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Predigt 2. Advent 6.12.20 Ein Schiff wird kommen

„EG 8 Es kommt ein Schiff, geladen …“  6.12.20  Liedpredigt Trautskirchen


Liebe Gemeinde im Advent!


Es ist Advent. 2. Advent. Heute, 6.12.  ist am 2. Advent sogar Nikolaustag. Nikolaus war ein Bischof in Myra in der heutigen Türkei. Er hatte der Legende nach junge Mädchen vor der Prostitution bewahrt, indem er heimlich Geld oder Lebensmittel vor die Wohnungen der verarmten Leute legte. In einer Zeit großer Hungersnot wartet er auf eine Schiffsladung  voller Getreide. Nikolaus wartet auf ein Schiff. Auf wundersame Weise wird der Legende nach ein Schiff tatsächlich kommen und die Not der Menschen beenden.

Wir warten ebenfalls auf ein Schiff. Auf was für ein Schiff wir warten, wird sich noch herausstellen. Jedenfalls zünde ich ein Adventslicht auf diesem Schiff symbolisch an. Dieses Adventslicht steht für all die Hoffnung, die wir haben. Im Alltag vergessen wir manchmal, was wir im Tiefsten uns erhoffen. Unsere Trauer, unsere Traurigkeit, unser Ärger oder manchmal auch der ganz alltägliche Trott lassen unsere menschliche Fähigkeit zum Hoffen leicht einrosten. Darum brauchen wir ab und zu solche besondere Zeiten wie die Adventszeit. Um die Hoffnung in uns wachzuhalten. Um die Hoffnung in uns stark zu machen.

Wir Menschen warten auf ein Schiff, das da kommen soll. Wir Menschen warten und hoffen, solange wir leben.

Ein erstes Lied macht es deutlich. Es ist ein durch und durch weltliches Lied aus der Dreigroschenoper von Berthold Brecht. Es ist das berühmte Lied der Spelunken-Jenny. Die Spelunken-Jenny, auch als Seeräuberjenny bekannt, ist ein Spül- und Zimmermädchen in einem drittklassigen Hotel. Wir hören ihr Lied. Ich lese es vor.

SEERÄUBER-JENNY („DIE DREIGROSCHENOPER“)

Meine Herr’n, heute seh’n sie mich Gläser abwaschen
Und ich mache das Bett für jeden.
Und Sie geben mir einen Penny und ich bedanke mich schnell.
Und sie sehen meine Lumpen und dies lumpige Hotel.
Und sie wissen nicht, mit wem Sie reden.

Aber eines Abends wird Geschrei sein am Hafen.
Und man fragt: „Was ist das für ein Geschrei?“
Und man wird mich lächeln seh’n bei meinen Gläsern.
Und man sagt: „Was lächelt die dabei?“
Und ein Schiff mit acht Segeln
Und mit fünfzig Kanonen
Wird liegen am Kai.

Und man sagt: „Geh‘ wisch‘ deine Gläser mein Kind“
Und man reicht mir den Penny hin.
Und der Penny wird genommen und das Bett wird gemacht,
Und es wird keiner mehr drin schlafen in dieser Nacht.
Und sie wissen immer noch nicht, wer ich bin.

Denn in dieser Nacht wird ein Getös‘ sein im Hafen
Und man fragt: „Was ist das für ein Getös‘?“
Und man wird mich stehen sehen hinterm Fenster.
Und man sagt: „Was lächelt die so bös?“
Und das Schiff mit acht Segeln
Und mit fünfzig Kanonen
Wird beschiessen die Stadt.

Meine Herr’n, da wird wohl Ihr Lachen aufhören
Denn die Mauern werden fallen hin
Und die Stadt wird gemacht dem Erdboden gleich
Nur ein lumpiges Hotel wird verschont von jedem Streich
Und man fragt: „Wer wohnt Besonderer darin?“

Und in dieser Nacht wird ein Geschrei um das Hotel sein
Wenn man fragt: „Warum wird das Hotel verschont?“
Und man wird mich sehen treten aus der Tür gen‘ Morgen
Und man sagt: „Die hat darin gewohnt?“
Und das Schiff mit acht Segeln
Und mit fünfzig Kanonen
Wird beflaggen den Mast

Und es werden kommen hundert gen‘ Mittag an Land
Und werden in den Schatten treten
Und fangen einen jeglichen aus jeglicher Tür
Und legen ihn in Ketten und bringen vor mir
Und fragen: „Welchen soll’n wir töten?“


Und an diesem Mittag wird es still sein im Hafen
Wenn man fragt, wer wohl sterben muss…
Dann werden Sie mich sagen hören:
„ALLE!“
Und wenn dann der Kopf fällt, sag‘ ich:
„HOPPLA!“
Und das Schiff mit acht Segeln
Und mit fünfzig Kanonen
Wird entschwinden mit mir…

Writer(s): BRECHT EUGEN BERTHOLD, WEILL KURT Lyrics powered by http://www.musixmatch.com

Die Dreigroschenoper wurde 1931 uraufgeführt. Spelunken-Jenny führt ein Leben, das man eigentlich keinem wünscht, erst recht nicht einem jungen Mädchen, das doch seine Zukunft noch vor sich haben sollte. Die Absteige am Hafen, in der sie arbeitet, ist schäbig, die Gäste, die da ein und ausgehen, Halbkriminelle – und selbst die fühlen sich ihr noch überlegen und behandeln sie wie Dreck. Ein Zimmermädchen in einem „lumpigen Hotel“ – keiner, der sie liebt, keiner, der sie respektiert. Dieses Leben, so jung es ist, scheint in einer Sackgasse gelandet zu sein, die Zukunft ist trostlos vorhersehbar.

Allerdings: Es gibt etwas Besonderes an der Spelunken-Jenny: Sie hat das Hoffen nicht verlernt. Während sie Betten macht und Gläser spült, während sie sich von schlechtgelaunten Gästen herumkommandieren lässt, hängt sie innerlich großen Träumen nach.


Ein Schiff wird kommen, fünfzig Kanonen an Bord, und wird die Stadt in Schutt und Asche legen. Jenny kommt dann endlich zu Recht und Würde. Die „Herren“, die sie jetzt verächtlich behandeln, werden endlich die wahre Größe des kleinen Zimmermädchens erkennen. „Wer wohnt Besonderes darin?“ flüstern sie mit angstvollem Respekt, als die Kanonen das Hotel verschonen. Aber das nützt ihnen nichts, Jenny verordnet ihnen ein blutiges Ende. „Und wenn ein Kopf fällt, ruf ich: Hoppla!“ Sie selbst steht am Ende aufrecht da, das wunderbare Schiff nimmt sie mit und entschwindet mit ihr in die Ferne.

Von einem Schiff träumt das Mädchen. Aus ihrer eigenen tristen Umgebung wird keine Veränderung kommen, das fühlt sie wohl … Ein Schiff kommt von weit her, vom Meer. Ein Schiff kann aus unbekannter Ferne Fremdes, Unbekanntes in die alte, begrenzte Welt bringen. Ein Schiff ist immer ein bisschen von Geheimnissen umweht, es eignet sich als „Traumschiff“. Ein Traumschiff reißt das Zimmermädchen aus seiner trostlosen Welt heraus. Allerdings ist es für die anderen ein Alptraumschiff, dieses Schiff mit 50 Kanonen. Ob es wirklichen Frieden bringt, ist mehr als fraglich.

Ein anderes Lied, ein anderes Schiff. Dieses können wir später selbst besingen, es steht im Gesangbuch unter der Nummer 8.  „Es kommt ein Schiff, geladen…“


Ein geheimnisvolles, rätselhaftes Lied. Ein alter Mystiker hat es geschrieben. Der Sinn der Worte erschließt sich nicht leicht, doch das Bild vom Schiff ist einfach und stark.

Auch dieses Schiff kommt aus weiter Ferne, von noch viel weiter her als das der Spelunken-Jenny. Erkennen kann man das an der „Ladung“. Das Schiff des Mädchens hat 50 Kanonen an Bord, eine äußerst diesseitige Fracht. Das Adventsschiff trägt „Gottes Sohn, der voller Gnaden ist“. Gottes Sohn. Damit ist der Herkunftsort des Schiffes gewissermaßen mit genannt: Es kommt aus der Welt Gottes. Von einem Ort, an dem kein Mensch je gewesen ist. Es kommt aus dem völlig Unbekannten.

Advent – Zeit der Hoffnung. Da stehen wir, so stelle ich mir das vor, zusammen Spelunken-Jenny im Jahr 1931, aber auch mit  Daniel Sudermann, dem Dichter dieses Liedes aus dem Jahr 1626 am Ufer unserer diesseitigen Welt. Wir suchen gemeinsam den Horizont ab, halten gemeinsam Ausschau nach einem Schiff, das aus der Fremde zu uns kommt.


Unser Ufer, das teilen wir in vieler Hinsicht mit der Spelunken-Jenny. Das scheint vielleicht auf den ersten Blick nicht so. Bertolt Brecht hatte die Not und Wirren der 1930iger Jahre im Blick. Viele Deutsche ist es damals schlecht gegangen, waren arbeitslos, ohne Hoffnung. Die ersten Naziträume werden geträumt. Wir wissen, es geht nicht gut aus. Das Schiff ist nicht gekommen oder seine Ladung entpuppt sich als Alptraum.

Wir Trautskirchener sind nicht so arm wie Spelunken-Jenny. Uns Franken geht es nicht so schlecht, uns geht es in Bayern gut. Und überhaupt haben wir in unserem deutschen Landen nur Jammern auf hohen Niveau. Ich sage das trotz Corona und trotz eingeschränktem Weihnachtsfeiern. Denken wir an Zeiten, in denen  Pest und Cholera, Krieg und alltägliche Gewalt wie im Dreißigjährigen Krieg an der Tagesordnung waren, geht es uns wirklich wohlhabend gut.

Aber in unserem wohlhabenden Deutschland gibt es viele Orte und Menschen, denen es an Liebe und Respekt fehlt. Ja mehr noch, wenn ich mir die Hassergüsse und Wutreden auf Querdenkerdemos anschaue, habe ich den Eindruck: Den Menschen fehlt es nicht nur an Liebe, Anstand und Respekt. Den Menschen fehlt es an Hoffnung. Weil sie keine Hoffnungsbilder in sich tragen, kommen in Krisenzeiten wie Corona von außen gesehen, sehr sonderbare Zerrbilder hervor, Verschwörungsmythen, Lügengeschichten, selbstzusammengebastelte Wahrheiten, Worte, die spalten, aber den Menschen keinen Halt und keine Hoffnung geben.


Man muss nicht auf Quersdenkerdemos oder andere irrlichternde Menschen-versammlungen gehen,  um verächtliche und gleichgültige Menschen ohne Hoffnung zu treffen. Dass Liebe fehlt und der Respekt, und auch die Hoffnung im Herzen nicht zu finden ist, das kann man an vielen Orten erleben, auch oder vielleicht gerade an den feineren Adressen. Unsere Welt ist an vielen Stellen ein grauer, trostloser, hoffnungsloser Ort.


Es kommt ein Schiff, geladen…
Mit diesem Adventslied treten wir an das Ufer unserer bekannten Welt. Wir halten Ausschau nach einem Lichtstreif am Horizont. Wir versuchen uns in der Hoffnung, dass aus der Ferne Gottes etwas anderes zu uns kommt, ein fernes Licht, das uns Hoffnung gibt, eine göttliche Freundlichkeit, die wir in unser Herz aufnehmen können.

Es kommt ein Schiff, geladen

bis an sein’ höchsten Bord,

trägt Gottes Sohn voll Gnaden,

des Vaters ewigs Wort.

Geladen ist dieses Schiff anderes als unsere Schiffe der Hoffnung. Statt Kanonen trägt es einen Menschen. Gottes Sohn. Ein Segel bringt das Schiff voran, von dem heißt es: „Das Segel ist die Liebe“. Das Schiff wird vorangetrieben von der Kraft, die bei uns ziemlich oft fehlt.

2. Das Schiff geht still im Triebe,

es trägt ein teure Last;

das Segel ist die Liebe,

der Heilig Geist der Mast.

Im Lied ist es nicht die ganze Zeit Advent. Ganz langsam bringt das Schiff  Gottes Welt näher zu unserem Ufer heran, und schließlich legt es tatsächlich an.

3. Der Anker haft’ auf Erden,

da ist das Schiff am Land.

Das Schiff  ist am Land. Die Verbindung ist hergestellt zwischen den beiden Welten. Himmel und Erde, Jenseits und Diesseits. Aber wozu? Was fangen wir damit an?

Das Lied deutet die Antworten nur an.

Das Wort will Fleisch uns werden, der Sohn ist uns gesandt. gibt sich für uns verloren;

 Ein von Gott geschickter Sohn, der sich für uns „verloren gibt“. Ein Segel, das die Liebe ist. Ein Anker, der das Schiff in unserer Erde festhält.


Auf dem Segel des kleinen Holzschiffes ist ein Kreuz zu sehen.  Das Segel, das die Liebe ist. Das Christusbild von Oskar Kokoschka ist mir dazu eingefallen. Auf der Seite 812 in unserem Gesangbuch ist es abgedruckt:  „Christus hilft den hungernden Kindern“ heißt es.

Die Kokoschkazeichnung stammt von 1946 und zeigt Christus, der sich von seinem Kreuz herabbeugt und die Hand ausstreckt zu einer Schar von leidenden Kindern. Es sieht aus, als würde er gleich vom Kreuz hinuntersteigen zu ihnen.


Der Anker des Schiffes haftet fest auf Erden. Der Abgesandte aus Gottes Welt steigt aus, mischt sich unter die Leidenden wie die Fröhlichen, teilt ihr Schicksal. Streckt sich vom Kreuz aus und hilft den hungernden Kindern, den Armen und Schwachen dieser Welt.

Das Traumschiff der Spelunken-Jenny ist zum Schluss mit dem Mädchen in weite Ferne verschwunden. Die zerstörte Stadt hat es sich selbst überlassen. Die zerstörte Welt bleibt ohne Hoffnung zurück. 

Anders das Adventsschiff. Der vom Adventsschiff kommt, steigt aus, bleibt bei den Menschen, teilt ihre Not. Jesus lässt sich verspotten wie das Zimmermädchen und die gering geschätzten Armen dieser Welt. Jesus hat teil am einsamen Leben der Alten und Schwachen. All denen ist er nah. Er betrachtet nicht nur wohltätig ihr Schicksal, sondern setzt sich dem selber aus. „Gibt sich für uns verloren“.

Jesus ist auf Erden ausgestiegen und hat Dunkel und Verachtung am eigenen Leib erlebt. Aber er ist darin nicht untergegangen. Im Gegenteil. Er bringt aus seiner Welt etwas Neues ins irdische Grau hinein. Auf der Zeichnung von Kokoschka kann man das sehen: Unter dem Kreuz, die Menschen, die zu ihm hinsehen, die sind nicht geduckt und klein, wie das Zimmermädchen. Eine Hand ist zu ihnen ausgestreckt, sie lächeln, richten sich auf und sehen mit hoffnungsvollen Gesichtern zu ihm. In diesem Moment ist ihre verletzte Würde wiederhergestellt. Aber nicht mit Blut und Kanonen. Sondern mit Gesten der Liebe.

Liebe Adventsgemeinde. Plätzchenduft und Kerzenschein, Geschenkekaufen und Glühwein mit Zimt. Gott sei Dank ist das nicht Advent. Sonst könnten wir wegen Corona nur bedingt Advent feiern. Advent geht aber tiefer. In ihrer tiefsten Schicht ist die Adventszeit eine Zeit, in der wir auf den Grund unsere letzten Hoffnung warten: Ein Schiff wird kommen….

Jetzt ist die Zeit, den Blick über den Alltag hinaus zu heben. Auch über den Horizont von Corona hinaus. Wir können unseren Blick an den Horizont richten. So wie die Spelunken-Jenny das tat. Wir können an Spelunken-Jenny erkennen, wie alptraumhaft unsere Hoffnungen sein werden, wenn wir den Horizont unserer Hoffnung nur auf das Diesseits begrenzen. Jetzt ist die Zeit, sich auf eine andere göttliche Wirklichkeit zu besinnen, die unser Leben zusammenhält. Sie ist nicht fern. Wie ein Schiff aus der Ferne bewegt sie sich auf uns zu. Als Fracht führt sie einen konkreten Menschen mit sich, der zur Liebe besonders begabt ist. Jesus. Er verleiht uns eine eigene Würde, was auch passiert. So hilft er uns, dass wir uns mit den Zuständen am diesseitigen Ufer nicht abfinden – dass wir uns sperren gegen Hoffnungslosigkeit, Verachtung und Lieblosigkeit.

So warten wir auf ein Schiff, wie Nikolaus auf das Schiff mit Getreide, wie Daniel Sudermann mitten im Dreißigjährigen Krieg. So warten auch wir 2020 in unserer Zeit mit unseren Ängsten und Nöten auf ein Schiff, das die Liebe und Hoffnung in unsere Zeit bringt. Möge das Adventlicht dieses Schiffes auch in unseren Herzen brennen. Amen.

Predigt 1. Advent 29.11.2020 Wenn man Sacharja einfach weiterliest…

Sacharja 9, 9-10  29.11.20 Trautskirchen 1. Advent

9 Du, Tochter Zion, freue dich sehr, und du, Tochter Jerusalem, jauchze! Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm und reitet auf einem Esel, auf einem Füllen der Eselin. 10 Denn ich will die Wagen wegtun aus Ephraim und die Rosse aus Jerusalem, und der Kriegsbogen soll zerbrochen werden. Denn er wird Frieden gebieten den Völkern, und seine Herrschaft wird sein von einem Meer bis zum andern und vom Strom bis an die Enden der Erde.

Klingt gut dieser Prophet, wie er sich für Frieden einsetzt.  Auf diesen prophetischen Text geht Tochter Zion zurück, das wir danach singen werden.

Tochter Zion, freue dich!                                             Jauchze laut, Jerusalem!
Sieh, dein König kommt zu dir!
Ja, er kommt, der Friedensfürst.
Tochter Zion, freue dich!
Jauchze laut, Jerusalem!

Aber wissen wir überhaupt, wer da besungen wird? Wer ist diese Tochter Zion?

Tochter Zion steht für Jerusalem.  Gemeint ist das jüdische Volk Israel, zu dem Gott als König kommt.

Wir Christen sind erst mal nicht damit gemeint. In unseren christlichen Traditionen wurde dieser  prophetische Text aus der jüdischen Bibel vereinnahmt. Was wir AT nennen, sagen die jüdischen Gläubigen, das gehört zu unseren heiligen jüdischen Schriften.

Wie so vieles haben wir Christen von dem jüdischen Volk Israel vereinnahmt. Und jedes Jahr hören wir von Jesus, der mit einem Esel in Jerusalem einreitet, so wie es der Prophet Jahrhunderte zuvor vorausgesagt hat.

Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm und reitet auf einem Esel, auf einem Füllen der Eselin. 

Vielleicht hatte Jesus tatsächlich an diese Prophetenstelle in Sacharja gedacht, als er mit einem Esel in Jerusalem einritt.

Der Prophet Sacharja würde sich aber stark darüber wundern, was wir aus seinem Prophetentext gemacht haben. Wir konzentrieren uns weitgehend auf den adventlich adrett geschmückten Bibelvers:

Du, Tochter Zion, freue dich sehr, und du, Tochter Jerusalem, jauchze! Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer

Da kommt schon die erste adventliche Stimmung auf. Der Geschmack von weihnachtlicher Vorfreude. Bald ist Weihnachten, freut euch!

Sacharja hat nicht im geringsten Weihnachten im Blick, als er diese Worte sagt. Und der Prophet wird uns mit Sicherheit auch fremd, wenn wir weiterlesen, wie bei Sacharja der Friedenskönig einzieht:

10Denn ich will die Wagen wegtun aus Ephraim und die Rosse aus Jerusalem, und der Kriegs­bogen soll zerbrochen werden. […] 11Auch lasse ich um des Blutes deines Bundes willen deine Gefangenen frei aus der Grube, in der kein Wasser ist; 12so kehrt heim zur fes­ten Stadt, die ihr auf Hoffnung gefangen liegt. Denn heute verkündige ich, dass ich dir zwei­fach erstatten will. 13Denn ich habe mir Juda zum Bogen gespannt und Ephraim darauf ge­legt und will deine Söhne, Zion, aufbieten gegen deine Söhne, Griechenland, und will dich zum Schwert eines Riesen machen. 14Und der HERR wird über ihnen erscheinen, und seine Pfei­le werden ausfahren wie der Blitz, und Gott der HERR wird die Posaune blasen und wird ein­herfahren in den Stürmen vom Südland. 15Der HERR Zebaoth wird sie schützen, und die Schleu­dersteine werden fressen und niederwerfen und Blut trinken wie Wein und voll davon werden wie die Becken und wie die Ecken des Altars.

Der Friedenskönig, den der Prophet Sacharja verkündet, verschafft auch nur dem eige­nen Volk einen Frieden, genauer einen Gewaltfrieden nach der Niederlage der Gegner. Und da spielt es keine Rolle, ob er auf einem Esel daherreitet oder doch auf einem Schlachtross!

Wir könnten uns als Christen zurücklehnen und arrogant auf den jüdischen Propheten Sacharja herabschauen und sagen: Wussten wir es doch, unser Jesus ist anders. Unser Jesus reitet mit dem Esel ein und verzichtet darauf, mit Macht und Gewalt für Frieden zu sorgen. Aber ich höre von außerhalb unserer Christengemeinden Einwände, die wir hören müssen. Ich höre Außenstehende mit Recht fragen:

Was ist da in eurer christlichen Tradition anders als bei Sacharja? Der Frie­dens­­könig, den die christliche Tradition am 1. Advent und am Palmsonntag feiert, hat seine Anhänger 2000 Jahre nicht zur Ver­­­nunft bringen können: Ketzerprozesse, Religionskriege, Kreuzzüge.  Die Menschenrechte sind im 18. und 19. Jahrhundert gegen den Widerstand der Kirchen durch­gesetzt worden. Und heute?

Denke ich an die evangelikale christliche Bewegung in den USA, von denen nach wie vor 70 Prozent Trump ein zweites Mal gewählt haben, dann schaudere auch ich vor Teilen der heutigen Christenheit. Auch diese evangelikalen Christen heute sind der Versuchung erlegen, auf einen Trump als Gesalbten zu setzen und von ihm gewalttätige Politik im In- und Ausland zu erwarten. Gott sei Dank ist der Gesalbte der Evangelikalen nicht gewählt worden!

Nun sind wir Christen in unseren deutschen Landeskirchen alles andere als gewaltbereite christliche Fanatiker. Gott sei Dank! Wir haben aus unserer Geschichte gelernt. Wir haben aus unserer Kirchengeschichte gelernt, dass Ketzerverfol-gungen, Hexenverbrennungen, Religionskriege, Kreuzzüge einfach etwas abgrundtief Böses war, was sich absolut nicht mit dem Namen Jesu vereinbaren lässt. Wir haben auch aus unserer jüngsten deutschen Geschichte gelernt, dass wir das jüdische Volk für unsere Zwecke nicht vereinnahmen oder gar missbrauchen dürfen.  Es ist gut, wenn wir unsere  Stimme als Christen erheben, wenn das jüdische Naziopfer Anne Frank bei Querdenkerdemos vereinnahmt wird. Es ist gut, wenn wir dagegen protestieren, dass der Judenstern auf solchen Demos missbraucht wird.

Darüber hinaus  befinden wir uns als Christen in Europa auch in einer Umbruchsituation, in der unser christliche Glaube und unsere christlichen Traditionen immer wieder überprüft werden müssen, ob sie den Menschen in der heutigen Zeit noch etwas sagen können.

Unsere Bibeln müssen durchforstet werden. Unsere christlich tradierten Texte sind voll von Feindschaft und einer ra­dikalen Tren­nung in Gute und Böse. Voll von kriegerischen Bildern, voll von Königen und pa­triar­cha­li­schen Despoten, von Herrschern und Feldherrn. Und immer wieder: voll von einem ge­walt­tä­tigen Gottesbild.

Was soll uns diese Vorstellung von Gott als oberstem Herrscher. Wir Europäer haben in einer leidvollen Geschichte die Herrscher abgeschafft! Wir leben in einer Demokratie, in der alle Bürger für die Herrschaft verantwortlich sind. Menschen, die heute an Gott glauben, müssen sich Gott nicht als Alleinherrscher vorstellen. Auch die Vorstellung von Christus als König ist für viele Menschen eine heute schwer verständliche Vorstellung.  Könige sind für viele Figuren aus Märchen. Christus als König ist aber mehr als ein Märchen.

Und noch ein Letztes: Gott, der Allmächtige. Das ist der Gott also, der alles kann, was wir selber so gerne könn­ten. Der Allmächtige, das ist der Gott, der alles so macht, wie wir es uns in unseren Allmachts-Phantasien wün­schen, einer, der alle Gegner besiegt. Wir können in unserer Zeit  lernen, dass Gott anders mächtig ist. Unvorstellbar anders. Durch unsere Bilder nicht einholbar.

Wir befinden uns als Christen in Europa in einer Umbruchssituation. Wir werden uns im Laufe der Zeit von so manchen alten Gottesbildern und Gottesanreden verabschieden, so schwer es auch manchmal fällt. Natürlich sind sie Teil unserer Kultur. Natürlich singen wir das alles in der Kir­chenmusik. Tochter Zion! Ich kann darauf nicht ganz verzichten. Aber wir dürfen den abgrundtiefen Graben nicht zuschütten, der uns gedanklich und objektiv von alten Gottesbildern trennt. Wir müssen uns sehr gut überlegen, wie wir künftig zu religionsfernen Generationen glaubwürdig von Gott sprechen. Jedenfalls nicht als König und Herr, als Herrscher und allmächtiger Pa­tri­arch …

Wenn Jesus Christus mit seinem Leben und Sterben wirklich das Ebenbild Gottes, oder das Vorbild sein soll, dann dürfen wir nicht Bilder der Gewalt und der Herrschaft auf ihn übertragen.

Ich möchte Sie einladen, sich ein paar Minuten Zeit zu nehmen, um sich auf ihre eigenen Gefühle und Gedanken einzulassen: Wie haben Sie ganz persönlich Gott oder Jesus als Messias, als Heiland, als Gott-für-mich erfahren? In welches Bild können Sie Ihren Glauben kleiden? Welche Namen und Rollen passen zu Jesus?

Meditative Musik  Tochter Zion

Erlauben Sie mir, selber persönlich zu werden.

Gott ist für mich die Quelle meiner Kraft. Ich komme immer wieder in Situationen, die mir meine Grenzen aufzeigen. Ich habe mich nicht selbst gemacht und ich kann nicht alles, was ich will, auch werden oder bleiben.

Gott ist für mich der Freund. Mit ihm kann ich reden, auch wenn ich weiß, dass Gott weit, weit mehr ist als ein Du, eine Person. Gott kann ich ver­trauen und ihm kann ich mich anvertrauen, weil er mich wie ein Freund ermuntert und  auch mal wie ein Freund kritisiert. Aber ich bin nicht sein Knecht. Ich bin sein Freund. Gott lässt mich als seinen Freund mein Leben so leben wie ich will, auch wenn ich dann mal Fehler mache. Und wenn ich Mist gebaut habe, ist Gott als dieser Freund immer noch an meiner Seite. Gott als Freund ist natürlich auch ein Gottesbild.

Ein weiteres Bild: Gott ist für mich parteiisch. Er hat durch Jesu Leben und Sterben gezeigt hat, dass er nicht auf der Seite der Täter ist. Gott steht immer auch Seiten der Schwachen und Armen. Das ist für mich auch Mahnung und Stachel, wenn ich es mir zu gut gehen lasse. Denke an die Armen.

Gott ist für mich letztlich ein Geheimnis. Ein Geheimnis, das sich nie ganz enthüllt. Was für einen Sinn das Leben hat mit all seinen Niederlagen und Widersprüchlichkeiten wird sich uns erst in der Ewigkeit erschließen.

Gott als Quelle, als Freund, als Parteinehmer für die Armen, Gott als Geheimnis. Fügen Sie ruhig ihr eigenes Gottesbild hinzu. Wer oder was „Gott“ ist, erschließt sich uns dann, wenn wir uns Gott öffnen.

Ich persönlich sage inzwischen Nein zu einem Friedenskönig, der durch Siege regiert.

Nein zu einem Weltbild, das uns zu Untertanen machen will, die von der Herrschaft eines Königs abhängig sind. Nein zu überholten und gewalttätigen Gottesbildern.

Mit dem Nein sage ich aber gleichzeitig Ja zu einem Gott, der Juden und Christen und Muslime und alle Menschen zum Frieden bringen will. Die traditionellen Bilder dieses Friedens können unsere Hoffnung stärken und unsere Aktivität beflügeln.

Du, Tochter Zion, freue dich sehr, und du, Tochter Jerusalem, jauchze! Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer

Diese und andere biblischen Worte können die schlimmen anderen biblischen Ge­schich­ten überstrahlen.

Ich sage Ja zu einem Gott, der sich in Jesus Christus als bedingungslose Liebe gezeigt hat. Die­ser Liebe gilt es – so bruchstückhaft auch unsere Versuche sind – nachzueifern.

Dazu helfe uns der in der Bibel als Jahwe offenbarte Gott, der Gott, der für uns sein will, von dem wir uns kein Bild machen sollen. Der wird uns den Frieden bringen, den wir selber nicht bringen können. Amen.

Von der Freiheit, Unbequemes in der Kirche zu sagen

Unsere Kirche schwimmt im Mainstreaming der Gesellschaft mit.

Es darf nicht alles gesagt werden.

Manches gehört sich für eine moderne Kirche tatsächlich nicht:

Homosexuelle auszugrenzen und zu verteufeln,

judenfeindliche, antisemitische Sprüche zu klopfen,

Frauen auszugrenzen,

gehört sich für eine Kirche von heute einfach nicht mehr.

Früher war das anders

Es gab eine Zeit,

es war nicht die gute alte Zeit,

sondern für viele Menschen eine schwer erträgliche Zeit,

in der die Kirche

Homosexuelle ausgegrenzt und verteufelt hat,

auf den Kanzeln wurden

judenfeindliche, antisemitische Sprüche geklopft

und in den Gemeinden Frauen ausgegrenzt.

Das gehört sich nicht mehr,

auch für eine katholische Kirche, die hier immer noch hinterherhinkt.

Aber in der Kirche von heute wird manches verschwiegen,

totgeschwiegen:

Von Konflikten in der Kirche,

von Prozessen und Mobbing zur reden,

ist tabu.

Darüber redet man nicht

Und breitet lieber den Mantel der Geschwisterlichkeit darüber

und verdeckt dabei,

dass auch Kirchenmitglieder nicht besser sind als die Menschen sonst in der Gesellschaft:

sie können streitsüchtig, machtgeil, und nur auf eigene Interessen bedacht sein.

Meinungsäußerungen, die nicht dem Mainstreaming angehören,

werden mit empörter Stimme stumm gemacht.

Warum sollte man in unseren Kirchen und Gemeinden nicht

anderer Meinung sein dürfen,

als dass Schiffe für Flüchtlinge unbedingt von Kirchens gesponsert werden müssten?

Warum sollte man seine Meinung nicht frei und offen sagen dürfen,

dass die Zukunft der Kirche nicht rosig ausschaut

und das Schiff zu sinken beginnt?

Warum sollte man nicht frei und offen sagen dürfen,

dass man seine Heimat in der Kirche

und den Glauben der Kirche längst verloren hat?

Wie man durch Verzicht auf Rache und Vergeltung und einseitiges Vergeben neue Wege gehen kann

05.07.2020   9.30 Trautskirchen 4. Sonntag nach Trinitatis  Röm 12,17-21

Liebe Gemeinde!

„Oh, Entschuldigung, ich habe Sie verletzt! Das wollte ich nicht. Ich habe Sie sogar gedemütigt! Das wollte ich schon gar nicht. Tut mir wirklich leid!“

Das sind Worte, die ich mir gerne vor etwa einem Jahr von einem ganz bestimmten Menschen ganz konkret gewünscht hätte. Niemand von hier.

Es sind Worte, die aber ausgeblieben und nicht gesagt worden sind. Dieser Mensch hatte mich damals ziemlich verletzt und gedemütigt.

Was löst das bei Ihnen aus, wenn jemand Sie verletzt, gedemütigt hat, aber kein Wort der Entschuldigung über die Lippen gebracht hat?

Bei mir hat es erst einmal Hass und Wut ausgelöst. Gefühle, die ich so intensiv nie gekannt hatte. Der Wunsch nach Rache, Vergeltung kam in mir hoch. Hass! Dem zahle ich es heim!

Ich habe dann am eigenen Leib gespürt:  menschliche Gefühle können etwas sehr Aggressives sein. Meine Gefühle diesem Menschen gegenüber waren aggressiv und voller Wut. Gut so, denn dem christlichen Glauben sind Wut und Aggressionen nicht fremd. Leider gibt es in den Kirchen eine lange Tradition, in der aggressive Gefühle verdrängt werden: „Als Christ (und als Pfarrer schon gleich) musst du immer schön lieb und freundlich bleiben, halte dich bloß zurück. Zeige bloß nicht, wie sauer du bist. Schlucke deinen Ärger herunter.“

Oft ist für diese Gefühle kein Platz. Dabei gehört es zu  unserem Menschsein einfach dazu, dass wir auch mal wütend und sauer sind. Diese Gefühle sind da, werden

dann oft eher verdrängt.
Da wird dann lieber heimlich die Faust in der Tasche geballt oder man lässt lieber in der vermeintlichen Anonymität des Internets seinem Hass freien Lauf.
Gut ist es da, dass die Bibel diese aggressiven Gefühle nicht verdrängt, sondern zum Ausdruck bringt. Sie tut es in Worten und Bildern, die uns dabei helfen, unseren Zorn auf Unrecht angemessen auszudrücken und ihn in etwas Positives zu verwandeln.

Röm 12,17-21


Vergeltet niemandem Böses mit Bösem. Seid auf Gutes bedacht gegenüber jedermann.
 Ist’s möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden.
 Rächt euch nicht selbst, meine Lieben, sondern gebt Raum dem Zorn Gottes; denn es steht geschrieben: »Die Rache ist mein; ich will vergelten, spricht der Herr.«
Vielmehr, »wenn deinen Feind hungert, so gib ihm zu essen; dürstet ihn, so gib ihm zu trinken. Wenn du das tust, so wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln«.

Wenn man richtig wütend und stinksauer auf jemanden ist, weil dieser Mensch einen schwer gedemütigt hat, tut es richtig gut, sich mal einen der Rachepsalme , z.B. den Psalm 58, herzunehmen, und ihn für sich laut vorzulesen. Ich lese ihn in einer modernen Fassung für uns laut vor:

Ihr Mächtigen, sprecht ihr in Wahrheit Recht?

Wie sieht es in der Welt aus?

Gelten die Menschenrechte?

Gilt Gottes Recht?

Richtet ihr Mächtigen euch danach?

Im Gegenteil: Überall missbraucht ihr eure Macht,  dass unsägliches Leid entsteht

Und überall behandelt ihr Machthaber                             die Menschen wie Dreck.

Die Verletzung der Menschenwürde ist bei euch zur Seuche geworden.

Mein Gott, kannst du solchen Menschen

nicht den Giftzahn ziehen?

O Gott, schlage ihnen die Zähne aus!

Diesen Leuten soll es ergehen wie Schnecken in sengender Hitze! Weg mit ihnen!

Denn solche Leute haben taube Ohren

Und können den Zauber und das Wunder deiner beschwörenden Liebe gar nicht vernehmen.

Ich merke, ich bin auf Vergeltung aus,

ich habe so richtig Rachegefühle.

Aber es ist doch wahr: Die mit eurem Narzismus zerstört doch alles.

Irgendetwas muss doch geschehen,

damit die Welt aufatmen kann und sagen:                 Ja, Gott regiert doch!

 Also, Gott, rechne mit ihnen ab!

Das laute Lesen dieses Rache-Psalmes  hat eine Ventilfunktion. Man kann seine eigene Wut rauslassen und sie Gott vor die Füße werfen. Es ist immer besser, seine Wut nicht gegenüber dem Mitmenschen rauszulassen. Besser ist es, sie Gott hinzuwerfen. Und kann man auch mal in seiner Wut übers Ziel hinausschießen und dem anderen den Schneckentod in der sengenden Hitze wünschen (Psalm 54).

Ähnlich Paulus in unserem Predigttext: „Rächt euch nicht selbst, meine Lieben, sondern gebt Raum dem Zorn Gottes; denn es steht geschrieben: ,Die Rache ist mein; ich will vergelten, spricht der Herr.‘“

Die Rache gehört Gott. Verzichtet auf Rache und Vergeltung. Gebt dem Zorn Gottes Raum! Ich verstehe das so: Wirf deine Wut, deinen Hass Gott vor die Füße. Ja, wir können Gott unsere Wut und unsere hässlichsten Gedanken hinknallen. Selbst Gedanken, für die wir uns später, wenn wir wieder ruhiger geworden sind, schämen. Gott hält auch die hässlichsten Gedanken aus. Damit sind natürlich unsere aggressiven Gefühle nicht weg. Aber es tut gut, sie laut auszusprechen und mich auszukotzen.

Wenn ich das tue, spüre ich: Gott ist es absolut nicht egal, wie wir Menschen miteinander umgehen. Gott ist das Böse nicht egal. Wenn Kinder missbraucht werden, wenn Frauen geschlagen werden, wenn Menschen erniedrigt werden, ist das böse. Und Gott leidet mit den Menschen, denen Böses angetan wird.  Und Gott ist auch richtig zornig auf die, die seine geliebten Geschöpfe mit Füßen treten.

Zorn Gottes heißt: Der Tag wird kommen, an dem sich die Übeltäter dieser Welt vor Gott für ihre üblen Taten verantworten müssen. Mit dem Glauben an diesen Gott und mit der Hoffnung auf diesen Tag können wir unsere eigenen Rachegelüste loslassen. Mit diesem Loslassen werden wir frei. Wir packen das Leben neu an. Wir begegnen den Menschen, die unsere Feinde sind, neu. Vielleicht schaffen wir es sogar, ihnen auch noch die andere Wange hinzu- halten, weil wir keine Angst mehr vor ihnen haben. Wir werden getragen von einem Gott, den sie leider nicht spüren und den sie vor lauter Hass in ihren Augen nicht mehr erkennen können.

Nun werden wir selten richtige Feinde im Leben haben. Es reicht, wenn es Menschen sind, die mir das Leben schwer machen.  Es fällt mir vielleicht leichter, sich bei diesen Menschen nicht zu rächen, wenn ich mir eines klar mache. Hin und wieder gehöre ich womöglich selber zu den Menschen, die das Leben anderer Menschen schwer machen, bewusst oder nicht bewusst.  Da bin ich dann eigentlich ganz froh, wenn der andere, dem ich womöglich gerade das Leben schwer mache, sich nicht rächt. Da bin ich eigentlich ganz dankbar, wenn der andere, den ich verletzt habe, mich nicht schneidet, sondern womöglich ganz überraschende Schritte tut, damit wir endlich wieder gut miteinander sind.

Und damit bin ich beim letzten Satz des Paulus:

21 Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.

Das sagt sich so leicht, aber manchmal ist das schon schwer, in die Tat umzusetzen. Keine Frage, leicht ist das nicht, sich vom Bösen nicht vereinnahmen zu lassen. Und der zweite Schritt ist noch schwerer:  Das Böse mit Gutem zu über-winden.

Wir tun uns auf jeden Fall leichter im Leben, wenn wir daran glauben, dass das Böse am Ende nicht das letzte Wort haben wird. Wir tun uns auf jeden Fall leicht, wenn wir im Konfliktfall uns bewusstmachen: Rache und Vergeltung haben noch nie was Gutes hervorgebracht.

Und wir tun uns auf Dauer leichter, wenn wir aktiv nach guten Wegen suchen, mit denen wir das Böse mit Gutem überwinden können.

Wie habe ich damals meinen Hass, meine Wut, mein Bedürfnis nach Rache überwunden?

Ich hatte richtig damit zu kämpfen, dass dieser Mensch sich nicht entschuldigen konnte oder wollte.

Ein einfaches Wort, wie „Es tut mir leid.“ hätte bei mir lösende Bindung gehabt, wenn dieser Mensch, der mich gedemütigt hatte, dieses Wort mir gegenüber ausgesprochen hätte. Ein einziges Wort der Entschuldigung hätte alles lösen können.

Nun hat dieser Mensch aber dieses einzige Wort der Entschuldigung, aus welchen Gründen auch immer,

nicht über die Lippen gebracht.

Dieser Mensch schwieg und meinte, es wird sich schon weiter von selbst regeln.

Es hätte sich aber nichts von selbst geregelt,

was geblieben wäre, ist eine gestörte Beziehung.

Ich wäre es gewesen, der womöglich dem anderen die Schuld nachgetragen hätte.

Dem anderen wäre es wurscht gewesen.

Ich merkte, wie in mir das Bedürfnis wuchs,

mich aus dem Bann dieser nicht ausgesprochenen Entschuldigung zu lösen.

Ich fasste deshalb einen Beschluss:


Es ist mir ab sofort völlig egal sein,

ob dieser Mensch sich entschuldigen konnte oder nicht.

Ab heute habe ich von meiner Seite einen Schlussstrich gezogen, 

man kann es einseitiges Verzeihen nennen,

aber völlig unabhängig davon,                                              ob dieser Mensch es merkt oder nicht,

ich verzeihe ihm.

Ich verzeihe ihm,

das heißt, sein kränkendes Verhalten wird mich ab sofort nicht mehr kränken.

Ich bin nicht gekränkt.

Ich bin voller Mitgefühl,

weil dieser Mensch, im Gegensatz zu mir,

anscheinend nicht aus seiner Haut kommt.

Ich habe diesen Schritt des einseitigen Verzeihens nicht bereut. Dieser Schritt hat nicht bei dem anderen etwas verändert. Der wusste ja nichts davon. Dieser Schritt des einseitigen Verzeihens hat aber etwas bei mir verändert. Meine Gefühle von Hass und Wut konnte ich Gott vor die Füße werfen. Ich musste sie nicht verdrängen. Und meine bewusste Entscheidung. Ich vergebe diesem Menschen, aber auch ich vergebe auch mir selber, dass ich es zugelassen habe, gedemütigt zu werden, hat mich stark gemacht.

Mich hat diese positive Erfahrung eines gelehrt: Wir Menschen können tatsächlich das Böse mit Gutem überwinden. Wir müssen nicht verharren in Rachegedanken.  Wir müssen nicht verbittern. Schon gar nicht müssen wir unseren Hass und unsere Wut auf Kosten anderer ausleben. Wir können uns unserer Wut bewusstwerden. Wir können unsere Wut Gott vor die Füße werfen. Wir können uns dazu durchringen, zu verzeihen, selbst wenn das Gegenüber nichts davon weiß oder nichts davon hält. Wir Menschen sind fähig, uns nicht vom Bösem  überwinden zu lassen. Und darüber hinaus können wir Böses mit Gutem überwinden.

Zum Schluss möchte ich Ihnen und Euch die Geschichte von dem alten Indianer erzählen, der seinem Sohn am Lagerfeuer von zwei Wölfen erzählt: „Mein Sohn, in jedem von uns tobt ein Kampf zwischen zwei Wölfen. Der eine Wolf ist böse. Er kämpft mit Neid, Eifersucht, Gier, Arroganz, Selbstmitleid, Lügen, Überheblichkeit, Egoismus und Missgunst. Der andere Wolf ist gut. Er kämpft mit Liebe, Freude, Frieden, Hoffnung, Gelassenheit, Güte, Mitgefühl, Großzügigkeit, Dankbarkeit, Vertrauen und Wahrheit.” Der Sohn fragt: „Und welcher der beiden Wölfe gewinnt?“ Der alte Indianer schweigt eine Weile. Dann sagt er: „Der, den du fütterst.“

Der Kampf zwischen Gut und Böse tobt nicht nur in der Welt. Er findet auch in jedem Einzelnen von uns statt. Auch in uns Christen. Ich wünsche uns, dass wir den Mut aufbringen, den guten Wolf in uns zu füttern.  Amen.

Predigt vom 28.6.20

ttps://soundcloud.com/manfred-lehnert-850999479/micha7wo-ist-ein-gott-wie-du

Von Gott gesegnet Predigt

        יְבָרֶכְךָ יְהוָה וְיִשְׁמְרֶךָ
      
        jewarechecha Adonai vejischmerecha
      
             ‏יָאֵר יְהוָה פָּנָיו אֵלֶיךָ וִיחֻנֶּךָּ
      
         ja’er Adonai panaw eleicha wichuneka
      
         ‏יִשָּׂא יְהוָה פָּנָיו אֵלֶיךָ וְיָשֵׂם לְךָ שָׁלוֹם
      

        jissa Adonai panaw eleicha wejasem lecha schalom
      
    
Sie müssen kein Hebräisch verstehen. Es ist nicht wichtig, wenn Sie von der Predigt nicht alles verstehen und nicht alles behalten. Wenn am Ende des Gottesdienstes dieser uralte und vertraute Segen uns allen zugesprochen wird, ist das Wichtigste am Gottesdienst geschehen. Und wenn Sie nichts als den Segen mit nach Hause nehmen, haben Sie für sich das Wichtigste mitgenommen:

Der HERR segne dich und behüte dich.
 Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.
 Der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.

Ich taste mich mit ein paar Fragen an den Segen als Predigttext heran. wer? wem? wann?  Und dann die beiden großen Fragen: was und wer!?!


1. Wer? Wer spricht den Segen?

„Aaronitischer Segen“ heißt dieser Segen. Nach der biblischen Überlieferung im 4. Buch Mose gibt Gott der Herr dem Mose die Anweisung an dessen Bruder Aaron:


6,22 „Und der HERR redete mit Mose und sprach:
23 Sage Aaron und seinen Söhnen und sprich: So sollt ihr sagen zu den Israeliten, wenn ihr sie segnet:
24 Der HERR segne dich und behüte dich;
25 der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig;
26 der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.
27 Denn ihr sollt meinen Namen auf die Israeliten legen, dass ich sie segne.“


Ein priesterlicher Segen ist das also. Aaron und seine Söhne waren die Priester im alten Israel. Bis heute dürfen bei orthodoxen jüdischen Gottesdiensten nur die „Nachfahren“ der Priester den Segen sprechen, also Männer mit dem Nachnamen Cohen (Cohen = Priester).
Weil es der Segen des Priesters ist. In christlichen Gottesdiensten ist es zum großen Teil auch so: Den Segen spricht im katholischen Gottesdienst nur der katholische Priester, eigens geweiht. Im evangelischen Gottesdienst ist es anders. Da spricht der Pfarrer, die Pfarrerin am Schluss den Segen, oder auch die Lektorin oder der Prädikant. Nach evangelischem Verständnis sind wir alle durch die Taufe zu Priestern geweiht. Im 1. Petrusbrief heißt: „Ihr seid ein königliches Priestertum“. Deshalb kann und darf diesen Segen jeder getaufte Christ“, einer dem anderen zusprechen: „Der Herr segne dich und behüte dich …“!


2. Wem?

Wem? Wem gilt der Segen?  Die biblische Antwort wird uns vielleicht verblüffen und ein wenig schocken: Ganz eindeutig gilt der Segen dem Volk Israel! „So sollt ihr sagen zu den Israeliten, wenn ihr sie segnet: … Denn ihr sollt meinen Namen auf die Israeliten legen, dass ich sie segne.“
Der Segen gilt dem Volk Israel. Und in der christlichen Kirche gilt er nicht ohne oder gegen Israel, sondern nur so, dass sich die Christen in dem Juden Jesus von Nazareth mit Israel mitgesegnet wissen. Wir sollten das immer auch mitdenken: Es ist der Gott Israels, Jahwe-Adonai, an dessen Segen wir durch den Juden Jesus teilhaben.  Das sollte uns Christen bescheiden machen. Jede antisemi-tische Äußerung innerhalb von christlicher Kirche raubt uns den Segen. Wir sollten auch nicht vorschnell den aaronitischen Segen trinitarisch auslegen und christlich vereinnahmen. Wir stehen als Christen unter dem uralten jüdischen Segen, den auch der Jude Jesus gesprochen hat.

Und wir sollten auch nicht vorschnell den aaronitischen Segen auf dich und mich als Einzelindividuen beziehen.

Der Segen gilt dem Volk, den Israeliten, der Gemeinde – und  dann schon auch dem einzelnen Menschen dir und mir in der großen Gemeinschaft. Aber der Segen gilt nicht außerhalb der Gemeinschaft. Das „dich“ und „dir“ in diesem Segen ist nach dem hebräischen Sprachgebrauch eine kollektive Anrede. Sie gilt „Euch“ als Gemeinde und „dir“ je als Teil der Gemeinschaft. Also auch, wenn ich jemanden persönlich den Segen zuspreche, auch dann stelle ich ihn in die Gemeinschaft der Gemeinde, in der er den Segen empfängt. Der Segen vereinzelt nicht, sondern verbindet. Segen gibt es nur in der Gemeinschaft.

Wem gilt der Segen? Wem gilt der aaronitische Segen speziell, unser Segen? Er gilt „allem Volk“.
Dieser Segen gilt allen Menschen, jüdisch, christlich, in der Synagoge, in der Kirche  oder daheim. Er gilt ohne Bedingungen, er gilt für das ganze Leben in unserer Zeit und für immer.

3. Wann? Von wann stammt dieser Segen?

Soviel steht fest: Es ist ein  uralter Segen. Diese uralten Segensworte gehören zum ältesten erhaltenen Text des hebräischen Alten Testaments. Sie befinden sich auf zwei winzigen Schriftrollen aus Silber. Diese wurden vor über 40 Jahren bei archäologischen Grabungen unterhalb der südwestlichen Stadtmauer der Altstadt Jerusalems in einem Familiengrab gefunden. Es stammt aus der Zeit, als noch der erste salomonische Tempel stand. Die Silberrollen sind 2600 Jahre alt und damit 400 Jahre älter als die ältesten Bibelhandschriften aus Qumran.

Die Frage hat noch eine andere Dimension: Wann?: Wann wird der Segen im Gottesdienst gesprochen. Er wird immer am Ende des Gottesdienstes ganz am Schluss gesprochen. Er muss nicht mehr ergänzt oder kommentiert werden.


4. Was?
Was wird zugesprochen mit diesem Segen?

  1. Der HERR segne dich und behüte dich.
      
  2. Gott segnet.

Sind wir gesegnete Menschen?

Wo sehen wir etwas von dem Segen Gottes in unserer Gesellschaft?

Wir leben in einer Demokratie. Und trotz Corona-Epidemie leben wir in einer gut gehenden Wirtschaft. Wir haben genug Geld, um Milliarden auszugeben.

Es geht uns gut.

Wir haben Kinder, Enkelkinder, Ehepartner, oder Menschen, zu denen wir jederzeit gehen können. Wir haben ein funktionierendes Gesundheitssystem. Wir leben in einer Welt voller Nahrung, Technik, einer Welt des Überflusses.

Ja, wir sind gesegnet, von Gott gesegnet. Und frage mich, warum wir es sind. Denke ich, an Teile unserer deutschen Geschichte, spüre ich, dass wir es nicht verdient haben, von Gott gesegnet zu sein. Aber wir sind gesegnet.

  • Gott behütet.

… und behüte dich.

Sind wir behütet?

„Bleiben Sie gesund und seien Sie behütet!“ So schreibe ich oft genug und sage es Menschen, wenn wir uns verabschieden. Jetzt in dieser unbehüteten Zeit ist es mir wichtig, mich und die Meinen behütet zu wissen. Gott ist für mich so etwas wie ein Schutz in der Gefahr und Zuflucht in Angst. Gott behütet uns auch vor allem Argen, allem Bösen.

Gerade dann, wenn uns unser Lebensweg zu schwer vorkommt oder wir meinen, nicht mehr zu können, keinen Ausweg und keinen Lichtblick mehr sehen, gerade dann ist es gut,  sich eines bewusst zu machen: Wir sind behütet von Gott. Wenn wir Angst haben, ist Gott da, umgibt uns wie die Luft zum Atmen und stellt sich vor uns in unserer Not.

Ich gebe zu: Manchmal fühle ich mich nicht behütet. Manches ist geschehen, das mich fragen lässt, warum Gott dieses und anderes zugelassen hat. Behütet mich wirklich Gott? Und was ist mit den anderen Menschen, die er offensichtlich nicht behütet hat?

Wie auch immer, ich merke staunend: Es sind mehr Lebensphasen, in denen ich gut behütet war als Phasen, in denen ich mich alleingelassen gefühlt habe. Ja, ich bin ein behüteter Mensch!

Liebe Gemeindeglieder! Es ist natürlich ein Bild, aber ein kraftvolles Bild:  Gott behütet uns alle, er hält seine Hände über uns, um uns zu schützen und zu behüten.

Der zweite Teil des aaronitischen Segens enthält ein ebenso kraftvolles Bild:

B)  Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir….

Es ist ein Bild wie bei einer Audienz beim König: Der König nimmt uns wahr. Nun haben wir keine Erfahrung mit Königen. Stellen wir uns vor, Kanzlerin Merkel kommt vorbei, mit großen Anhang. Für einen Moment sieht sie dich an und grüßt dich freundlich in der Menge.

Ich habe gerade ein Gegenbild vor Augen: Trump wie er triumphierend die Bibel vor einer Kirche hochhält, grimmig in die Menge blickt, nachdem er vorher mit Tränengas die demonstrierende Menschenmenge zur Seite hat räumen lassen.

Wenn Gottes Angesicht über uns leuchtet, schaut Gott uns freundlich an. Der ewige Gott nimmt uns wahr.

Das ist für uns Menschen etwas, worüber wir nur staunen können. Wir sind doch nur Staubkörner und doch nimmt uns der Ewige Gott freundlich wahr.

Wir sind nicht zufällig in dieser Welt. Wir sind keine Laune der Natur. Wir sind gewollt und erwünscht. Das sagen wir uns als von Gott gesegnete Menschen.

…. und sei dir gnädig.

Da geht es um unsere Gottesbeziehung, um Schuld und Vergebung. Wenn Gott segnet, erkennen wir auch Schuld und erfahren Vergebung.

Wenn Gott uns freundlich anschaut, erwärmt sein Blick Gott ist uns gnädig, wenn Schuld uns drückt, lässt er uns aufatmen und macht uns frei. Es ist eine Gnade, wenn Gott uns nicht verschlossen lässt in unserer Schuld, wenn er uns von allem Bösen löst und uns frei macht.

„Gott lasse sein Angesicht über dich leuchten und sei dir gnädig“: Das ist die Zusage für ein gelingenden Lebens.

  • Der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.

Noch einmal die Rede vom Angesicht Gottes. Gott schaut uns noch einmal an. Unser Gott  sieht dabei, wenn er uns ansieht, unser Leid, all das, was uns im Innersten beschäftigt.

Und Gott hört unser Rufen, selbst wenn wir sprachlos geworden sind.

Gott heilt unsere seelischen Wunden und tröstet uns.

So ist das, wenn Gott uns anschaut. Unser Herz wird still und friedvoll. Schalom, Friede breitet sich in unserem Herzen aus.

Es gibt Momente in meinem Leben, da zieht wirklicher Friede ein. Ich sitze dann da und bin ganz still. Denke nichts mehr, habe keine Wünsche und keine Sorgen mehr. Ich spüre  für einen kurzen, kostbaren Moment der Stille, bis er wieder von der Unruhe des Lebens vertrieben wird. Ich sehne mich danach, irgendwann vollends von diesem Frieden Gottes erfüllt zu sein.

und gebe dir Frieden,

5. Wer?  Wer segnet? In wessen Namen spricht der Segnende den Segen? „Gott der Herr, Jahwe Adonaj segne dich. Es ist der Gott, der sich Mose mit dem Namen Jahwe offenbart hat: „Ich werde bei euch sein!“

Geht mit dem Segen dieses Gottes!

Von Gott gesegnet- Predigt 7.6.20

(M)ein Glaubensbekenntnis

Wie Fische im Wasser sind wir mit Gott verbunden.

Wir sind umgeben von einer höheren Macht, die sich durchsetzen wird.

Wir sind umgeben von einem höheren Willen nicht zur Macht,

sondern zur Liebe.

Wir sind umgeben von einem guten Geist der Liebe,          

der uns bereit macht zu teilen    

und dankbar sein lässt für das was wir haben.

Wir sind umgeben von einem guten Geist der Liebe,                       

der in uns die Bereitschaft stiftet,                 

versöhnt zu leben,                

zu lieben und zu verzeihen.

Wir sind umgeben von einem guten Geist der Liebe,                    

der in uns das Gute weckt und dem Bösen in uns wehrt.

Wir können dieses Urvertrauen Glaube, Gottvertrauen nennen

oder ganz anders.                                 

Es steckt in uns.

Ein tiefes Urvertrauen,                                                                                                                                                    

 das in uns Menschen steckt,                                                                                                                                         

lässt uns glauben                                                                                                                                                   

und dem Leben vertrauen.

Gott sei Dank!

Beten in einer vollen Vorratskammer -Predigt 17.6.20

Das Vaterunser als volle Vorratskammer

Predigt zu Mt 6, 5-15 zum Sonntag Rogate, 17. Mai 2020

Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht sein wie die Heuchler, die gern in den Synagogen und an den Straßenecken stehen und beten, um sich vor den Leuten zu zeigen. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon gehabt.

Wenn du aber betest, so geh in dein Kämmerlein und schließ die Tür zu und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir’s vergelten.

Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern wie die Heiden; denn sie meinen, sie werden erhört, wenn sie viele Worte machen. Darum sollt ihr ihnen nicht gleichen. Denn euer Vater weiß, was ihr bedürft, bevor ihr ihn bittet. Darum sollt ihr so beten: „Unser Vater im Himmel! Dein Name werde geheiligt. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.“ Denn wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, so wird euch euer himmlischer Vater auch vergeben. Wenn ihr aber den Menschen nicht vergebt, so wird euch euer Vater eure Verfehlungen auch nicht vergeben.

Ich war die letzten Wochen öfter da drinnen. All die Sachen, die ich am Anfang der Krise gekauft habe, sicherheitshalber gekauft habe: Konservendosen, Nudeln, Milchpackungen, Hundedosenfutter, ja auch das begehrte Klopapier, Schokolade, Bier, Wein. All das habe ich verstaut. Und ich war beruhigt: Ein paar Wochen werden wir schon aushalten, wenn es nichts mehr geben sollte.

Später stellte sich heraus: So schlimm ist es gar nicht. Hamsterkäufe sind unnötig. Man kann alles in Maßen kaufen und braucht es nicht in Massen. Ich selber habe auch schon eingekauft mit Maske. Gibt mehr als genug. So schnell geht uns nichts aus. Beruhigend so eine volle Vorratskammer.

„Wenn du aber betest, so geh in dein Kämmerlein“, sagt Jesus. Jesus meint die Vorratskammer. Es gab sie zu seiner Zeit in jedem Haus, denn Vorratshaltung war lebenswichtig. Ein Raum ohne Fenster, dunkel und kühl, ziemlich eng und bestimmt nicht besonders aufgeräumt, denn wer guckt da schon hinein. Aber darin ist alles aufbewahrt, was man zum Leben braucht. Man kann sich dort holen, was einen nährt. So wie diese Vorratskammer sollen die Orte sein, an denen ihr betet, sagt Jesus. Ein Teil eures Alltags, eine kurze Unterbrechung, schnell etwas holen und wieder raus. Oder auch einen Moment bleiben, weil ihr was sucht. Und ihr könnt immer sicher sein, es hier zu finden. „Denn euer Vater weiß, was ihr bedürft, bevor ihr ihn bittet.“

Ich gebe zu, ich habe mich nicht in die Vorratskammer zurückgezogen, um dort zu beten. Das Haus ist mehr als groß und die Kirche ist ja nebenan. Aber im Nachhinein ist mir aufgefallen:

Die vielen Nudeln und Klopapierhamsterkäufe haben mir etwas von der Panik der Leute am Anfang erzählt.

Die auf Vorrat gekauften Konservendosen und Milchpackungen haben davon erzählt, dass unsere Sorge schon berechtigt waren. Es ist gut, wenn Vorrat da ist. Schokolade ist gut für die Nerven. Alkohol macht die Lage erträglicher, man darf sich nur nicht daran gewöhnen.

Unsere Vorratskammern schauen sicher unterschiedlich aus. Der eine hamstert tatsächlich, der andere nimmst leichter. Die eine braucht dies, die andere das. So unterschiedlich die Vorratskammern in unseren Häusern und Wohnungen aussehen, so unterschiedlich schauen auch unsere Herzenskammern aus.

Manchmal schaut es in meiner Herzenskammer so aus: So richtig durcheinander und unaufgeräumt und immer zu voll.

 „Denn euer Vater weiß, was ihr bedürft, bevor ihr ihn bittet.“

So versteht Jesus also Beten: Im Bild der Vorratskammer: Gott hockt irgendwo in dieser Vorratskammer  in einer Ecke auf einem Sack Kartoffeln. Und er sieht uns sofort, wie wir durch die Tür kommen auch im Dämmerlicht dieser Kammer. Und jedes Mal begrüßt Gott dich und mich mit den Worten: „Ich weiß, was du brauchst“. Gott weiß, was sich hinter dem Vorrat an Konservendosen, Nudeln und selbst Klopapier verbirgt. Gott versteht unsere Sucht auch Schokolade und Alkohol jetzt in diesen Zeiten.  Gott kann bis in unsere Herzenskammern sehen, Gott sieht und spürt die Panik, es könnte nicht langen. Gott sieht und spürt die nutzlose Sorge in Hamsterkäufen aller Art. Gott spürt auch unsere blankliegenden Nerven. Gott sieht auch, wie wir das eine oder andere, mit dem wir nicht fertig werden, verdrängen, diese Kiste ganz hinten, wo sie keiner sieht und wo ich sie irgendwann selbst vergesse. Kein Wunder, dass in meiner Kammer alles so durcheinander und unaufgeräumt und immer zu voll ist.

Gott braucht von uns auch keine langen Erklärungen: Warum  brauchst du das unbedingt? Und warum willst du dir dieses und jenes auf Vorrat kaufen. Er braucht keine langen Erklärungen, wie das sich so anfühlt, wenn plötzlich so eine Epidemie sich ausbreitet. Gott braucht keine Analyse, ob die Lage wirklich so schlimm ist, wie wir fürchten. Mit Gott ist es so, wie wir es uns schon immer insgeheim im tiefsten Herzen wünschen: Wir werden von Gott verstanden und müssen es nicht einmal aussprechen. Wir lassen Gott für einen Moment in unsere unaufgeräumten Herzen schauen. Das ist Beten.  Ob das ist der Vorratskammer oder doch in der Kirche geschieht, ist wurscht.

Beten braucht keine Worte. Aber wenn ihr doch welche braucht, sagt Jesus, wenn ihr beten wollt und nicht so recht wisst, was für Worte ihr da sagen wollt. Wenn euch alle normalen Worte hohl und leer vorkommen, dann nehmt dafür die Worte, die ich euch gebe. Mit diesen Worten könnt ihr ein wenig in euren Herzenskammern aufräumen, wenn ihr wollt.

Also betet: Vater unser im Himmel.

Sprecht langsam und bewusst. Dieses Gebet ist selbst eine Vorratskammer. Es ist alles darin, was ihr zum Leben braucht. Wenn ihr es betet, sprecht ihr mit Gott wie mit einem guten Vater.

Wenn ihr wollt, sprecht mit Gott: Abba, lieber Papa! Sagt Jesus. Ich bete so zu Gott, Ihr dürft so auch zu Gott beten.

Gott mit Papa anzureden, das ist mir ehrlich gesagt zu vertraulich. Ich bete nicht zu Gott Papa. Ich brauche ein wenig Distanz. Auch zu Gott als Vater.

 Ich weiß von anderen, die sagen: „Ich tue mir schwer,  mit meinem leiblichen Vater habe ich schlechte Erfahrungen gemacht oder gar keine Erfahrungen, weil er nie da war. Und deshalb tue ich mir schwer, Gott als Vater anzureden.“

Und ich höre noch jemanden sagen: „Also ich tue mir schwer, überhaupt an einen himmlischen Vater zu glauben:

Ist kein Vater mehr dort oben, der mein Schrein und Flehn erhört. Auch kein Finger, streng erhoben,  und kein Arm, der Schutz gewährt. Eine Mutter nie gewesen, die mich tröstet, sanft und zart. Keine Hand, die vor dem Bösen meinen Schritt bewahrt.

So singt es Claudia Mitscha-Eibl. Abschied vom himmlischen Vater haben viele schon genommen oder tun sich schwer, daran zu glauben.

Die ganze Palette am Gläubigkeit, distanzierter Gläubigkeit, bis hin, es nicht mehr glauben zu können, steckt in dieser Anrede, Vater unser im Himmel.

Ganz egal, was da in euch hochkommt an gemischten Gedanken und Gefühlen, alles darf sein. Vertrauen wir Jesus. Tauchen wir für einen kurzen Moment in sein Gottvertrauen hinein:

 Geheiligt werde dein Name!  Setzt gegen eure Angst und Panik auf seine Nähe. Ich bin da!

Geheiligt werden dein Name, das ist eine jüdische Umschreibung für Gott selbst. Der Name Gottes Jahwe „Ich bin für euch da.“ Es ist, wie wenn ein Kind in der Dunkelheit die Stimme vom Papa oder auch die Stimme von der Mama hört: “Ich bin da. Brauchst keine Angst zu haben.“

Gott ist da, selbst wenn du schon lange aufgehört hast, ihn zu suchen. Du darfst zu diesem Gott, Vater sagen, oder Papa. Gott ist da.

Geheiligt werde dein Name!“ Ganz tief tauchen wir in das Gottvertrauen Jesu ein. Gott ist da. Das ist ihm heilig.

 Dein Reich komme! Setzt gegen eure Angst und Panik auf seine Liebe. Seine Liebe wird sich bei uns, in unserem Leben durchsetzen wird. Was mit Jesus begonnen hat, wird bei uns Wirklichkeit werden: das Reich Gottes ist mitten unter euch! Überall dort, wo Menschen heil werden, überall dort, wo Menschen einander vergeben, überall wo Menschen sich selbst vergessen und die alt vertrauten Wege verlassen, ist Gottes Liebe greifbar nahe.  Also, wenn ihr in eurem Leben die Panik spürt und die Angst, es könnte für euch nicht reichen: Setzt auf seine Liebe, setzt auf sein Reich. Dein Reich komme!

Dein Wille geschehe – wie im Himmel so auf Erden!        Setzt gegen eure Ohnmacht und Hilflosigkeit auf den Willen Gottes!

Was Gott will, ist klar: Gott will, dass sein Reiche komme, dass überall Menschen heil werden an Leib und Seele. Dass das Leben gelingt und zur Erfüllung kommt. Gott will nur eines: Dass die Liebe zur Vollendung kommt und das wird sie.

Jesus ist zutiefst in dieses Gottvertrauen eingetaucht: Was Gott will, geschieht und setzt sich durch.

Aber gleichzeitig machen wir alle doch auch gegenläufige Erfahrungen: Gottes Wille geschieht ganz offensichtlich nicht.

Es ist nicht Gottes Wille, wenn ein Mensch vorzeitig stirbt. Es ist nicht Gottes Wille, an Corona-Virus angesteckt zu Werden. Es ist nicht Gottes Wille, wenn Leid geschieht.

Manche Not bleibt. In diesem Leben geschieht Gottes Wille viel zu oft nicht. Warum das so ist? Am Ende werde ich ihn fragen. Jetzt halte ich an ihm fest, wider allen Augenschein. Wenn ich bete: Dein Wille geschehe, dann ist das manchmal ein Ringen, manchmal ein getrostes Gebet und manchmal eine zornige Klage.

Unser täglich Brot gib uns heute. Wenn ihr das sprecht, sprecht ihr vom Brot, das an jedem Tag da ist und eure Sorgen kleiner werden lässt.

Es gibt Zeiten, da nehme ich mein tägliches Brot für selbstverständlich. Ich weiß, alles ist genug da. Ich brauche mir keine Sorgen darum machen, wie ich den morgigen Tag überleben kann. Das Gebet Unser tägliches Brot gib uns heute macht mich dankbar in Zeiten, in denen es mir gut geht.

Dann gibt es aber auch Zeiten, da fühle ich mich wie abgeschnitten von der Quelle. Das sind Zeiten, in denen mir das tägliche Brot ausgeht. Wie soll ich meine Familie versorgen? Wie soll ich mit dieser Krankheit weiterleben? Wo kommt mein Einkommen her? In diesen Zeiten nimmt mich das Gebet in das Vertrauen Jesu hinein. Sorge dich nicht, denn dein himmlischer Vater weiß, was du brauchst.  Es ist genug für alle da.

Und vergib uns unsere Schuld, wie wir unseren Schuldigern vergeben.

Wenn ihr das betet, sagt Jesus, dann erinnert ihr euch, wie viel wir einander zu vergeben haben.

Wir sind Menschen und werden aneinander schuldig.

Ich verletze dich: manchmal ohne es zu wollen, manchmal nehme ich es auch bewusst in Kauf, um meine Interessen durchzusetzen. Manchmal ist der Schmerz ist groß, den ich bei dir auslöse. Und auch ich trage Wunden an mir, die immer wieder aufreißen, weil du mir weh getan hast.

Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern – mit dieser Bitte legen wir unsere Wunden und Narben bewusst in Gottes Hand. Wer einem anderen vergibt, gewinnt seine Freiheit zurück. Er ist nicht mehr Opfer, und der andere, der ihm etwas angetan hat, hat keine Macht mehr über ihn. Das Gift, das er im Herzen getragen hat, kann abfließen. Und wer um Vergebung bittet, lässt sich selbst verwandeln. Er lässt sich in die Liebe hineinziehen, die zwischen Tat und Täter unterscheidet. Er übernimmt Verantwortung für das, was er getan hat und zeigt den ehrlichen Wunsch, sich anstecken zu lassen von der Liebe und dem Vertrauen Jesu.

Und führe uns nicht in Versuchung…

Es gibt im Leben Versuchungen, die unser Leben bedrohen. Es ist die Versuchung, das Leben aufzugeben, die Versuchung, den Glauben hinzuschmeißen, die Versuchung, alle Hoffnung aufzugeben, die Versuchung, die Liebe stillschweigend aufzugeben… Und führe uns nicht in Versuchung!

…sondern erlöse uns von dem Bösen.

Ja, sagt uns Jesus, sprecht ruhig und ganz offen von dem Bösen, das sich bei euch versteckt in dunklen Ecken eures Herzens. Das Böse ist in eurer Kammer da, auch wenn ihr es verdrängt. Das Böse gibt es auch in uns und auch in mir.

Es ist da. Es ist in uns da. Es steckt in uns, ob wir es wahrhaben wollen oder nicht. Sogar in den frömmsten Menschen steckt das Böse, das macht das Ganze auch so gefährlich.

Auch dann und gerade dann, wenn ich es doch gut meine, kann das Böse in mir sich entfalten.  Darum erlöse uns von dem Bösen, das auch in uns steckt.

Nicht alles in diesem Gebet braucht ihr zu allen Zeiten in eurem Leben. Aber in diesem Gebet ist alles aufbewahrt, bis ihr es braucht. Und an diese Vorräte gehen, das ist Beten.

Amen

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen

Gebet am Sonntag 19.4.20

zum Anschauen:

Gebet

Guter Gott,

die Corona-Krise macht uns Angst. Solch eine Situation hatten wir noch nie.

Auf der ganzen Welt werden Menschen deswegen krank.
Und noch viel mehr bleiben zu Hause oder auf Abstand zueinander, um sich nicht anzustecken mit dem neuen Virus.

Ich bitte dich: Steh uns bei in dieser Situation.
Sei bei den Kranken und den Risikopatienten und bei allen, die sich um sie kümmern.

Hilf uns, gelassen zu bleiben.
Hilf uns, Solidarität zu zeigen mit denjenigen, die wir jetzt besonders schützen müssen.


O Gott, es gibt vieles, das ich nicht weiß. Es gibt vieles, das ich nicht durchschaue. Es gibt vieles, das ich nicht in der Hand habe.

Wenn ich mich ohnmächtig fühle, will ich einmal tief durchatmen

und darauf vertrauen, dass ich nicht das Ganze bewältigen muss,

sondern das tun kann, was mein Part ist.

Wenn ich verunsichert bin, will ich einmal tief durchatmen

und darauf vertrauen, dass ich nicht alleine bin

und dass unsere Weisheit gemeinsam reicher ist.

Wenn ich Angst habe, will ich einmal tief durchatmen

und darauf vertrauen, dass ich nicht aus Gottes Nähe herausfalle,

sondern dass Gottes Geist mir nahe ist.

Was ich weiß, ist:

Mein Leben und meine Liebe und meine Würde reichen

 so viel weiter als das, was ich leisten oder tun kann.

Was ich sehen kann, ist:

Nach jedem Winter kommt der Frühling

und neues Leben wächst aus dem kalten Erdboden.

Was ich kann, ist tief durchatmen

und dieser Welt Liebe einflößen, die sie so dringend braucht.

Guter Gott,

lass diese Corona-Krise bald vorübergehen.
Und schenke uns jetzt Mut und Zuversicht.

Amen.

Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Der Herr segne dich und behüte dich.
Er schaffe dir Rat und Schutz in allen Ängsten.
Er gebe dir den Mut, aufzubrechen und die Kraft,
neue Wege zu gehen.
Er schenke dir Gewissheit, heimzukommen.
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir
und sei dir gnädig.
Gott sei Licht auf deinem Wege.
Er sei bei Dir, wenn du Umwege und Irrwege gehst.
Er nehme dich bei der Hand
und gebe dir viele Zeichen seiner Nähe.
Er erhebe sein Angesicht auf dich und gebe
dir seinen Frieden.
Ganz sein von Seele und Leib.
Das Bewusstsein der Geborgenheit.
Ein Vertrauen, das immer größer wird
und sich nicht beirren lässt.
So segne dich Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist.
Amen