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Osternacht zum Anschauen

https://youtu.be/hogvVxuk96E  Osternacht in Trautskirchen mit ganz vielen Kerzen und ganz wenigen Menschen, Pfarrer Manfred Lehnert

Onlinepredigt Mk 9,14-27 Aus der Sicht der Gemeinde und Zuhörer

  1. Die Jesus-Geschichte aus der Sicht von Euch Gemeindegliedern, und Zuhörern (Jünger und Menschenmenge)

14 Bei ihrer Rückkehr fanden sie die anderen Jünger zusammen mit einigen Schriftgelehrten mitten in einer großen Volksmenge. Die Schriftgelehrten hatten die Jünger in ein Streitgespräch verwickelt. 15 Sobald die Leute Jesus sahen, liefen sie ihm aufgeregt entgegen und begrüßten ihn. 16 »Worüber streitet ihr euch mit meinen Jüngern?«, fragte er sie. 17 Einer aus der Menge antwortete: »Lehrer, ich habe meinen Sohn hergebracht, damit du ihn heilst. Er kann nicht sprechen, weil er von einem bösen Geist beherrscht wird.[1] 18 Wenn dieser Geist Gewalt über ihn gewinnt, wirft er ihn zu Boden. Dann tritt dem Jungen Schaum vor den Mund, er knirscht mit den Zähnen, und sein Körper wird ganz starr. Ich habe schon deine Jünger gebeten, den bösen Geist auszutreiben, aber sie waren machtlos.« 19 Da rief Jesus: »Was seid ihr nur für eine ungläubige Generation! Wie lange soll ich noch bei euch sein und euch ertragen? Bringt den Jungen her zu mir!« 20 Sie brachten ihn, und sobald der böse Geist Jesus erblickte, zerrte er den Jungen hin und her. Der stürzte zu Boden, wälzte sich umher, und der Schaum stand ihm vor dem Mund. 21 »Wie lange leidet er schon darunter?«, fragte Jesus den Vater. Der antwortete: »Von Kindheit an. 22 Schon oft hat ihn der böse Geist in ein Feuer oder ins Wasser geworfen, um ihn umzubringen. Hab doch Mitleid mit uns! Hilf uns, wenn du kannst!« 23 »Wenn ich kann?«, fragte Jesus zurück. »Alles ist möglich, wenn du mir vertraust.« 24 Verzweifelt rief der Mann: »Ich vertraue dir ja – hilf mir doch, meinen Unglauben zu überwinden!« 25 Als Jesus sah, dass immer mehr Leute zusammenliefen, bedrohte er den bösen Geist: »Du stummer und tauber Geist, ich befehle dir: Verlass diesen Jungen und kehre nie wieder zu ihm zurück!« 26 Da stieß der Dämon einen Schrei aus, zerrte den Jungen heftig hin und her und verließ ihn. Der Junge lag regungslos da, so dass die meisten sagten: »Er ist tot!« 27 Aber Jesus nahm seine Hand und half ihm aufzustehen. Markus 9,14-27 

Liebe Gemeinde und alle, die zuhören!

Diese Jesus-Geschichte beginnt mit einem handfesten Streit:

 14 Bei ihrer Rückkehr fanden sie die anderen Jünger zusammen mit einigen Schriftgelehrten mitten in einer großen Volksmenge. Die Schriftgelehrten hatten die Jünger in ein Streitgespräch verwickelt. 15 Sobald die Leute Jesus sahen, liefen sie ihm aufgeregt entgegen und begrüßten ihn. 16 »Worüber streitet ihr euch mit meinen Jüngern?«, fragte er sie.

Die Jünger streiten mit den Schriftgelehrten. Worüber streiten sie? Sie streiten darüber, ob diese nicht studierten Jünger zu Recht diesen kranken Jungen heilen dürfen. Die Schriftgelehrten sehen sich außerstande, selber zu helfen. Aber diesen einfachen, ungebildeten Jüngern steht es einfach nicht zu, zu heilen. Dass der Heilungsversuch erfolglos abgebrochen wurde, lässt den Streit zwischen Jüngern und Schriftgelehrten handfest werden. Sie werden handgreiflich. Die Leute sehen das, sehen Jesus kommen, laufen ihm aufgeregt entgegen. Was wird Jesus machen? 16 »Worüber streitet ihr euch mit meinen Jüngern?«, fragte er sie.

Aus der Menschenmenge antwortet einer, der dann die Hauptrolle spielen wird:  Der  Vater eines tauben, stummen und von einem bösen Geist beherrschten Kindes.

. 17 Einer aus der Menge antwortete: »Lehrer, ich habe meinen Sohn hergebracht, damit du ihn heilst. Er kann nicht sprechen, weil er von einem bösen Geist beherrscht wird.[1] 18 Wenn dieser Geist Gewalt über ihn gewinnt, wirft er ihn zu Boden. Dann tritt dem Jungen Schaum vor den Mund, er knirscht mit den Zähnen, und sein Körper wird ganz starr. Ich habe schon deine Jünger gebeten, den bösen Geist auszutreiben, aber sie waren machtlos.«

Was wohl gerade den Leuten durch den Kopf geht? Die einen waren sicher schlichtweg neugierig. Wie bei einem Unfall kommen die Schaulustigen dahergelaufen. Sicher waren einige so richtig schadenfroh: Da haben sich welche ausprobiert und sind kläglich gescheitert. Andere waren voreingenommen und arrogant: So verhält man sich nicht! So steht es nirgends in der Schrift!

Die Jünger selber sind wohl noch beschäftigt, ihr Versagen zu verarbeiten. Sie wollten helfen, konnten es nicht. Sie haben kläglich versagt.

Sie alle, Menschenmenge, neugierige Zuhörer, schadenfrohe Schriftgelehrte und beschämte Jünger, wird Jesus wohl gemeint haben, als er dann spontan ausruft:

 19 Da rief Jesus: »Was seid ihr nur für eine ungläubige Generation! Wie lange soll ich noch bei euch sein und euch ertragen?

Ehrlich gesagt, geht es mir manchmal genauso:  Ich würde so gerne helfen und kann es nicht. Ich würde so gerne Menschen erreichen, ihnen  Mut zusprechen. Aber die Gottesdienste ist geschlossen, schlimmer noch, so machen Ohren und Herzen sind verschlossen. Mehr noch: Plötzlich sehe ich mich womöglich Hass und Wut gegenüber.  Alles ist so verwirrend und kompliziert. Bis Jesus das sagt, was naheliegt:

Bringt den Jungen her zu mir!«

Bringen wir unsere Mitmenschen, die uns lieb und wert sind, zu diesem Jesus?

Bringen wir unsere Sorgen und Nöte zu diesem Jesus?

Unsere Nöte und unsere Verzweiflung wegen der Pandemie? Zu Jesus?

20 Sie brachten ihn, und sobald der böse Geist Jesus erblickte, zerrte er den Jungen hin und her. Der stürzte zu Boden, wälzte sich umher, und der Schaum stand ihm vor dem Mund. 21 »

Damals dachten die Menschen allgemein: Dieser Junge ist von einem bösen Geist ergriffen. Heute wissen wir: Das sind wohl epileptische Anfälle. Aber die Not ist dieselbe. Und die Menschenmenge dieselbe.

Heute wie damals wird gegafft: Neugier, Schaulust, am besten mit dem Handy aufnehmen und auf Facebook laden. So versucht man sich heute die Not des anderen vom Hals zu halten, auf Distanz zu halten.

Und wenn andere helfen, werden entweder die Helfer und Rettungssanitäter blöd angeredet, oder sie stehen im Weg herum und gaffen. Heute wie damals genauso.

Und heute wie damals wird es Menschen in dieser Menge geben, die hilflos dastehen, entsetzt über das, was gerade vor ihren Augen geschieht: Da wälzt sich ein Kind im Staub, mit Zuckungen, die Zunge sich zerbeißend und keiner hilft!

Und wir spüren als Zuschauer unsere eigene Hilflosigkeit. Hilft denn keiner? Vorhin hatten es diese Jünger versucht. Alle Achtung, dass sie sich das getraut haben. Sind aber kläglich gescheitert, wie auch sie selber kläglich gescheitert wären. Zum Glück haben wir uns herausgehalten. Und was ist jetzt mit diesem Jesus?

21 »Wie lange leidet er schon darunter?«, fragte Jesus den Vater.

Ah, ein Arzt oder Heiler. Vielleicht kann er wirklich helfen?

 Der Vater antwortet: »Von Kindheit an. 22 Schon oft hat ihn der böse Geist in ein Feuer oder ins Wasser geworfen, um ihn umzubringen. Hab doch Mitleid mit uns! Hilf uns, wenn du kannst!«

Wieder eine wilde Mischung in der Menschenmenge: Mitleid, ja das gibt es, dazu sind wir Menschen fähig. Wir Menschen können mit einem anderen Menschen echtes Mitleid haben, nicht oben heraus, sondern auf Augenhöhe. Wir sehen es, wie achtsam wir während der Corona-Virus- Epidemie miteinander umgehen Wir sehen, wozu Menschen zum Guten fähig sind, auf einander zu achten, für den Nachbarn einzukaufen usw.

Aber auch schaulustig, skeptische und neugierige Menschen, auch das sind wir. Heute wie damals. Und fragen uns unwillkürlich: Kann der wirklich was?

23 »Wenn ich kann?«, fragte Jesus zurück. »Alles ist möglich, wenn du mir vertraust.«

Wie denken wir „Otto Normalverbraucher“ über diesen Satz? Wie denken wir Menschen, die mitten im Leben ihren Mann bzw. ihr Frau stehen: „Ich glaube nur, was ich sehe!“  Ich habe es nicht so mit solchen Sprüchen. Alles ist möglich, Toyota!  Klar. Aber alles ist möglich, wenn du mir vertraust! Eher nicht!

Was ist das überhaupt für einer, der einen solchen Spruch raushaut. Nimmt er damit nicht wie seine Jünger den Mund etwas zu voll?

24 Verzweifelt rief der Mann: »Ich vertraue dir ja – hilf mir doch, meinen Unglauben zu überwinden!«

Es ist für uns Menschen, die bloß zuschauen und zuhören, einfach spannend. Egal wie wir zur Sache stehen, dieser Moment ist spannend. Da hört jeder hin.

Die Schriftgelehrten, immer bereit den Glauben gegen den Unglauben zu verteidigen.

Die Jünger, genauso hin und hergerissen wie dieser Vater. Sie spüren ja ihren eigenen Unglauben, ihr nicht  mehr glauben können, in sich.

Und die Leute, die als distanzierte Zuhörer zuhören, kriegen solche Ohren : »Ich vertraue dir ja – hilf mir doch, meinen Unglauben zu überwinden!« Sie spüren, das schreit ein Mensch in Existenznot. Dem steht das Wasser bis zum Hals. Neugierig laufen immer mehr Leute zusammen.

 25 Als Jesus sah, dass immer mehr Leute zusammenliefen, bedrohte er den bösen Geist: »Du stummer und tauber Geist, ich befehle dir: Verlass diesen Jungen und kehre nie wieder zu ihm zurück!« 26 Da stieß der Dämon einen Schrei aus, zerrte den Jungen heftig hin und her und verließ ihn. Der Junge lag regungslos da, so dass die meisten sagten: »Er ist tot!«

Die erste Reaktion aus der Volksmenge ist: „Er ist tot!“. Jesu befiehlt dem bösen Geist, aus dem Jungen auszufahren. Ein Schrei, der Junge zuckt hin und her und liegt dann regungslos da. Jesus heilt erfolgreich diesen Jungen, ganz gleich  ob man jetzt eine Geisteraustreibung wie damals die Menschenmenge sich vorstellte oder einen Jungen, der einen epileptischen Anfall bekommt, wie wir Menschen es uns heute vorstellen. Jesus heilt den Jungen erfolgreich, – aber die erste Reaktion aus der Menschenmenge heraus, ist: »Er ist tot!«

Wenn eingefahrene Verhaltungsweisen aufhören, wie Herumzappeln und Herumzucken, ist das für die einen erst Recht der Beweis, dass alles vergeblich war. „Siehste, alles für die Katz!“ Oder es hat zum schlimmsten Fall geführt: „Der Junge ist tot!“

Aber das gehört mit zur Heilung dazu, dass eingefahrene Verwaltungsweisen aufhören. Menschen hören auf, sich so zu verhalten wie die anderen es gewohnt waren. Sie liegen da, unbeweglich, wie tot.

Sind aber nicht tot.

 27 Aber Jesus nahm seine Hand und half ihm aufzustehen.

Wir sind immer noch Zuschauer und Zuhörer dieser Szene. Wir sehen und hören: Da nimmt Jesus die Hand des Jungen und richtet ihn auf.

Wenn wir das in unseren Gemeinden miterleben, dürfen wir uns ehrlich freuen:

Gott ergreift jemanden sanft an seiner Hand und richtet ihn auf. Da ist ein Mensch, der sich aufrichten darf, sein Leben  wieder selber leben darf.

Auch ich darf dieser Mensch sein, den Gott sanft an der Hand nimmt und den er aufrichtet.

Ich darf das hören und zugebener Zeit, wenn ich am Boden liege, darf ich das glauben: Da ist jemand, der auch mich aufrichtet, der mich bei meiner Hand hält. Jemand, in dessen Hand ich unendlich geborgen bin, ganz gleich was geschieht.

Liebe Gemeindeglieder und alle, die zuhören, wir befinden uns ja gerade in einer Zeit, in der wir es tunlichst meiden sollen, einander an der Hand zu ergreifen und einander zu berühren. Nehmen wir es momentan auf Distanz schon wahr: Einander berühren, heilt. Sich dem anderen zuwenden, berührt. Die Hand des anderen richtet auf. Ich wünsche uns in unserer Gemeinde viele solche berührender Gottesdienste, in denen wir zuschauen und uns mitfreuen können, wenn Menschen  von Gott oder von Jesus berührt und aufgerichtet werdet. Bis zu den nächsten Gottesdiensten und Konfirmationsfeiern behüte Gott auch Euch. In seiner Hand seid Ihr, sind wir alle geborgen. Amen.

Onlinepredigt Mk 9,14-27 Aus der Sicht des Vaters

  1. Die Jesus-Geschichte aus der Sicht von Euch Eltern, Großeltern und Verwandten  (Vater/Mutter – Familie)

14 Bei ihrer Rückkehr fanden sie die anderen Jünger zusammen mit einigen Schriftgelehrten mitten in einer großen Volksmenge. Die Schriftgelehrten hatten die Jünger in ein Streitgespräch verwickelt. 15 Sobald die Leute Jesus sahen, liefen sie ihm aufgeregt entgegen und begrüßten ihn. 16 »Worüber streitet ihr euch mit meinen Jüngern?«, fragte er sie. 17 Einer aus der Menge antwortete: »Lehrer, ich habe meinen Sohn hergebracht, damit du ihn heilst. Er kann nicht sprechen, weil er von einem bösen Geist beherrscht wird.[1] 18 Wenn dieser Geist Gewalt über ihn gewinnt, wirft er ihn zu Boden. Dann tritt dem Jungen Schaum vor den Mund, er knirscht mit den Zähnen, und sein Körper wird ganz starr. Ich habe schon deine Jünger gebeten, den bösen Geist auszutreiben, aber sie waren machtlos.« 19 Da rief Jesus: »Was seid ihr nur für eine ungläubige Generation! Wie lange soll ich noch bei euch sein und euch ertragen? Bringt den Jungen her zu mir!« 20 Sie brachten ihn, und sobald der böse Geist Jesus erblickte, zerrte er den Jungen hin und her. Der stürzte zu Boden, wälzte sich umher, und der Schaum stand ihm vor dem Mund. 21 »Wie lange leidet er schon darunter?«, fragte Jesus den Vater. Der antwortete: »Von Kindheit an. 22 Schon oft hat ihn der böse Geist in ein Feuer oder ins Wasser geworfen, um ihn umzubringen. Hab doch Mitleid mit uns! Hilf uns, wenn du kannst!« 23 »Wenn ich kann?«, fragte Jesus zurück. »Alles ist möglich, wenn du mir vertraust.« 24 Verzweifelt rief der Mann: »Ich vertraue dir ja – hilf mir doch, meinen Unglauben zu überwinden!« 25 Als Jesus sah, dass immer mehr Leute zusammenliefen, bedrohte er den bösen Geist: »Du stummer und tauber Geist, ich befehle dir: Verlass diesen Jungen und kehre nie wieder zu ihm zurück!« 26 Da stieß der Dämon einen Schrei aus, zerrte den Jungen heftig hin und her und verließ ihn. Der Junge lag regungslos da, so dass die meisten sagten: »Er ist tot!« 27 Aber Jesus nahm seine Hand und half ihm aufzustehen. Markus 9,14-27 

Liebe Eltern und Familien!

Versetzen wir uns in die Situation dieses Vaters. Immer wenn er seinen Sohn anschaut, muss er den schweren Gedanken denken: „Mein Sohn ist von einem bösen Geist besessen“. So dachte er damals mit allen anderen:  Heute wissen wir: Der Junge ist stumm und taub und hat epileptische Anfälle – von Kindheit an. Schlimm genug. Mein Junge kann nicht reden. Mein Junge kann nicht hören. Und er bekommt Anfälle. Noch schlimmer der Gedanke: Ein böser Geist hat mein Kind ergriffen! Von allen guten Geistern verlassen. Hopfen und Malz verloren. Böses Kind? Es ist doch mein Kind, mein Sohn? Ich habe ihn als kleines Kind gewaschen, die Windeln gewechselt. (Mutter). Hilflos und auch ein klein wenig verärgert über das eigene Kind: Es ist nicht so, wie ich es haben möchte. Nicht brav und angepaßt, fällt immer wieder unangenehm auf. Ist es vielleicht böse?

Ich als Vater verspüre auch einen enormen Ärger über diese Jünger, die versagen: Sie können nichts. Sie machen nichts. Stehen nur hilflos da und tun nichts!

Wie lange leidet er schon darunter?«, fragt Jesus den Vater. Ich antwortete an seiner Stelle: »Von Kindheit an“

Hört sich wie ein Arzt an wie der redet und fragt. Kann der was? Ist der so etwas wie ein Arzt oder wenigstens ein Heiler? Wenn es helfen würde, würde ich auch zum Homöopathen rennen, auch wenn es noch so fragwürdig ist. Aber Quacksalber geht gar nicht!  Ich bin hin- und hergerissen.in

Aber dann schildert der Vater, was er seit Kindheit seines Kindes erleben musste:  Hilflos musste er immer wieder mitansehen, wie das eigene Kind sich ins Feuer wirft oder ins Wasser. Jedes Mal lebensgefährlich für das eigene Kind.

„Hab doch Mitleid mit uns! Hilf uns, wenn du kannst!« 23 

Hier bittet ein verzweifelter Vater, hier betet im Hintergrund eine verzweifelte Mutter: Hilf uns! Stellvertretend für das eigene Kind, aber auch aus einer eigenen Notsituation heraus. Seit seiner Kindheit geht das so. Wir können nicht mehr! Wir halten das nicht mehr aus!   Hilf uns! Wir können unserem Kind nicht helfen. Hilf uns, wir sind ohnmächtig, fühlen uns völlig überfordert und hilflos.

 „Hilf uns, wenn du kannst!« 23 

Ich bin in der Rolle des Vaters ganz verblüfft und verärgert über das, was ich dann von diesem Jesus mir anhören muss:

23 »Wenn ich kann?«, fragt Jesus zurück. »Alles ist möglich, wenn du mir vertraust.« Ich bin mir ehrlich gesagt nicht sicher, ob du wirklich etwas kannst, ob du wirklich unserem Kind helfen kannst. Ehrlich gesagt, stecken in mir tausend Vorbehalte und Zweifel. Deine Jünger haben versagt. Wie wahrscheinlich ist es, dass der Meister dieser Versager nicht auch versagt!

Phrase, Phrasen dreschen! Alles ist möglich!

Abspeisen, wie soll ich dem vertrauen? wie soll ich dir vertrauen?

Schlüpfen wir aus der Rolle des Vaters. Und ich frage Euch Erwachsene: Seid ihr Eltern nicht auch hier und da mit Phrasen abgespeist worden?

„Alles ist möglich. Musst halt mehr Gottvertrauen haben, dann geschieht ein Wunder und wenn es nicht eintritt, das Wunder, dann bist du schuld: Du hast nicht genug gebetet, nicht genug geglaubt! Da war noch ein sündiger Gedanke in dir, der es Gott unmöglich gemacht hat, dir zu helfen.“

Nein, so ein Quatsch! Und so wird es Jesus nicht gemeint haben. So hat Jesus es nicht gemeint: Alles ist möglich, wenn du mir vertraust!

Wie könnte er es gemeint haben?

Vielleicht so: Alles ist möglich, wenn du mir vertraust, wofür ich mit Worten und Taten mein Leben lang eingestanden bin: Vertraue dem Gott, von dem ich die ganze Zeit erzählt habe. Vertraue diesem Gott. Gott ist gut den Gesunden und den Kranken. Gott ist gut den Gerechten und den Ungerechten. Gott den Menschen gut, ob sie es verdient haben oder nicht. Gott ist gut. Vertraue ihm. Vertraue dir selbst, wenn du tief in dich hinhörst: Vielleicht hörst du die Stimme Gottes, die dir sagt: Du bist mir gut genug! Du sollst leben. Dein Kind auch. Ich möchte, dass alle Menschen leben kann! Ich möchte, dass dein Leben, das Leben deines Kindes und das Leben aller anderen Menschen gelingt.

Ich bin für das Leben! Vertraue mir!

So verstehe ich den Satz Jesu: „Alles ist möglich, wenn du mir vertraust.“:

Im Leben ist alles möglich, wenn du dem Gott des Lebens vertraust. Es wird zwar nicht alles so in Erfüllung gehen, so wie du es dir gerade vorstellst. Aber das Leben geht seinen Weg. Gott will Leben!

Ich höre das als Vater dreier erwachsener Kinder. Ich will das glauben. Das Leben geht nicht unter. Trotz Corona-Virus-Pandemie. Das Leben geht weiter, auch wenn das eine oder andere im Leben meiner Kinder anders läuft, als ich und sie es sich vielleicht wünschen. Das Leben geht weiter, auch wenn nicht alle Wünsche und Träume meiner Kinder in Erfüllung gehen. Und so viele Wünsche und Träume meiner Kinder sind in Erfüllung gegangen: Sie haben eine gute Ausbildung, sie sind motiviert und am Leben interessiert. Vor so mancher Todesgefahr sind sie schon bewahrt worden. Gott sei Dank!

Natürlich höre als Vater dreier erwachsener Kinder auch die sorgenvolle Einwände anderer Mütter und Väter. Natürlich sehe ich manches aus privilegierter Sicht. Wenn meine Kinder in einem der Zelte auf Lesbos von geflüchteten Familien ihr Leben fristen müssen, sähe es schon ganz anders aus. Ja, meine Kinder haben keine Leukämie, sie sind gesund, sie haben keinen Corona-Virus in sich, hoffentlich. Klar, das Leben ist manchmal abgrundtief. Es gibt wahre Abgründe, die sich vor Menschen auftun. Meine Kinder hatten eine schöne behütete Kindheit, sie waren erträgliche Jugendliche und sind alle drei ihren Weg gegangen und gehen ihn weiter. Andere Kinder haben vielleicht eine grausame Kindheit, sie hatten unerträgliche Eltern, oder keine Eltern und sind auf einen falschen Weg geraten, gehen ihn, obwohl er sie vom Leben abbringt: Saufen, Drogen, ein Abdriften ins Rechtsextreme.

Ich weiß aus eigener Erfahrung: „Alles ist möglich, wenn du mir vertraust.“ Ist nicht so einfach, wie es klingt. Das Leben ist nicht so einfach. Das Leben ist manchmal ein Kampf. „Kleine Kinder, kleine Sorgen, große Kinder große Sorgen.“ Und die Sorge eines Vaters oder einer Mutter bleibt immer: Was wird aus meinen Kindern? Werden sie mich überleben? Das Schlimmste, was einem als Eltern passieren kann, ist doch, wenn Kinder vor einem selber gehen müssen, wie auch immer, warum auch immer. Es ist einfach eine schlimme Erfahrung, die Eltern durchmachen müssen.

Darum kann ich den wilden Ausbruch des Vaters in der Jesus-Geschichte nur zu gut verstehen: Ich vertraue dir ja – hilf mir doch, meinen Unglauben zu überwinden!« Ja, dieser Satz ist nicht dahingemurmelt, sondern ein Schrei: „Ich will dir ja vertrauen, hilf mir doch, meinen Unglauben zu überwinden!«

Glaube und Unglaube, Vertraue und tiefes Misstrauen, der berühmte letzte Strohhalm, an dem man sich klammert und gleichzeitig die Verzweiflung, man weiß doch, dass ein Strohhalm ein Strohhalm ist.

Der Vater befindet sich in einem regelrechten Glaubensdilemma: „Ich würde ja so gern glauben, aber ich kann nicht! Hilf mir!“

Ich verstehe diesen Mann nur zu gut. Es gibt immer wieder Dinge im Leben, bei denen ich mich selber sehr, sehr hilflos gefühlt habe. Als mein Vater letztes Jahr gestorben ist, fühlte ich mich hilflos. Der Tod meines Langenfelder Kollegens im Dezember machte mich ebenfalls sprachlos. Es gab auch sonst im letzten Jahr so manche Erlebnisse, die ich eigentlich niemanden wünschen würde: Konflikte auf der Arbeit etwa. Sie kennen es vielleicht aus dem eigenen Arbeitsleben. Auf einmal ist die Stelle nicht mehr sicher.

Und jetzt ganz aktuell: die  Corona-Virus -Krise. Sie legt für Monate das gesamte gesellschaftliche Leben lahm, auch das gottesdienstliche Leben. Ich hätte mir nie als Pfarrer träumen lassen, dass ich eine Konfirmation ausfallen lassen muss. Ich hatte anfangs gedacht, das geht schon, eine andere, sicherere Abendmahlspraxis, wir machen halt unsere Gottesdienste vor Corona sicher. Aber schon Konfirmandeneltern haben mich darauf gebracht, das geht so nicht. Später kam dann das allgemeine Gottesdienstverbot von Staat und Kirche dazu. Und da hat sich die Frage ganz von selbst erledigt. Nicht einmal der Karfreitagsgottesdienst und die Ostergottesdienste (einschließlich Osternacht, auf die ich mich so gefreut hatte) wird es geben, alles fällt aus. Ersatzlos. Konfirmation vielleicht im September oder gleich nächstes Jahr. Ist alles noch offen, vage.

Ich weiß nicht, wann die Konfirmation Ihrer Kinder sein wird. Hundertprozentig sicher ist gar nichts in dieser Zeit. Mein Thema für die Konfirmation heute am Palmsonntag wäre die Jahreslosung gewesen: „Ich glaube, hilf meinem Unglauben“ (Mk 9,24). Sie   i s t   zum Thema des heutigen Palmsonntages geworden, auch ohne Konfirmationsfeier.

Was möchte ich Ihnen als Eltern, als Vater und Mutter Ihrer Konfirmandin bzw Ihres Konfirmanden aus dieser Jesus-Geschichte heraus sagen?

1) Zunächst: Glaube ist in der heutigen Zeit ein ganz kostbares Pflänzlein, das gehegt und gepflegt werden muss. Sie müssen ihren eigenen Glauben hegen und pflegen und als Eltern haben sie auch den Glauben Ihrer Kinder gehegt und gepflegt.

Der Glaube unserer Zeit ist genauso schwach und hin – und hergerissen zwischen Glaube und Unglaube wie in der biblischen Geschichte. Natürlich spielen Aufklärung und Naturwissenschaft eine wichtige Rolle in der Entfremdung vom traditionellen Glauben. Die Beschäftigung mit Vernunft  und Glaube ist für den Glauben für uns Erwachsene nur heilsam, wenn er nicht im Kinderglauben erstarren will. Wir Christen und Christinnen leben heute einen eigenverantwortlich gelebten Glauben. Kein Papst, kein Pfarrer kann Ihnen heute vorschreiben, wie und was Sie zu glauben haben. Und das ist gut so.  Es ist heutzutage nicht mehr so einfach, an einen Schöpfergott zu glauben, schon gar nicht, dass dieser Gott die Welt in sieben Tagen geschaffen hat. Nimmt man diesen Mythos wörtlich, wird es unglaubwürdig. In der Jesus-Geschichte ist von einem bösen Geist die Rede. Damals war klar: Der Sohn ist von einem bösen Geist besessen. Heute wissen wir: Der Junge ist stumm und taub und hat epileptische Anfälle – von Kindheit an. Wir leben heute in keiner böse-Geisterwelt. Das sagt uns unser Glaube und Verstand.

2) Dann möchte ich Ihnen und uns als modernen Menschen Mut machen. Die Jesus-Geschichte von dem Vater, der hin- und hergerissen ist zwischen seinem Glauben und seinem Unglauben, empfinde ich als eine Geschichte, die Mut macht. Als der Vater den Satz herausschreit: „Ich glaube, hilf meinem Unglauben“, verurteilt Jesus ihn  nicht für seinen Unglauben. Der Vater tritt für sein Kind ein, glaubt stellvertretend für ihn und ermöglicht dadurch die Heilung seines Sohnes.

Die biblische Geschichte vom Vater, der sich für sein Kind einsetzt, ist eine Geschichte, in der Glaube stellvertretend geglaubt wird. Auch wir können als vorangehende Generation stellvertretend für unsere Kinder und Kindeskinder glauben. Wir können unser Glaubenspotential und auch das bisschen, was von unserem Glauben übrig geblieben ist, stellvertretend für unsere Kinder und nachfolgende Generationen einsetzen. Es wird nie der traditionelle Glaube unserer Väter und unserer Mütter sein, den wir weitergeben, sondern immer der eigene Glaube, geformt und geprägt von den Fragen, Zweifeln, aber auch Hoffnungen  unserer Zeit. Und es gibt keinen Glauben, für den wir uns schämen müssten.

Jesus zeigt damit: Wir dürfen zu Gott auch mit unserem Unglauben kommen. So kann sogar der Unglaube eine Kraftquelle sein, die uns Kraft gibt,  und uns zu Gott hintreibt, wenn wir nicht mehr aus und ein wissen. Das Glaubensdilemma ist auf einmal gar nicht so schlimm: Wenn wir genug Kraft zum Glauben haben, ist es gut. Und auch wenn wir nur noch Unglauben in uns vorfinden oder zwischen Glaube und Unglaube hin- und hergerissen werden, ist Gott da und trägt uns. „Ich glaube; hilf meinem Unglauben.“

3) Bei den Jüngern von Jesus hatte der Vater bereits vergeblich um Hilfe gebeten. Jetzt bittet er Jesus selbst.

Sie werden als Väter und Mütter vielleicht eine ähnliche Erfahrung gemacht haben: Die Jünger versagen. Die Kirche versagt. Auch in einer Kirchengemeinde menschelt es manchmal gehörig. Und auch Pfarrer sind alles andere als moralisch integre Persönlichkeiten. Ich nehme mich da nicht davon aus. Es gehört zu den Grunderfahrungen der Christenheit, dass Kirche immer wieder mal versagt. Unter der Nazidiktatur etwa, als vielen ihre gregorianischen Gesänge lieber waren als ein Eintreten für die Juden. Heute ist es vielleicht der Klimawandel, der die Zukunft unserer Kinder in Frage stellt. Auch Christen versagen. Die Missbrauchsberichte in katholischer, aber z.T. auch evangelischer Kirche spricht eine deutliche Sprache. Vom Auseinanderklaffen von Anspruch und Wirklichkeit im persönlichen Leben ganz zu schweigen. Da sind auch Sie und ich mit betroffen. Wer kann ehrlich von sich sagen, in völliger Übereinstimmung mit seinen Idealen zu leben…

Der Vater der Jesus-Geschichte hat das Versagen der Jünger leidvoll erlebt. Sie konnten seinem Sohn nicht helfen. Er wendet sich jetzt nicht verzagt ab, sondern bittet Jesus selbst. Auch da braucht es einen schmerzhaften Lernprozess. Gott lässt sich nicht von uns vereinnahmen. Frei und souverän ist die Hilfe Gottes. Sie kann nicht eingeklagt werden. Aber Gott ist da. Gott ist auch da, wenn keine Heilung erfolgt. Wie auch immer Jesus macht Vater und Sohn Mut zum Leben. Aus dem Vater bricht sein letzter Glaube heraus, vermischt mit Unglaube und Zweifel. Jesus wendet sich von ihm nicht ab. Und das Kind des Vaters ergreift er sanft an der Hand und richtet es auf. In einer Zeit, in der wir es tunlichst meiden, einander an der Hand zu ergreifen und einander zu berühren, nehmen wir es momentan auf Distanz schon wahr: Einander berühren, heilt, sich dem anderen zuwenden, berührt, die Hand des anderen richtet auf.

 „Ich glaube; hilf meinem Unglauben.“  

Ich als Vater dreier Kinder, glaube dem, der sich dem Leben verschrieben hat. Ich vertraue dem Gott, der das Leben will. Ganz gleich, was dagegen sprechen mag, Gott tritt ein für das Leben. Und dieser Gott behüte unsere Kinder und unsere Familien. Dieser Gott eröffne ihnen und  uns selbst Wege zum Leben. Bis zur Konfirmation  Eurer Kinder und Jugendlichen behüte Euch Gott. In seiner Hand seid ihr, sind wir alle geborgen.

Onlinepredigt Mk 9,14-27 Aus der Sicht des Kindes

Onlinepredigt für Palmsonntag, 5.4.20 dem Tag der geplanten Konfirmation 

Text: Markus 9,14-27 

Die Predigt ist aufgeteilt in drei verschiedene Predigten:

  1. An Euch Konfirmanden und Konfirmandinnen,
  2. an die Konfirmandeneltern
  3. und an die Gemeinde allgemein
  1. Die Jesus-Geschichte aus der Sicht von Euch Konfirmanden und Konfirmandinnen  (Sohn, Tochter)

14 Bei ihrer Rückkehr fanden sie die anderen Jünger zusammen mit einigen Schriftgelehrten mitten in einer großen Volksmenge. Die Schriftgelehrten hatten die Jünger in ein Streitgespräch verwickelt. 15 Sobald die Leute Jesus sahen, liefen sie ihm aufgeregt entgegen und begrüßten ihn. 16 »Worüber streitet ihr euch mit meinen Jüngern?«, fragte er sie. 17 Einer aus der Menge antwortete: »Lehrer, ich habe meinen Sohn hergebracht, damit du ihn heilst. Er kann nicht sprechen, weil er von einem bösen Geist beherrscht wird.[1] 18 Wenn dieser Geist Gewalt über ihn gewinnt, wirft er ihn zu Boden. Dann tritt dem Jungen Schaum vor den Mund, er knirscht mit den Zähnen, und sein Körper wird ganz starr. Ich habe schon deine Jünger gebeten, den bösen Geist auszutreiben, aber sie waren machtlos.« 19 Da rief Jesus: »Was seid ihr nur für eine ungläubige Generation! Wie lange soll ich noch bei euch sein und euch ertragen? Bringt den Jungen her zu mir!« 20 Sie brachten ihn, und sobald der böse Geist Jesus erblickte, zerrte er den Jungen hin und her. Der stürzte zu Boden, wälzte sich umher, und der Schaum stand ihm vor dem Mund. 21 »Wie lange leidet er schon darunter?«, fragte Jesus den Vater. Der antwortete: »Von Kindheit an. 22 Schon oft hat ihn der böse Geist in ein Feuer oder ins Wasser geworfen, um ihn umzubringen. Hab doch Mitleid mit uns! Hilf uns, wenn du kannst!« 23 »Wenn ich kann?«, fragte Jesus zurück. »Alles ist möglich, wenn du mir vertraust.« 24 Verzweifelt rief der Mann: »Ich vertraue dir ja – hilf mir doch, meinen Unglauben zu überwinden!« 25 Als Jesus sah, dass immer mehr Leute zusammenliefen, bedrohte er den bösen Geist: »Du stummer und tauber Geist, ich befehle dir: Verlass diesen Jungen und kehre nie wieder zu ihm zurück!« 26 Da stieß der Dämon einen Schrei aus, zerrte den Jungen heftig hin und her und verließ ihn. Der Junge lag regungslos da, so dass die meisten sagten: »Er ist tot!« 27 Aber Jesus nahm seine Hand und half ihm aufzustehen. Markus 9,14-27 

Liebe Konfirmanden und Konfirmandinnen, liebe Jugendlichen,

versetzt euch mal in die Situation des Jungen aus der biblischen Geschichte, die ihr gerade gehört habt.

Ich spüre, wie hilflos, wie ohnmächtig sich meine Eltern fühlen. Sie würden mir so gerne helfen, können es aber nicht. Ich bin von einem bösen Geist besessen. So denken mein Vater und meine Mutter über mich. Nicht nur die, die ganze Dorfgemeinschaft denkt so über mich. Und ich fühle und denke es genauso: Ich kann nicht reden, ich kann mich nicht verständlich machen. Wenn ich versuche, kommt nur unverständliches Gemurmel aus meinem Mund. Ich kann nichts hören. Ich sehe nur die Münder, wie sie sich bewegen, aber ich verstehe nichts. Am schlimmsten sind meine Anfälle. Seit ich ein kleines Kind war, hat es mich plötzlich gepackt, ins Feuer geworfen, ins Wasser. Ich zucke dann am ganzen Körper. Ich wälze mich hin und her bis es aufhört. Für mich ist es wirklich so was wie ein böser Geist, der mich befällt. Und niemand kann mir helfen.

Ich war echt dankbar, als mich mein Vater zu den Kumpels dieses Typen geschleppt hat. Dieser Typ muss was Besonderes sein, aber war erst noch nicht greifbar, Aber seine Kumpels waren da und bereit, etwas zu tun. Und dann das! Diese Versager! Diese Nieten. Erst großspurig daherreden, erst Sprüche klopfen, dann nichts dahinter! So jämmerlich wie die hat mich noch keiner angeschaut! Ich war echt sauer! Ich hätte heulen können!

Da packt mich mein Vater und schleppt mich direkt zu diesen Typen. Mein letzter Strohhalm, dachte ich widerstrebend, war aber einverstanden.

Und dann fragt dieser Typ meinen Vater irgendwas. Ich kann ihn ja nicht hören, aber ich kann mir es vorstellen, was er ihn gefragt hat. Mein Vater jedenfalls erzählt ihm meine ganze Krankheitsgeschichte. Ich habe sie oft genug ihm von den Lippen abgelesen. Wie oft hat er das schon anderen Leuten erzählt, aber keiner konnte mir helfen. Auch die Kumpels von diesem Typen nicht. Ich kenne ja nicht mal seinen Namen, er hat sich mir ja nicht vorgestellt. Vielleicht ist er ein Arzt oder ein Heiler. Hoffentlich zockt er meinen Vater nicht ab! Mein Vater redet auf ihn ein, redet und redet. Ich kann nicht alles verstehen, nur die Lippen ablesen, er redet so schnell, dass ich nicht alles mitkomme. Nur dass es ihm wichtig ist, dass dieser Typ sich um mich kümmert. Aber seinen letzten Satz kann ich deutlich von seinen Lippen ablesen: Er scheint ihn zu schreien:

„Hab doch Mitleid mit uns! Hilf uns, wenn du kannst!«

Ich bin ein wenig verblüfft, dass er von uns redet. Aber dann verstehe ich: Mein Vater ist genauso verzweifelt   wie ich, mit mir leidet die ganze Familie.  Es rührt mich, ich bin nicht allein. „Hilf uns,“ ich bin mitgemeint, aber auch mein Vater und meine ganze Familie. „Hilf uns, wenn du kannst!“

Ich spüre, wie verzweifelt mein Vater ist, nicht nur wegen der letzten Stunden, als sich die Kumpels dieses Typen um mich vergeblich gemüht haben. Keiner konnte mir helfen, seit ich klein war. Wie wahrscheinlich ist es, dass ausgerechnet dieser Typ mir und uns helfen kann?

Ich spüre, wie verblüfft und verärgert mein Vater ist, als er von diesem Typen das sagen hört:

 »Wenn ich kann?«. »Alles ist möglich, wenn du mir vertraust.« Ich bin mir ehrlich gesagt nicht sicher, ob du wirklich etwas kannst, ob du wirklich unserem Kind helfen kannst. Ehrlich gesagt, stecken in mir tausend Vorbehalte und Zweifel. Deine Jünger haben versagt. Wie wahrscheinlich ist es, dass der Meister dieser Versager nicht auch versagt!

Jetzt kleben meine Augen an den Lippen dieses mir fremden Menschen.

»Alles ist möglich, wenn du mir vertraust.«

Das sagt er nicht zu mir gewandt, sondern zu meinem Vater. Ich sehe meinen Vater in seinen Grundfesten erschüttert. Er ist in seinem Gottvertrauen erschüttert. Wie soll er vertrauen? Mir geht es ja genauso. Wie soll ich diesem Typen vertrauen, wie soll alles möglich sein?

Ich spüre doch selber, dass mir in meinem Leben so vieles unmöglich ist: Ich kann nicht reden. Ich kann nicht hören. Ich habe meinen Körper nicht unter Kontrolle und liege auf einmal zuckend im Staub. Alles möglich?

 Aber ich spüre, dieses Vertrauen ins Leben ist so wichtig: Es geht vielleicht gar nicht darum, diesem mir wildfremden Typen zu vertrauen. Es geht vielleicht darum, mir selber mehr zuzutrauen und dem Leben selbst zuzutrauen, dass das Leben für mich so oder so weitergeht.

„Alles ist möglich, wenn du mir vertraust!“

Wie könnte er es gemeint haben?  Ich steige jetzt mal aus der Rolle des Kindes aus und spreche für mich als Manfred Lehnert: So verstehe ich diesen Satz Jesu:  „Alles ist möglich, wenn du mir vertraust, wofür  ich mit Worten und Taten mein Leben lang eingestanden bin“: Vertraue dem Gott, von dem Jesus die ganze Zeit erzählt hat. Vertraue diesem Gott, den Jesus uns vor Augen gemalt hat. Dieser Gott ist gut den Gesunden und den Kranken. Dieser Gott ist gut den Gerechten und den Ungerechten. Dieser Gott ist den Menschen gut, ob sie es verdient haben oder nicht. Gott ist gut. Vertraue ihm.

 Vertraue dir selbst, wenn du tief in dich hinhörst: Vielleicht hörst du die Stimme Gottes, die dir sagt: Du bist mir gut genug! Du darfst leben. Du als Mensch mit Deinen Einschränkungen und Behinderungen auch. Ich möchte, dass alle Menschen leben können! Ich möchte, dass dein Leben und das Leben aller anderen Menschen gelingt trotz aller Einschränkungen, die es im Leben so gibt.

„Ich bin für das Leben! Vertraue mir!“

So verstehe ich den Satz Jesu: „Alles ist möglich, wenn du mir vertraust.“:

Im Leben ist alles möglich, wenn du dem Gott des Lebens vertraust. Es wird zwar nicht alles so in Erfüllung gehen, so wie du es dir gerade vorstellst. Aber das Leben geht seinen Weg. Gott will Leben!

Ich höre das als  Kind und Jugendlicher. Beides war ja auch ich einmal, lange ist es her. Das Leben stand mir als Kind und Jugendlicher offen. Hier und da gab es erste Einschränkungen. Das Leben geht weiter, auch wenn mein eigenes Leben manchmal anders verlaufen ist, als ich es mir gewünscht und erträumt hatte. Meine Erfahrung ist: Das Leben geht weiter, auch wenn nicht alle meine Wünsche und Träume in Erfüllung gegangen sind.

Ich will das glauben. Das Leben geht nicht unter. Trotz weltweiter Corona-Virus-Pandemie. Das Leben geht weiter, auch wenn das eine oder andere in meinem Leben anders läuft, als ich es mir einst erträumt und gewünscht habe. Das Leben geht. Gott sei Dank!

Natürlich sehe ich manches aus privilegierter Sicht. Wenn meine Kinder in einem der Zelte auf Lesbos von geflüchteten Familien ihr Leben fristen müssen, sähe es schon ganz anders aus. Ja, meine Kinder haben keine Leukämie, sie sind gesund, sie haben keinen Corona-Virus in sich, hoffentlich. Klar, das Leben ist manchmal abgrundtief. Es gibt wahre Abgründe, die sich vor Menschen auftun. Meine Kinder hatten eine schöne behütete Kindheit, sie waren erträgliche Jugendliche und sind alle drei ihren Weg gegangen und gehen ihn weiter. Andere Kinder haben vielleicht eine grausame Kindheit, sie hatten unerträgliche Eltern, oder keine Eltern und sind auf einen falschen Weg geraten, gehen ihn, obwohl er sie vom Leben abbringt: Saufen, Drogen, ein Abdriften ins Rechtsextreme.

Ich weiß aus eigener Erfahrung: „Alles ist möglich, wenn du mir vertraust.“ Ist nicht so einfach, wie es klingt. Das Leben ist nicht so einfach. Das Leben ist manchmal ein Kampf. Auch ihr habt als junge Menschen so manche Kämpfe auszustehen.

Darum kann ich das innerliche Ringen, den innerlichen Kampf des Vaters in der Jesus-Geschichte nur zu gut verstehen: Ich vertraue dir ja – hilf mir doch, meinen Unglauben zu überwinden!« Ja, dieser Satz ist nicht dahingemurmelt, sondern ein Schrei: „Ich will dir ja vertrauen, hilf mir doch, meinen Unglauben zu überwinden!«

Glaube und Unglaube, Vertraue und tiefes Misstrauen, der berühmte letzte Strohhalm, an dem man sich klammert und gleichzeitig die Verzweiflung, man weiß doch, dass ein Strohhalm ein Strohhalm ist.

Der Vater befindet sich in einem regelrechten Glaubensdilemma: „Ich würde ja so gern glauben, aber ich kann nicht! Hilf mir!“

Ich verstehe diesen Mann nur zu gut. Es gibt immer wieder Dinge im Leben, bei denen ich mich selber sehr, sehr hilflos gefühlt habe. Als mein Vater letztes Jahr gestorben ist, fühlte ich mich hilflos. Der Tod meines Langenfelder Kollegens machte mich ebenfalls sprachlos. Es gab auch sonst im letzten Jahr so manche Erlebnisse, die ich eigentlich niemanden wünschen würde: Konflikte auf der Arbeit etwa.

Und jetzt ganz aktuell: die Corona-Virus -Krise. Sie legt für Monate das gesamte gesellschaftliche Leben lahm, auch das gottesdienstliche Leben. Ich hätte mir nie als Pfarrer träumen lassen, dass ich eine Konfirmation ausfallen lassen muss. Ich hatte anfangs gedacht, das geht schon, eine andere, sicherere Abendmahlspraxis mit Einzelkelchen, wir machen halt unsere Gottesdienste vor Corona sicher. Aber schon Eure Eltern haben mich darauf gebracht, das geht so nicht. Später kam dann das allgemeine Gottesdienstverbot von Staat und Kirche dazu. Und da hat sich die Frage ganz von selbst erledigt. Nicht einmal der Karfreitagsgottesdienst und die Ostergottesdienste (einschließlich Osternacht, auf die ich mich so gefreut hatte) wird es geben, alles fällt aus. Ersatzlos. Konfirmation vielleicht am 6. September oder gleich nächstes Jahr. Ist alles noch offen, vage.

Ich weiß nicht, wann Eure Konfirmation  sein wird. Hundertprozentig sicher ist gar nichts in dieser Zeit. Mein Thema für Eure Konfirmation heute am Palmsonntag wäre die Jahreslosung gewesen: „Ich glaube, hilf meinem Unglauben“ (Mk 9,24). Sie   i s t   zum Thema des heutigen Palmsonntages geworden, auch ohne Konfirmationsfeier.

Was möchte ich Euch Konfirmandinnen bzw. Euch Konfirmanden aus dieser Jesus-Geschichte heraus sagen?

1) Zunächst: Euer Glaube ist heute ein zartes Pflänzlein, das ihr hüten und pflegen müsst, wenn etwas Großes daraus werden soll. Ich habe euch als Konfirmandengruppe nicht als besonders an Glaubensthemen interessierte Gruppe erlebt. Wir hatten mal ganz ernsthaft mit einander gesprochen. Vielleicht erinnert Ihr Euch noch daran. Vielleicht lag es auch an meinem Konfirmandenunterricht. Ich habe immer wieder mal das Gefühl der Ohnmacht in mir gespürt: Was kann ich Euch sagen, was Euch wirklich interessiert?  Der christliche Glaube ist heutzutage nicht mehr der Brüller, ganz ehrlich. Früher hat man dagegen angekämpft, heute interessiert es die wenigsten.

Der Glaube in unserer Zeit ist genauso schwach und hin – und hergerissen zwischen Glaube und Unglaube wie in dieser biblischen Geschichte. Glaube und Unglaube sind heutzutage fast untrennbar miteinander verbunden, wie Geschwister. Natürlich spielen Aufklärung und Naturwissenschaft eine wichtige Rolle in der Entfremdung vom traditionellen Glauben. Für Deinen Glauben ist  die Auseinandersetzung mit Vernunft und Naturwissenschaft nur heilsam, wenn er nicht im Kinderglauben erstarren will. Wir Christen und Christinnen leben heute einen eigenverantwortlich gelebten Glauben. Kein Papst, kein Pfarrer kann Dir heute vorschreiben, wie und was Du zu glaubst. Und das ist gut so.  Es ist heutzutage nicht mehr so einfach, an einen Schöpfergott zu glauben, schon gar nicht, dass dieser Gott die Welt in sieben Tagen geschaffen hat. Nimmt man diesen Mythos wörtlich, wird es unglaubwürdig. In der Jesus-Geschichte ist von einem bösen Geist die Rede. Damals war klar: Der Sohn ist von einem bösen Geist besessen. Heute wissen wir: Der Junge ist stumm und taub und hat epileptische Anfälle – von Kindheit an. Wir leben heute in keiner böse-Geisterwelt. Das sagt uns unser Glaube und Verstand. Aber wir leben in einer sehr gefährdeten Welt und sind genauso hin- und gerissen wie der Junge damals. Keiner von uns hat sein Leben im Griff. Das zeigt uns die Corona-Virus-Epidemie. Und heute wie damals stellt sich die Grundfrage: Wem vertraue ich, wenn das Leben erschüttert ist? Was gibt mir Halt in solchen Zeiten?

2) Dann möchte ich Euch jungen Menschen Mut machen. Die Jesus-Geschichte von dem Vater, der hin- und hergerissen ist zwischen seinem Glauben und seinem Unglauben, empfinde ich als eine Geschichte, die Mut macht. Als der Vater den Satz herausschreit: „Ich glaube, hilf meinem Unglauben“, verurteilt Jesus ihn  nicht für seinen Unglauben.

Jesus zeigt damit: Du musst als junger Mensch im  Glauben nicht perfekt sein. Du darfst zu Gott auch mit Deinem Unglauben kommen. Wenn Du hin – und hergerissen bist, kann sogar der Unglaube eine Kraftquelle sein, die Dich  zu Gott hintreiben, wenn Du nicht mehr aus und ein weißt. Das Glaubensdilemma ist auf einmal gar nicht so schlimm: Wenn Du genug Kraft zum Glauben hast, ist es gut. Und auch wenn Du nur noch Unglauben in Dir vorfindest oder zwischen Glaube und Unglaube hin- und hergerissen wirst, ist Gott da und trägt Dich. „Ich glaube; hilf meinem Unglauben.“ Das glaube ich ganz fest: Gott lässt Loser nicht fallen. Darauf vertraue ich.

Noch einmal zurück zur biblischen Geschichte. Ich schlüpfe noch einmal in die Rolle des Kindes.

Ich habe die Verzweiflung meines Vaters gespürt, seine Ohnmacht und Hilflosigkeit. Und genauso verzweifelt, ohnmächtig und hilflos fühle ich mich als ein Kind, vom bösen Geist ergriffen. Ich habe mich nicht in der Hand.

Ich liege da und warte. Und als dieser Typ den bösen Geist in mir anfährt: „»Du stummer und tauber Geist, ich befehle dir: Verlass diesen Jungen und kehre nie wieder zu ihm zurück!« da stößt es tief in mir ein wilder Schrei aus, zerrt mich heftig hin und her bis ich regungslos daliege. „Der ist tot!“ höre ich, höre ich auf einmal. Ich höre wieder! Vielleicht kann ich auch wieder reden. Aber viel wichtiger ist mir etwas anderes. Dieser Typ nimmt mein Hand und hilft mir aufzustehen:

„27 Aber Jesus nahm seine Hand und half ihm aufzustehen.“

Er ergreift mich sanft an meiner Hand und richtet mich auf. Ich darf mich aufrichten, mein Leben wieder selber leben. Eigenverantwortlich mein Leben leben.

Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, wir befinden uns ja gerade in einer Zeit, in der wir es tunlichst meiden sollen, einander an der Hand zu ergreifen und einander zu berühren. Berühren verboten. Aber vielleicht freut Ihr Euch auf die Zeit nach der Krise, wo Ihr einander berühren könnt.  Einander berühren, heilt. Sich dem anderen zuwenden, berührt. Die Hand des anderen richtet auf. Ich wünsche Euch viele solche berührenden Momente in Eurem Leben, in dem Ihr von Gott oder von Jesus berührt und aufgerichtet werdet. Bis zu Eurer Konfirmation behüte Euch Gott. In seiner Hand seid Ihr, sind wir alle geborgen. Amen.

Gebet für den 6. Sonntag der Passionszeit (Palmsonntag)

Fürbitten

Gott, unser Vater,

eigentlich hätten wir heute am Palmsonntag den Tag unserer Konfirmation.

Wir hatten uns schon darauf gefreut

Und sind schon enttäuscht, dass unsere Konfirmation verschoben werden muss.

Wir bitten dich für uns Jugendlichen.

Wir sind ja immer noch auf dem Weg zu unserer Konfirmation.

Lass die Zeit bis zur Konfirmation uns zu einer ganz wertvollen Zeit werden.

Lass uns im Glauben wachsen.

Lass uns einen guten Weg finden.

Lass in dieser Zeit in unserem Leben Mitmenschlichkeit erfahren und weitergeben.

Stärke unser Gottvertrauen in diesen Zeiten.

Wir rufen zu dir:

Herr, erhöre uns.

Wir bitten dich für unsere Eltern.

Schaffe ihnen ein verständiges Herz,

damit sie uns als ihre eigenen Kinder ernstnehmen mit unseren Bedürfnissen

und uns vertrauen können.

Gib ihnen Geduld und Liebe,

die Eigenwilligkeiten von uns Kindern zu ertragen.

Und gib ihren Kraft und Zeit für sich selbst.

Wir rufen zu dir:

Herr, erhöre uns.

Wir bitten dich um Frieden und Verständigung in unseren Familien.

Wir sind in dieser Zeit der Ausgangssperre ganz auf uns als Familie zurückgeworfen.

Hilf, dass Eheleute und Familienglieder sich nicht gegenseitig verletzen

und einander fremd werden.

Wo Brüche und Enttäuschungen vorhanden sind, heile und verbinde.

Wir rufen zu dir:

Herr, erhöre uns.
Wir bitten dich für Großeltern und ältere Menschen,

die uns verbunden sind.

Behüte sie davor, sich mit dem Corona-Virus anzustecken.

Schenke uns eine liebevolle Gemeinschaft zwischen Jung und Alt auch auf Distanz

und eine gute Begleitung durch uns als Angehörige.

Wir rufen zu dir:

Herr, erhöre uns.

Wir bitten für Menschen,

die die Sprache des Glaubens verloren haben

und von dir nichts mehr erwarten können.

Dein Geist öffne ihre Herzen,

dass sie deinem Wort und deiner Liebe neu Glauben schenken.

Wir rufen zu dir:

Herr, erhöre uns.

Wir bitten dich für Menschen,

die an körperlichen Krankheiten leiden

oder durch seelische Wunden gezeichnet sind.

Heile, was heil werden muss und umhülle sie mit deiner Gnade.

Heile die Menschen, die durch Corona schwer erkrankt sind.

Wir rufen zu dir:

Herr, erhöre uns.

Dir Gott

Wollen wir vertrauen,

ganz gleich was kommt,

du bewahrst und behütest uns in diesen Zeiten.

Wir sind in Deiner Hand.

Du gehst mit uns durch diese Zeit

Heute, in diesen Tagen der Passion,

und jeden neuen Tag.

Amen.

Letztes Grußwort aus vergangenen Zeiten

Ein unerhörter Klang in meinen Ohren

Verhallt.

Ein missmutiger Ton in meinen Ohren

„Ich hätte die Leute nicht gegrüßt.“

Verstummt.

Ich höre nicht mehr hin

Auf üble Nachrede

Vergangener Zeiten

Ich habe nichts geraubt, gestohlen, mitgenommen.

Ich habe niemanden missbraucht und genötigt.

Wenn Ihr nichts Schlimmeres gegen mich vorzubringen habt, als

„Er hat die Leute nicht gegrüßt.“

  • Was zudem auch nicht stimmt –

Rate ich Euch, den Mund zu halten und zu schweigen.

Kann sein,

dass Euch beim Nachdenken einfällt,

was Euch mit mir an Guten widerfahren ist.

Ihr könnt Besseres für mich vorbringen.

Und wenn Euch nichts einfällt,

schweigt und haltet den Mund.

Angenommen

Es ist keine große Kunst,

den anderen anzunehmen,

wenn er meinen Wünschen und Erwartungen entspricht,

wenn er mir entgegenkommt und tut, was er tun soll.

 

Es ist eine viele größere Kunst,

den anderen anzunehmen,

wenn er sich so ganz anders verhält,

als ich es mir wünschen und ich es erwarten würde,

wenn er nur fordert und ich tun soll, was er meint.

Was tut ihr Großes, fragt Jesus,

wenn ihr nur die liebt, die euch sympathisch sind.

Was tut ihr Besonderes,

wenn ihr nur die annehmt, die sowieso annehmbar sind und liebenswert.

 

Ihr tut dann etwas Großes, sagt Jesus,

wenn ihr die liebt, die euch von vorneherein unsympathisch sind,

Ihr tut dann etwas Besonderes,

wenn ihr die annehmt so wie sie sind, die eigentlich unannehmbar  und eure Liebe nicht wert sind.

 

Und vielleicht ist es eigentlich gar nichts Besonderes, nichts Großartiges mehr,

die eigentlich unannehmbaren und nicht liebenswerten Mitmenschen anzunehmen wie sie sind,

sie  s e i n   zu lassen und zu lieben,

wenn wir uns klar eines machen:

Auch wir verhalten uns selber manchmal daneben.

Auch wir sind manchmal unmöglich im Verhalten gegenüber unseren Mitmenschen.

Auch wir sind deren Augen manchmal unannehmbar, unsympathisch, ihrer Liebe nicht wert.

Trotzdem sind wir von Gott

angenommen,

so unannehmbar wir eigentlich in seinen Augen sind.

Einmal völlig frei gedacht

Einmal völlig frei gedacht

Irgendwann

gibt es Gemeinden

ohne die Last von Friedhöfen und Kindergärten

ohne unnötige Gemeindehäuser

ohne überflüssig gewordene Kirchengebäude,

aber mit Menschen,

die miteinander Bibellesen, Jesus nachfolgen, christlich leben.

 

Einmal völlig frei gedacht

Irgendwann

Gibt es Kirchen

Ohne Gebäude,

Menschen lebendige Steine

Sechs Thesen im Blick auf die Kirchengemeinde vor Ort

  1. Es gibt Aufgabenbereiche, die gut und besser die Kommune übernehmen kann.
  2. Es gibt Gebäude im Kirchenbesitz, die letztlich Ballast sind.
  3. Es gibt kirchliche Strukturen, die von uns verändert werden können und sich so oder so auch verändern werden.
  4. Wir brauchen nicht mehr Verwaltung, sondern weniger Verwaltung.
  5. Wir sollten als Gemeinde die Menschen in den Blick bekommen, die wir heute nicht im Blick haben.
  6. Wir sollten endlich begreifen, dass jeder und jede von uns Kirche ist und nicht von anderen erwarten, was wir selber tun können.

20 Thesen zur kirchlichen Gegenwart 2017

  1. Kirche heute befindet sich in der Krise.
  2. Ein großer Teil der Mitglieder hat vom Glauben keine Ahnung.
  3. Volkskirche Ade.
  4. Kirche wird es schon noch geben, aber anders.
  5. Heute sind wir weitgehend Kirche für Insider.
  6. Der Mehrheit ist heute Kirche egal.
  7. Es gibt gute Gründe, weshalb Menschen auf Distanz gehen.
  8. Kirche heute ist zu sehr mit sich selbst beschäftigt.
  9. Solange Gott in der Kirche heute wirkt, ist sie nicht  tot.
  10. Wir werden immer nichtssagender. Manchmal wäre Schweigen besser als Reden.
  11. Wofür stehen wir eigentlich als Kirche?
  12. Wir brauchen eine Neuausrichtung auf Jesus und seine Botschaft.
  13. Kirche braucht neue Formen und neue Strukturen.
  14. Die Art und Weise, wie wir Gottesdienst feiern, hindert die Menschen zu kommen.
  15. Wir sollten alte Zöpfe im Gottesdienst abschneiden.
  16. Wir sollten Abendmahl anders feiern.
  17. Es gibt keine heiligen Kirchenformen, die unantastbar wären.
  18. Wir dürfen nicht länger leere Kirchen akzeptieren und brauchen wieder volle Kirchen .
  19. Kirche ist immer in Bewegung nach außen. Eine an den Rändern der Gesellschaft einladende Gemeinschaft.
  20. Für mich ist es immer noch besser, Mitglied einer Landeskirche zu sein, als in eine Freikirche zu gehen oder ein eigenes Kirchlein zu gründen.

 

gottwillwasvonmirunbedeutendenMenschenkauend

Neulich

Sah ich in der Kirche

Eine ältere Frau

Kaugummikauend

Im Gottesdienst.

Kaugummikauend

Singend

Kaugummikauend

Der Predigt zuhörend

Kaugummikauend

Mitbetend,

Selbst beim Vaterunser

Betete sie

Kaugummikauend

 

Erst dachte ich empört,

Was für Benehmen!

Was für eine wiederkäuende Kuh!

Kaugummikauend

Nicht mal Konfirmanden waren so ausgiebig damit beschäftigt

Kaugummikauend

Dann aber dachte ich an Maria

Die in ihrem Herzen wiederkäute

Was sie erfahren und erlebt hatte

Vielleicht nicht kaugummikauend

Aber gottwillwasvonmirunbedeutendenMenschenkauend.