschen, die ganz viel Dreck am Stecken haben, ja auch Scheiße gebaut habe.

Sünder willkommen. So steht es auf dem Schild.  Hier steht nicht: Sünde willkommen! Gott liebt den Sünder, auch den der den allergrößten Scheiß gebaut hat. Aber die Sünde hasst Gott. Gott findet Scheiße genauso Scheiße wie wir.

So findet es Gott genauso Scheiße, wenn wir hartherzig und erbarmungslos miteinander umgehen. Sünde ist Scheiße. Und Scheiße ist es, wenn Menschen einander mit Dauer-kritik überziehen. Sünde ist Scheiße. Und Scheiße ist es, wenn wir über andere herziehen, hinter ihrem Rücken sie und die Gemeinde schlecht machen. Warum ist das Scheiße? Weil es spaltet zwischen denen, die Recht haben und denen die nicht recht haben. Sünde ist Scheiße. Und Scheiße ist es,  wenn Worte ausgesprochen werden, die, einmal ausgesprochen nicht zurückgeholt werden können. Worte vernichten, spalten, zerstören. Worte grenzen aus und verletzen.

Schluss mit der Scheiße! Ich hoffe, dass ihr mich jetzt versteht. Dass ihr mir aufmerksam zuhört und nicht missversteht. Ich hoffe, dass ihr noch dabei seid. Und mir innerlich zustimmen könnt, zu dem, was ich jetzt sage:


Mir liegt ganz viel an einer Kirche, die niemanden ausgrenzt und verletzt. Niemanden. Mir liegt ganz viel an einer
Kirche, die für euch und auch für mich ein guter, ein sicherer, ein liebevoller Ort ist. Ein Ort, wo jeder und jede von uns aufatmen kann, wo wir zur Stille, zu Gott kommen können. Ein Ort, der mir sagt: Ich bin nicht allein auf dieser Welt. Ich bin nicht allein mit meinen Sorgen und Ängsten. Ich habe nicht nur meinen Ehepartner und meine Familie. Ich habe nicht nur meine vertraute Gruppe, meinen Freundeskreis. Ich finde in dieser Kirche Menschen vor, die auch ihre Sorgen und Ängste haben und manchmal viel, viel größere Sorgen und Ängste. Kirche als Zufluchtsort.

Was sind so manche Streitpunkte letztlich nichtige Lappalien angesichts einer schweren Corona- oder Krebserkrankung! In dieser Woche ist mir ein junger Mann begegnet, der einmal an einer Nervenkrankheit erkrankt war, von Kopf bis Fuß bewegungsunfähig, musste er ins Koma versetzt werden, musste er wieder neu lernen, zu gehen, zu essen… Dieser junge Mann sieht die Welt anders, Er ist wieder gesund geworden und weiß, wie schnell es anders werden kann.. Er sieht sein Leben als Geschenk.

Was ist letztlich unser Jammern und Klagen auf hohem Niveau in unserer Gesellschaft gegenüber denen, die um ihre Existenz kämpfen, den Obdachlosen, den Flüchtlingen, den Hungernden dieser Welt.

Corona hat mich eines gelehrt: Es ist toll, mit dieser Kirche hier einen Zufluchtsort zu haben. Es ist toll, dass wir hier Gottesdienst feiern können. Ich freue mich, dass wir wieder singen können, zwar mit Maske, aber auch das wird auch einmal vorbei sein. Und ich schätze den Gesang und das Orgelspiel von Ingrid Stigler, die Mesner- und Lektoren-dienste von Elke Jakob. Ich schätze eure Beiträge als Konfirmanden und Konfirmandinnen. Schön, dass ihr überhaupt da seid, und auch ihr Gottesdienstbesucher, wie gut, dass es euch gibt. Manchmal bin ich richtig traurig, wenn ich die leeren Bänke anschaue, aber selbst dann ich dankbar für Euch, die ihr gerade seid, ob ihr gerade viel oder wenige seid. Schön, dass ihr da seid.

Ihr müsst übrigens nicht alles verstehen. Manches ist Kirchendeutsch, schwer verständlich für Menschen, die nicht so oft kommen. Es kommt nicht darauf an, zu wissen, was Zungenrede ist. Es ist letztlich nicht wichtig zu wissen, was Kyrie eleison heißt, oder die Epistel oder das Evangelium. Es kommt darauf an, das Evangelium vom Herzen zu verstehen und zu begreifen: Euangelion, die gute Nachricht von Gott, durch Jesus an uns.

Die gute Nachricht kann das kleinste Kind und der dümmste Mensch genauso wie der superkluge Mensch begreifen. Die gute Nachricht ist ganz einfach zu verstehen: Da ist eine Botschaft von Gott übermittelt durch Jesus an Dich und mich: Wir sind geliebt, bejaht, bedingungslos.

Es fällt mir manchmal schwer zu glauben, dass da ein Gott ist, der mich liebt und sogar bedingungslos. Ein Gott, dem nicht wurscht es, wie es mir geht. Ein Gott, der mich liebend umfängt, aber dich auch.

Es fällt mir manchmal schwer zu glauben, dass da ein Gott ist, der einfach nur barmherzig  mit mir ist, ein bares Herz für meine verwundete Seele hat. Ein barmherziger Gott, der meinen eigenen Verstrickungen im Leben liebevoll nachgeht und sie lösen kann.

Aber manchmal ist die Botschaft auch für mich ganz einfach und schlicht und wahr : Gott ist barmherzig, ein Backofen glühender Liebe und in seiner Gegenwart darf ich einfach ich sein. Das gilt aber natürlich auch für meinen Mitmenschen genauso. Nur die Liebe zählt und sonst nichts.

Bleibt unbeirrt auf dem Weg der Liebe. Schreibt Paulus.


Jesus lebt sie, diese Liebe. Geht diesen Weg. Jesus hat sich schützend vor Kindern gestellt, er hat sich zu Sündern wie Zachäus zum Essen eingeladen lassen. Er hat sich vor die Frau gestellt, die vom selbstgerechten Mob gesteinigt werden sollte. Wer ohne Sünde ist, wer keinen Dreck am Steck hat, wer noch nie Scheiße gebaut hat, der werfe den ersten Stein! hat Jesus einfach gesagt.


Vor wen würde er sich heute stellen? Jesus würde sich ganz bestimmt vor den vielen missbrauchten Kindern dieser Welt schützend stellen. ganz bestimmt, auch bei allen verwundeten Seelen. Jesus steht auf Seiten der Schwachen, bei denen, die immer übersehen werden.


Und das gilt auch für mich. Und für euch.
Niemand wird von ihm übersehen. Jedes verwundete Herz umarmt Jesus und vermag es zu heilen. Das gilt auch für euch.

Bleibt deshalb unbeirrt auf dem Weg der Liebe. Amen.

Gebet am Sonntag nach Ostern

Lebendiger Gott,

wir bitten dich in dieser Osterzeit,

dem zweiten Ostern,

das so sehr durch die Pandemie gezeichnet ist,

für alle, die bei uns nicht mehr ein und aus wissen

Sie ärgern sich nur noch über die vielen Schwierigkeiten

auf dem Weg der Pandemiebekämpfung,

Sie sind wütend oder boykottieren bewusst alle Regeln.

Schenke diesen Menschen und auch uns einen Grund zur Hoffnung und zur Freunde.

Lass uns deinen Ruf ins Leben jetzt selbst hören

und dann als Osterlachen in die gelähmte Welt tragen,

damit auch die Verzagten und Verbitterten,

aber auch die Kranken und Sterbenden Hoffnung schöpfen

auf ein neues, ein besseres Leben.

Lebendiger Gott,

diese Krankheit  bringt mit sich  soviele dramatischen Folgen,

in so vielen Ländern weltweit,

weit mehr als bei uns.

Durch diese Krankheit wissen Millionen Menschen nicht mehr,

wovon sie leben können.

Sie haben alles verloren ,

durch Behandlungskosten,

die sie nicht bezahlen konnten.

Ihnen fehlen die wenigen aber überlebenswichtigen Einnahmen

und kein Sozialsystem fängt sie auf.

Erbarme dich dieser Menschen in ihrer Verzweiflung

und gib ihnen ihr tägliches Brot  wie auch wir es bekommen zu unserer Zeit.

 Lebendiger Gott,

Wir bitten dich schließlich um Gerechtigkeit

bei der Verteilung des hohen Gutes der Impfungen,

wo wieder so viele arme Länder das Nachsehen haben,

obwohl es immer mehr Material gibt;

rühre das Gewissen aller,

die darüber zu entscheiden haben,

damit sie nicht stur und ungerührt den eigenen Vorteil suchen,

sondern erkennen,

dass wir nur gemeinsam dieser Bedrohung begegnen können,

wie so vielen anderen Bedrohungen auch.

Gott des Lebens,

lass deinen österlichen Geist der Hoffnung bei uns einziehen wie den neuen Tag,

den du selbst uns schaffst, jeden Morgen neu, auf deiner ganzen Erde.

Amen

Das Ende der Volkskirche und der Anfang eines neuen Was- auch -immer!

Machen wir uns nichts vor.

Unsere Kirchen und Gemeinden  werden kleiner und kleiner werden.

Kirchengemeinden werden zusammengelegt.

Pfarrer und Pfarrhäuser halbiert.

Die Zahl der Kirchenaustritte wird nicht abnehmen

aller kirchlichen Selbstbeschäftigungsprogrammen zum Trotz.

Die Volkskirche, so wie wir sie kennen, ist am Ende.

Wie können wir Kirche für das Volk sein,

wenn das Volk sich nicht mehr für die Kirche interessiert, geschweige denn für Gott?

Wie können wir Kirche für das Volk sein,

wenn die Menschen fehlen und noch mehr in Zukunft fehlen werden?

Kirche als Amtskirche hat sich in 15 Jahren spätestens überlebt.

In 15 Jahren, wenn sich alles halbiert ist,

werden sich auch die obrigkeitshörigen Strukturen bei den Kirchen überlebt haben

und Kirche wird sich nicht mehr von Kirchensteuer finanzieren können.

Was weg muss und sich überlebt hat, muss weg.

Was Ballast geworden ist, ebenso.

Am Ende bleiben kleine Gemeinden ohne Amt und Würden.

Diese kleinen Gemeinden vor Ort haben durchaus Chancen.

Wir können, wenn wir wollen,

in unseren realexistierenden Gemeinden

jetzt schon

geschwisterlicher leben.

In einer Gesellschaft mit Ellenbogen und erkaltender Liebe können wir unser Christsein vor Ort leuchten lassen.

Eine Kirchengemeinde,

in der Geschwisterlichkeit, Respekt und Wertschätzung gelebt wird,

kann vor Ort signalisieren,

dass es auch anders geht.

Und es geht auch anders:

Wo das freundliche Wort, das Mitgefühl, die Geschwisterlichkeit regieren

können sich Gleichgültigkeit und Hass und Egoismus am Ende nicht durchsetzen.

Die Menschen vor Ort sehen so etwas,

Und unsere kleinen Kirchengemeinden

sind auf einmal kleine Lichter ,

die den Menschen zeigen,

so geht Christsein,

so geht Liebe!

Amanda und Rut und unsere Lebensperspektiven

Rut1,1-19     31.1.21  Trk

Am 20. Januar wurde Joe Biden in sein Amt als amerikanischer Präsident eingeführt. Viele haben diesen historischen Moment im Fernsehen, im Radio oder in den sozialen Medien verfolgt. Die Inszenierung war groß und würdevoll. Nicht der Präsident stand im Mittelpunkt, sondern die Demokratie und die Werte, die Amerika geprägt haben und eine Basis bilden, um den Herausforderungen der Gegenwart zu begegnen und gemeinsam in die Zukunft zu gehen.

Besonders beeindruckt hat mich die die junge Poetin Amanda Gorman mit ihrem Gedicht: The Hill we climb

Der Hügel, den wir erklimmen.

Das Gedicht beginnt mit den Worten:

„Wenn es Tag wird, fragen wir uns,

wo wir Licht zu finden vermögen,

in diesem niemals endenden Schatten?“

Es geht in ihrem Gedicht um Licht und Schatten, um einen Lichtblick, um Lebensperspektive des amerikanischen Volkes. Eigentlich geht es um Licht und Lebensperspektive der ganzen Menschheit.

Amanda Gorman verbindet ihre eigenen persönlichen Erfahrungen mit Licht und Hoffnung aller Menschen.

Sie erinnert als Tochter einer schwarzen, alleinerziehenden Frau an den amerikanischen Traum, genauso wie an den Traum Martin Luther Kings und die Vision, „ein Land zu bilden, das sich allen Kulturen, Farben, Charakteren und menschlichen Lebensverhältnissen verpflichtet fühlt“

Ihre Worte sind prophetisch – im Wissen um die Vergangenheit und die Probleme der Gegenwart richtet sie den Blick nach vorn:

„Wir schließen die Kluft, weil wir wissen, dass wir, um unsere Zukunft an erste Stelle zu setzen, zuerst unsere Unterschiede beiseitelegen müssen. Wir legen unsere Waffen nieder, damit wir unsere Arme nacheinander ausstrecken können.“-

Aus ihrem Bild eines geeinten Amerikas spricht eine große Sehnsucht, aber auch Hoffnung: Und so schließt ihr Gedicht mit den Worten:

„Wenn der Tag kommt, treten wir aus dem Schatten heraus, entflammt und ohne Angst. Die neue Morgendämmerung erblüht, wenn wir sie befreien. Denn es gibt immer Licht, wenn wir nur mutig genug sind, es zu sehen, wenn wir nur mutig genug sind, es zu sein.“

Das berührt mich.

Es gibt immer Licht, wenn wir nur mutig genug sind es zu sehen und es zu sein

Und es führt mich zum Buch Rut, Predigttext für heute. Das Buch Rut erzählt von Licht und Hoffnung, von der Lebensperspektive einer anderen Frau, Rut

Nachlesen können Sie die Geschichte im 1. Kapitel des Buches Rut. Jetzt erzähle ich den Predigttext:

Verschiedene Personen spielen eine Rolle: Zunächst Elimelech, der Mann von Noomi, ihr Söhne Machlan uns Kiljan, dann ihre Schwiegertöchter Orpa und Rut und ganz am Schluss spielt ein kleiner Obed eine Rolle in der Familiengeschichte. Alles sprechende  Namen, aber dazu später bei Gelegenheit mehr dazu.

1.Aufbruch mit Verlusten – und kam Ende wenig Lebensperspektive

Elimelech „Gott ist mein König“ ist ein frommer jüdischer Mann, der an seinen Gott glaubt und ihn tatsächlich für seinen König hält. Seine Glaube sagt ihm: Mein Gott sorgt für mich und meine Familie. Und so reagiert er auch relativ gelassen, als er merkt, dass im jüdischen Land eine Hungersnot sich anbahnt. Er lebt in Bethlehem, Brothausen.

Elimelech betrachtet die völlig vertrockneten Weizenhalme der Felder, nimmt eine vertrockneten Halm in seiner Hand. Er trägt ihn zu seiner Frau Noomi, legt ihn auf den Tisch und sagt: Sieh Dir das an, Noomi, meine Liebliche. Der Weizen vertrocknet. Wir werden in absehbarer Zeit nicht genug zu essen haben.

Entschlossen blickt er auf: Wir gehen woanders hin. Gott wird uns einen Ort zeigen, wo wir leben können, Lass uns gehen. Auch wenn der Ort, wo wir zu Hause sind, Bethlehem „Brothaus“ heißt: Hier gibt es kein Brot. Und ohne Brot ist „Brothaus“ nicht mehr unser Zuhause.

Wenig später schließt Elimelech das Haus ab und zieht mit Noomi und den beiden Söhnen Machlan und Kiljan los. Beides sprechende Namen: Machlan der Kränkliche, Kiljan, der Gebrechliche. Elimelech vertraut darauf, dass auch seine kränklichen und gebrechlichen Kinder eine Lebensperspektive haben. Elimelech lässt die vertraute Heimat zurück. Die vier gehen ins Ausland zu den Moabitern. Eigentlich sind es die Feinde des jüdischen Volkes. Aber die Moabiter haben ein Herz für diese hungernde jüdische Familie.  Dort im Ausland finden sie genug. Sie bleiben. Es gibt Essen und einen überschaubaren Alltag.

Aber dann stirbt Elimelech. Übrig bleiben Noomi als Witwe und zwei Halbwaisen. Und jetzt? Die Söhne, inzwischen alt genug zum Heiraten, treffen die Entscheidung: Wir heiraten in der Fremde. Wir bleiben bei den Moabitern. Es geht uns hier gut. Auch wenn wir nicht so gesund und leistungsfähig sind, wird Gott für uns sorgen. Wir können arbeite und haben eine Lebensperspektive.

Noomi ist zufrieden, es gibt Essen und erneut einen überschaubaren Alltag. Schade, dass die Ehen ihrer Söhne kinderlos bleiben. Und dass ihr Mann Elimelech fehlt, schmerzt. Aber dann sterben auch die beiden jungen Männer Machlan und Kiljan. Von der ursprünglichen

Familie bleibt nur eine übrig: nur Noomi. Als Witwe in der Fremde. Die Verluste ihrer beiden Söhne tun so weh. Und der Blick in die Zukunft auch: Wer wird für sie sorgen? Hier im Ausland gibt es kein Netzwerk für sie, die Übriggebliebene, für die Fremde in der Fremde. Und erneut und verschärft lautet die Frage: Habe ich noch eine Lebensperspektive? Wie kann es weitergehen? Eigentlich gibt es für mich keine Hoffnung, keinen Lichtblick mehr. Noomi ist nahe dabei, sich aufzugeben.

2. Erneuter Aufbruch aus Hunger – bitter und wie ein Albtraum

Noomi gibt sich einen Ruck und steht auf. Sie

geht zurück. Den Ausschlag gibt ein Gerücht: Gott gibt wieder tägliches Brot – seinem jüdischen Volk. Bethlehem ist wieder „Brothaus“. Bethlehem hat wieder Brot. Vielleicht auch für Noomi?

. Sie macht sich auf,

steht auf, wird aktiv, bricht auf, bricht ihre Situation auf.

Ihre Schwiegertöchter Orpa und Rut hat sie im Schlepptau.

Unterwegs kommt Noomi ins Grübeln. Ja, sie stammt aus Bethlehem. Sie hat dort noch Verbindungen.

Sie wird eine Chance haben. Doch die fremden Witfrauen? Sie werden dort so verloren sein wie Noomi es

in der Fremde war. Noomi bleibt stehen. Sie muss die beiden Frauen wieder zurückschicken. Und das tut sie. Mit den besten Wünschen und einem Abschiedskuss.

Aber die beiden jungen Frauen, Orpa und Rut,

weigern sich. Sie beteuern lauthals: „Wir wollen bei Dir bleiben.“ Sie sind bereit, das Vertraute hinter sich

zu lassen um der einen Vertrauten willen. Doch Noomi widersetzt sich. Keine Zeit für Gefühle. Hier muss

pragmatisch gedacht und gehandelt werden. Und so malt Noomi den Frauen klipp und klar vor Augen: Mit

mir habt ihr keine Zukunft, keine Lebensperspektive. Noomi unterstreicht: Mit ihr mitzugehen bedeutet, Gott gegen sich

zu haben. Denn so erlebt Noomi ihre Situation, so deutet sie sie: Gott war anscheinend gegen sie, ihr Leben ist anscheinend auf ganzer Linie gescheitert. Kein Brot. Kein Mann. Keine Söhne. Keine Hoffnung. Keine Zukunft. Alles hat ihr Gott genommen. Bitter, hebräisch „mara“, ist ihr Leben. Nennt mich nicht mehr Noomi, die Liebliche, nennt mich Mara, die Bittere! Sagt sie den beiden Frauen.

Zum Albtraum ist mein Leben geworden. Ich habe keine Lebensperspektive , keine Hoffnung. Das ist nichts für euch jungen Frauen!

3. Rut bindet sich fest an Noomi und begleitet sie nach Bethlehem

Diesmal gibt Orpa nach, Orpa, die wörtlich heißt „Die den Rücken kehrt“ dreht Noomi den Rücken zu und kehrt heim.

Aber Rut, wörtlich die Freundin oder Gefährtin erweist sich als treue Freundin und Lebensgefährtin. Sie hängt sich an Noomi. Ein drittes Mal schickt Noomi Rut weg: „Geh zurück, schnell, lauf Orpa nach!“

Doch Rut weigert sich. Rut hat sich entschieden. Sie bleibt bei Noomi. Wie ernst es ihr ist, macht Rut mit einer großen Selbstverpflichtung deutlich:

„Wo du hingehst, da will ich auch hingehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk,

und dein Gott ist mein Gott. Wo du stirbst, da sterbe ich auch, da will ich auch begraben werden. Der

HERR tue mir dies und das, nur der Tod wird mich und dich scheiden.“

Mit großer Ernsthaftigkeit bindet Rut ihr Leben an das von Noomi, hängt sich an sie, als wollte sie sagen: Ich lasse

dich nicht, du segnest mich denn. Soll heißen, ich darf mitgehen, bei dir bleiben Tag und Nacht bis zum

Ende. Und Rut besiegelt ihre Entscheidung mit einem Schwur bei dem Gott, den Noomi als feindlich

gesinnt erlebt. Rut weiß, was sie hinaufbeschwören könnte. Und sie tut’s trotzdem. Oder gerade deshalb.

Es ist ihr bitterernst. So kehrt Noomi als Witwe mit nichts außer einer Geschichte des Scheiterns und des

Verlustes und einer fremden Frau, die selbst bereits Witwe ist, nach Bethlehem zurück. Mit nichts in den

Händen außer der Hoffnung auf Brot und einem sozialen  Netzwerk, das sie hoffentlich irgendwie tragen wird.

Pläne? Ein Fremdwort. Leben von Tag zu Tag ist angesagt. Wann hört es endlich auf? Wann wird sie

wieder gerne vom Tisch aufstehen?

4. Zwei Neuanfänge

So kehrt Noomi zurück: als „Rest“ ihrer ursprünglichen Familie. Mitten in ihrer Perspektivlosigkeit sieht sie nicht, was kommt. Und doch ist es längst angelegt: eine bessere Zeit. Denn immerhin: Ein Rest kehrt zurück. Und mit einem Rest hat Gott in seiner Geschichte mit Israel, mit den

Menschen immer wieder etwas vor. Dem Rest gilt seine besondere Liebe. Der Rest bildet den Sauerteig

für einen Neuanfang. Und ein Zweites ist angelegt: Obgleich fremd, kommt Rut mit. Und diese Fremde

wandert ein. Nach Bethlehem. In das Volk Gottes. In den Stammbaum Davids wandert sie ein und so in

den Stammbaum Jesu. Rut wird als moabitische Frau Teil der Geschichte Gottes mit seinem Volk und allen Menschen.

6. Noomi, Obed und die Zukunft

All das bekommt Noomi nicht mit. Wie auch? Sie steckt ja mittendrin. So wie wir. Noch ehe die nächsten 10 Jahre vergangen sind, am Ende des Buches Rut, wird erzählt, wie Noomi einen kleinen Jungen auf dem Schoss hält, Obed, den Sohn von Rut. Bestimmt hat Noomi dem Obed

Geschichten erzählt. Von früher. Zum Beispiel wie sie nach Bethlehem zurückkam. Wir hören Noomi

erzählen: „Nur ich allein war übriggeblieben. Wozu?“ „Na um auf mich aufzupassen!“, ruft ihr Enkel Obed, wörtlich „Verehrer“begeistert. Noomi lacht. „Damals hab ich mir doch nicht vorstellen können, noch einmal einen solchen

Schatz verehren darf! Jedenfalls habe ich unterwegs nachgedacht: Ich geh nach Hause, nach

Bethlehem zurück. Allein.“ „Biste aber nicht!“, quakt Obed dazwischen. Noomi nickt versonnen. „Hast

recht, bin ich nicht. Deine Mutter, die Rut hing an mir wie eine Freundin und wollte unbedingt bei mir bleiben.

Unbedingt! Bei Gott hat sie es geschworen. Und dann blieb sie bei mir, bei Tag und bei Nacht.“ „Und bei

mir und bei Papa und in Bethlehem und bei Gott.“, ergänzt Obed begeistert. Noomi nickt. „Es war so gut,

dass sie ihren Sturkopf durchgesetzt hat! Sonst gäbe es dich nicht. Und mir ginge es bestimmt schlechter.

Wer hätte das damals gedacht, dass alles so gut werden würde!“ In dem Moment tritt Obeds Mutter Rut

vor die Tür und ruft: „Zu Tisch!“ Und aus dem Haus dringt der Duft von frischem Brot.

7. Das Besser hat längst angefangen. Unsichtbar, doch gegenwärtig.

Tatsächlich: Es werden kommen vom

Osten und von Westen, von Norden und von Süden, die zu Tisch sitzen werden im Reich Gottes. Und es

wird gut sein. Menschen werden gerne vom Tisch aufstehen, weil sie sich auf das freuen, was vor ihnen

liegt. Wann wird das sein? Wann bekommen wir einen Vorgeschmack, wann wird es besser? Wenn ich

von unserem Predigttext her denke: Das hat schon längst angefangen. Und das Gerücht, das gute

Gerücht vom Brot, von Leben und Zukunft dringt auch uns entgegen. Der Geruch, der Duft von frischem

Brot, weht hinein in unser Mittendrin mit all seinen Rückschlägen und Verlusten. Und dieser Duft lockt.

Von daher: Vielleicht ist es an der Zeit, sich aufzumachen. Mal sehen, was werden wird. Mal sehen, wen

wir mitbringen werden dorthin, wo aller Hunger gesättigt wird. Mal sehen, wann er uns aufgeht, der

Sauerteig von Gottes Güte, der Kern vom guten Ende. Denn der steckt unsichtbar, doch gegenwärtig

auch in unserem Mittendrin. Amen.

IV. Zum Schluss noch einmal Amanda Gorman:

Wenn der Tag kommt, treten wir aus dem Schatten heraus,

entflammt und ohne Angst.

Die neue Morgendämmerung erblüht, wenn wir sie befreien.

Denn es gibt immer Licht,

wenn wir nur mutig genug sind, es zu sehen,

wenn wir nur mutig genug sind, es zu sein.