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Kirche einmal anders – So soll es bei euch nicht sein! Markus 10,35-45 Predigt

Markus 10,35-45 Judika, 29.3.20 Manfred Lehnert Onlinepredigt  Trautskirchen 

Kirche einmal anders – So soll es nicht bei euch sein!

Lieber Zuhörerinnen und Zuhörer, liebe Leser und Leserinnen!

Kirche einmal anders. Das zweite Mal ist mein Schreibtisch meine Kanzel und das Internet die erhoffte Möglichkeit, Menschen trotz gottesdienstloser Zeiten doch irgendwie zu erreichen. Keine Predigt in der  Kirche, keine Gesichter, die mich ansehen, aber hoffentlich Zuhörer auf Facebook oder Leserinnen auf meiner Homepage.

Kirche einmal anders. Ich sitze da und denke nach über unsere Kirche, weniger über das Kirchengebäude, das zur Zeit leer und ungenützt ist. Ich nehme schon wahr, dass die Kirchen zunehmend leerer werden. Wenn es nicht gerade Konfirmationen sind, sind es zu normalen Zeiten vielleicht 20-30 Kirchgänger. Eine Schande, nicht nur in Trauts-kirchen. Ich denke nach: Kirche einmal anders. Wie können wir die Menschen ansprechen, dass mehr Leute in die Kirche gehen, wenn es wieder möglich ist. Aber ich spüre, darum geht es gar nicht, dass mehr Leute in die Kirche gehen. In Brasilien und Teilen Afrikas strömen die Leute in die Kirchen als Massenveranstaltung ungeachtet der Corona-Virus -Gefahr. Kirche als Massenverstaltung kann heutzutage gesundheitsgefährlich sein, wenn die Verantwortlichen nicht verantwortlich sind.

Kirche einmal anders. Ich denke über das Leben von uns als Kirche und Kirchengemeinde nach, über die Gemeinschaft, wie wir heute Kirche erleben. Kirche vor Ort.

Mir fallen zwei der wenigen Leute ein, die mir in dieser Woche begegnet sind in gebotener Distanz. Der eine Handwerker vor Ort, der schon lange nicht mehr in die Kirche geht und den ich nach eineinhalb Jahren auch das erste Mal sehe. Der andere, auch Handwerker, der mir angesichts der ausfallenden Gottesdienste ganz offen sagt: Ich brauche keine Kirche!

Kirche einmal anders. Ich brauche keine Kirche! So denken heutzutage viele Menschen und ich kann es ihnen nicht einmal verdenken. Mir fällt auf: Selbst eine solche Katastrophe wie die Corona-Virus – Epidemie treibt die Menschen nicht in die Kirche, nicht aus Angst vor der Ansteckungsgefahr, sondern eher, weil sie sich von Kirche nichts oder nicht mehr viel erwarten.

Kirche einmal anders.  Kirche war schon einmal anders. Ganz anders als das damalige Umfeld gewohnt war. Und wenn Menschen von den ersten Christen Geschichten wie die folgende gehört haben, werden sie gestaunt haben: So soll es bei euch nicht sein! Ach, wie dann? Ach was! Das sind ja ganz neue Töne! Habe ich sonst nie gehört!

Aber hören wir selber hin:  (Markus 10,35-45 Hoffnung für alle )

35 Jakobus und Johannes, die Söhne von Zebedäus, gingen zu Jesus und sagten: »Lehrer, wir möchten, dass du uns eine Bitte erfüllst.« 36 »Was wollt ihr?«, fragte Jesus. 37 Sie antworteten: »Wenn deine Herrschaft begonnen hat, dann gewähre uns die Ehrenplätze rechts und links neben dir!« 38 Jesus entgegnete: »Ihr wisst ja gar nicht, was ihr euch da wünscht! Denn auf mich wartet schweres Leid. Meint ihr, ihr könnt den bitteren Kelch trinken, so wie ich es tun muss? Oder könnt ihr die Taufe ertragen, die mir bevorsteht?[4]« 39 »Ja, das können wir!«, antworteten sie. Darauf erwiderte ihnen Jesus: »Ihr werdet tatsächlich so wie ich leiden und euer Leben hingeben müssen. 40 Aber trotzdem kann ich nicht bestimmen, wer einmal die Plätze rechts und links neben mir einnehmen wird. Das hat bereits Gott entschieden.« 41 Die anderen zehn Jünger hatten das Gespräch mit angehört und waren empört über Jakobus und Johannes. 42 Da rief Jesus alle zusammen und sagte: »Ihr wisst, wie die Großen und Mächtigen dieser Welt ihre Völker unterdrücken. Wer die Macht hat, nutzt sie rücksichtslos aus. 43 Aber so soll es bei euch nicht sein! Im Gegenteil: Wer groß sein will, der soll den anderen dienen, 44 und wer der Erste sein will, der soll sich allen unterordnen. 45 Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich bedienen zu lassen. Er kam, um zu dienen und sein Leben als Lösegeld hinzugeben, damit viele Menschen aus der Gewalt des Bösen befreit werden.«

Zunächst erkenne ich in dieser Jesus- Geschichte ein Schema, wie wir es in der Welt- und Kirchengeschichte oft beobachten können:

Zwei seiner Jünger nehmen Jesus beiseite und versuchen, sich den besten Platz an seiner Seite zu sichern. Ja, so haben sie sich das gedacht, diese beiden Schlaumeier. Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Also wozu unnötig Zeit verlieren? Raffiniert fädeln die beiden Jünger ihren Coup ein.  Jesus, kannst du mal für uns… die Plätze.. links und rechts.. neben dir…

„Ja, ja, die Ehrenplätze links und rechts neben deinem künftigen Thron sollen es schon sein. Sobald du die Macht in Jerusalem ergriffen hast. Reserviere uns zweien bitte einen Platz  gleich neben dir, Jesus. Einer links, der andere rechts. Wir wollen ganz vorn sein, ganz oben, neben dir. Wenn du, Jesus die Macht greifst, sichere uns schon mal die wichtig-sten Ministerposten.“

So stellen die beiden sich das vor. Dass die anderen Zehn in der Gruppe vor Wut schäumen, stört sie nicht.

Es kommt unter den Jünger zu einem handfesten Konflikt. Jesus selbst muss eingreifen. Er ruft sie zunächst einmal zu sich. Indem er sie zu sich ruft, unterbricht er ihr Kreisen um Fragen nach Hierarchie. Indem er sie zu sich ruft unterbricht er ihr Kreisen um Fragen nach Prestige und Macht.

Und dann macht er seinen Jüngern klar: „Keiner von euch kann für sich den Anspruch erheben, mir besonders nahe zu sein. Keiner von euch kann für sich beanspruchen, über die anderen Jünger zu herrschen und zu bestimmen, wo es lang geht. Die Ehrenplätze zu meiner Rechten und zu meiner Linken sind nicht zu vergeben. Die einzigen Plätze, die ich euch vergeben kann, sind, dass ihr genau wie ich Unrecht erleiden werdet, wenn ihr meinen Weg geht.“

 Und tatsächlich, die einzige Stelle, wo es später noch mal heißen wird: „einer zu seiner Rechten und einer zu seiner Linken“ ist die Kreuzigung. Und sie kreuzigten mit ihm zwei Räuber, einen zu seiner Rechten und einen zu seiner Linken.

Nichts mit Macht und Herrlichkeit oder Privilegien für einzelne. Der Wunschtraum von Jakobus und Johannes ist geplatzt, noch ehe er Gestalt annehmen konnte. Die Kreuzigung Jesu ist das Ende aller Jünger- Träume von Macht und Herrlichkeit.

Aber nach wie vor träumen diese Wunschtraum Menschen in der Kirche. Ich muss nicht einmal in die katholische Kirche blicken, ein Blick in unsere evangelische Kirche genügt. Da träumen nach wie vor Menschen den Traum von Aufstieg, Macht und Privilegien. Kirche wie wir sie vielleicht kennen:  Hierarchie gibt es auch in der evangelischen Kirche. Herrschen, Bestimmen, Macht ausüben wollen manche in der Kirche genauso. Das ist für sich genommen weder gut noch böse. Macht kann verantwortlich ausgeübt werden. Wir sehen es momentan von staatlicher Seite. Es ist überaus verantwortungsvoll, wenn Politiker ihre Macht ausüben und eine Ausgangssperre verhängen und selbst Gottesdienste untersagen. Das ist Macht, die verantwortungsbewusst ausgeübt wird. Letztlich ist es sogar eine dienende Macht, weil sie dem Erhalt der Gesundheit aller Menschen dient.

Manche Menschen gieren leider nach der Macht um der Macht willen. Sie wollen das Leben anderer bestimmen, ihnen Dinge aufzwingen, die diese eigentlich nicht wollen. Macht um der Macht willen, gibt es leider auch in der Kirche.  Diese  Beobachtung, dass es ein Oben und ein Unten in der Kirche gibt, habe ich kürzlich in einen Gedicht so fest gehalten:

Was in der Kirche  gesagt wird,

hängt davon ab,

wer was sagen darf

ungeachtet dessen,

ob er etwas zu sagen hat.

Was in der Kirche  nicht gesagt wird,

hängt davon ab,

wer was verschweigen darf

ungeachtet dessen,

ob er etwas zu sagen hat.

Kirche ist leider doch

Oben und Unten

Kirche

ist eben doch

kein herrschaftsfreier Raum

Ein wirklich herrschaftsfreier Dialog in der Kirche

geschieht nur ganz selten.

Kirche einmal anders. Vielleicht ist ein herrschaftsfreier Dialog in der Kirche eine Utopie, d.h. ein Ort, der noch keine Wirklichkeit ist. Aber was noch nicht ist, kann ja noch werden: Eine Kirche, in der kein oben und unten ist. Eine Kirche, in der keine Herrschaft und Macht ausgeübt wird. Was heute noch Utopie ist, kann morgen zur Realität werden.

Kirche einmal anders. Kirche auf Augenhöhe. Wir begegnen uns auf Augenhöhe. Keiner von uns soll sich einbilden, etwas Besseres als der andere zu sein. Keine von uns soll meinen müssen, was soll ich unbedeutendes Würstchen in dieser erlesenen Runde?

Kirche einmal anders. Ich träume von einem Ort oder einem Menschen, wo ich sein kann wie ich bin: unvollkommen, alles andere als perfekt, ich muss in keine Rollen schlüpfen, um anerkannt zu werden.

Kirche einmal anders. Ein Ort oder ein Mensch, wo auf Macht verzichtet wird. Keine Macht, keine Gewalt, kein Zwang, auch kein innerer Zwang. Niemand nötigt und niemand wird genötigt.

Kirche einmal anders. Der Dialog Jesu mit seinen Jüngern träumt diese Utopie:

„Ihr wisst, wie die Großen und Mächtigen dieser Welt ihre Völker unterdrücken. Wer die Macht hat, nutzt sie rücksichtslos aus. 43 Aber so soll es bei euch nicht sein!“

„So soll es bei euch nicht sein!“

In der Gemeinde, in der Kirche Jesu soll also anders miteinander umgegangen werden als wir es oft genug in dieser Welt erfahren. Statt durch Macht sich durchsetzen und von oben bestimmen zu wollen, soll es uns ums Dienen gehen. Statt die einen über die anderen Macht ausüben zu lassen, und den anderen Gehorsam einzupläuen, soll es uns Christen um Hingabe gehen.

„Wer groß sein will, der soll den anderen dienen..“

Wir wissen nur zu gut: Auch dieser Anspruch des Dienens wird in Kirche und Gemeinde immer wieder missbraucht. Nicht nur durch den Macht- und Amtsmissbrauch eines Pfarrers, der vorgibt, zu dienen, in Wirklichkeit aber alles zu seinen Gunsten auslebt. Auch das kommt in unserer Kirche leider vor. Aber es geht weiter: Es gibt in unseren Gemeinden auch Menschen, die durch Dienen Macht ausüben. Auch durch aufopferungsvolle Hingabe kann unterschwellig auch sehr viel Macht ausgeübt werden. Den Willen zur Macht und zur Herrschaft gibt es eben auch in unserer Kirche., „Alle wollen in der Kirche dienen – am liebsten in leitender Stellung.“ Der Satz stammt von Hanns Lilje, das war jemand, der selbst in der Kirche in leitender Position einmal war.  Selbst Pfarrer, Dekane oder Bischöfe sind nicht davor gefeit, dienend in leitender Stellung über andere  Macht auszuüben und sie rücksichtslos auszunützen.


Wer die Macht hat, nutzt sie womöglich rücksichtslos aus. Aber so soll es bei euch nicht sein! So sagt es uns Jesus.

So soll es bei euch nicht sein! „Wer groß sein will, der soll den anderen dienen..“

Und doch gibt es in den Gemeinden und in den Kir-chen immer wieder Menschen, die dem Wort Jesu „wer unter euch groß sein will, der soll den anderen dienen“ sehr nahe kommen. In meiner Laufbahn als Gemeindepfarrer sind mir immer wieder Menschen begegnet, die einfach dienen, die einfach da sind, ohne Macht ausüben zu wollen. So mancher Kirchenvorsteher, so manche Mesnerin oder Organistin verrichtet still und ohne groß Aufhebens zu machen, einen wichtigen Dienst für die Gemeinde. Und die wenigsten bekommen es mit, was diese Menschen in ihrer Gemeinde an Hingabe und Liebesdiensten einfach für andere tun.

Mein Blick fällt auch auf die nichtkirchliche Welt. Auch dort und gerade dort gibt es Menschen, die der Gesellschaft dienen, ohne groß Aufsehens zu machen, ohne Macht ausüben zu wollen.

Bundespräsident Steinmeier bedankte sich neulich bei Corona-Heldinnen und -Helden. Er telefonierte in diesen Tagen mit Menschen, die in der Corona-Krise besonders gefordert sind. Er sprach mit Pflegern, Ärztinnen, Sozialarbeitern, Lehrerinnen, Apothekerinnen, Mitarbeitern von Supermärkten und Behörden. Dabei nutzt er die Telefonate auch, um sich für ihre Arbeit und für ihr oftmals auch risikobehaftetes Engagement, für ihre Beharrlichkeit, Besonnenheit und ihre Geduld zu bedanken.

Was leisten Kassiererinnen an der Kasse, was müssen sie sich manchmal anhören, die stillen Helden des Alltages, die einfach für andere Menschen da sind und denen selbst das Wort „dienen“ zu viel wäre. Sie sind da, wenn sie gebraucht werden.

Kirche einmal anders! Ich komme zurück zu meinem Ausgangspunkt: Kirche einmal anders. So kann man auch Kirche sehen: So möchte ich jedenfalls Kirche verstehen: wir dienen einander und sind für einander da. Und Kirche ist da, wenn sie gebraucht wird und für andere Menschen da ist. Ohne Macht und Pomp, einfach so.

Wenn wir Menschen innerhalb und außerhalb unserer Gemeinden und Kirchen das begriffen haben, hat die Utopie einer anderen Kirche doch schon Gestalt angenommen. Gott sei Dank! Amen.

Sechs  ketzerische Fragen

  1. Warum feiern wir evangelische Christen sonntags in zwei Gottesdiensten, wenn wir auch in eine Kirche gut hinein passen könnten?
  2. Warum feiern wir evangelische und katholische Christen sonntags in zwei Gottesdiensten, wenn wir auch in eine Kirche gut hinein passen könnten?
  3. Warum gehen unsere Kinder in einen evangelischen bzw. katholischen Religionsunterricht und nicht in einen überkonfessionellen?
  4. Warum leben wir als evangelische und katholische Christen mehr nebeneinander als miteinander? Was ist denn mit echter Ökumene 2017?
  5. Versteht ein Moslem oder ein Atheist von außen, warum wir immer noch getrennt zum Abendmahl bzw. zur Eucharistie gehen, warum uns Trennendes aus dem 16. Jahrhundert immer noch wichtiger ist als Gemeinsames?
  6. Was spricht 500 Jahre nach der Trennung dagegen, dass wir mehr auf einander zugehen und vielleicht sogar—in versöhnter Verschiedenheit – eine wiedervereinte Kirche bilden?

20 Thesen zur kirchlichen Gegenwart 2017

  1. Kirche heute befindet sich in der Krise.
  2. Ein großer Teil der Mitglieder hat vom Glauben keine Ahnung.
  3. Volkskirche Ade.
  4. Kirche wird es schon noch geben, aber anders.
  5. Heute sind wir weitgehend Kirche für Insider.
  6. Der Mehrheit ist heute Kirche egal.
  7. Es gibt gute Gründe, weshalb Menschen auf Distanz gehen.
  8. Kirche heute ist zu sehr mit sich selbst beschäftigt.
  9. Solange Gott in der Kirche heute wirkt, ist sie nicht  tot.
  10. Wir werden immer nichtssagender. Manchmal wäre Schweigen besser als Reden.
  11. Wofür stehen wir eigentlich als Kirche?
  12. Wir brauchen eine Neuausrichtung auf Jesus und seine Botschaft.
  13. Kirche braucht neue Formen und neue Strukturen.
  14. Die Art und Weise, wie wir Gottesdienst feiern, hindert die Menschen zu kommen.
  15. Wir sollten alte Zöpfe im Gottesdienst abschneiden.
  16. Wir sollten Abendmahl anders feiern.
  17. Es gibt keine heiligen Kirchenformen, die unantastbar wären.
  18. Wir dürfen nicht länger leere Kirchen akzeptieren und brauchen wieder volle Kirchen .
  19. Kirche ist immer in Bewegung nach außen. Eine an den Rändern der Gesellschaft einladende Gemeinschaft.
  20. Für mich ist es immer noch besser, Mitglied einer Landeskirche zu sein, als in eine Freikirche zu gehen oder ein eigenes Kirchlein zu gründen.

 

Schein-Konfirmation ?

Konfirmation

ist ein Tag,

an dem sich Kirche etwas vormacht.

Alle Jahre wieder wird der mündig gewordene Glaube junger Christen gefeiert

und ein S c h e i n   feierlich als Urkunde überreicht.

Und alle Jahre wieder wissen wir, in der Kirche sehen wir sie nicht mehr so schnell.

 

An dem Tag der Konfirmation

machen sich auch viele anwesende Eltern etwas vor:

Sonst sind sie in der Kirche und im Gemeindeleben kaum zu sehen,

aber am Tag der Konfirmation ihrer Kinder

geben sie den An s c h e i n  einer Kirchlichkeit, die im ganzen Jahr kaum vorhanden ist.

 

Am Tag ihrer Konfirmation haben sich auch die jungen Konfirmanden fein herausgeputzt.

Man erkennt sie kaum wieder, im Anzug und Minirock,

später sieht man sie kaum wieder in Kirche und Gemeindeleben.

Aber um der Geld s c h e i n e   willen sind sie zum Schein da.

Ich habe den Verdacht,

wir feiern alle Jahre eine

Schein-Konfirmation.

 

Gegenrede

Es gibt sie doch auch,

die Konfirmanden, die es ehrlich meinen

und nicht um der Scheine willen in der Kirche da sind,

sondern auch später.
Es gibt sie doch,

die Eltern, die ihre Kinder den Glauben vorgelebt haben

unvollkommen, aber in aller Liebe

und die Konfirmation ihrer Kinder als Glaubensfest begreifen.

 

Es gib sie doch,

die jungen Menschen in der Kirche

auch danach,

hin- und wieder.

 

Und jedesmal wenn ich das wahrnehme,

freue ich mich

über gelebten Glauben

und Konfirmation

ist dann mehr als ein Schein.

Leere Kirchen

Leere Kirchen und fehlende Priester.

Ein Einblick in eine zutiefst katholische Gegend im Bayerischen Wald:

Erschreckend zu hören: Nur 10 alte Frauen im Gottesdienst!

Erschreckend sich vorzustellen: Die Kirche verfällt.

Wenig tröstlich der Gedanke,

als Traditionschristen tauchen sie noch ein- zweimal auf in der Kirche.

Irgendwann tun sie nicht mal das

und vermissen nichts dabei.

Sie brauchen keine Kirche.

Die Kirche stirbt,

ein Gedanke, der mich nicht mehr loslässt.

Die Kirche befindet sich im Sterbeprozess,

zuerst will ich es nicht wahrhaben,

dann wehre ich ab,

dann nehme ich es hin,

ich kann eh nichts daran ändern.

Die Kirche leert sich.

Und es hat nichts mit mir zu tun.

Keine noch so liebevoll gemachter Gottesdienst,

keine noch so liebevolle Zuwendung,

wird daran etwas ändern:

Die Religion ist aus dem Alltag der Menschen verschwunden,

der christliche Glaube sprachlos geworden,

der Glaube verdunstet

und ich werde nichts daran ändern können.

Leere Kirchen gibt es auch in meinem Umfeld.

Neujahr gab mir einen Einblick in unsere zutiefst evangelische Gegend in Franken:

Erschreckend zu sehen: Nur 10 Personen im Gottesdienst.

Erschreckend sich vorzustellen: Die Kirche verfällt.

Wenig tröstlich der Gedanke,

als evangelische Traditionschristen tauchen sie noch ein- zweimal auf in der Kirche,

wenn überhaupt.

Jubeln über 500 Jahre Reformation, ohne zu wissen, warum und wieso.

Irgendwann tun sie nicht mal das

und vermissen nichts dabei.

Sie brauchen keine Kirche.

Aber was brauchen sie dann?

Horizonterweiterung meines Glaubens an den einen Gott

Christ bin ich nach wie vor,
nur freier, ungebundener, undogmatischer.

Die Rede vom trinitarischen Gott, von Gott als Vater, Sohn und Heiliger Geist, ist für mich eine symbolische, religiöse Sprache,                                                       ein bildhafter und manchmal auch hinterfragbarer Ausdruck                                wie frühere Generationen Gott begriffen haben.
Ich verwende ihn aus Respekt vor diesen, aber jederzeit interpretierbar, symbolisch für den                                                                                                          Einen Gott, der sich uns Menschen unterschiedlich offenbart.

Die Vorstellung,
dass im Himmel oben Gott Vater mit Jesus seinem Sohn und dem Heiligen Geist thront,
ist für mich ein Bild, eine Vorstellung, als Symbol religiöse Sprache
und auch Jesus als Gottes Sohn
menschgewordener Mythos,
geborener, gestorbener, auferstandener Gottmensch,
ist für mich  symbolisch als mythologische Sprache zu verstehen.

Christ bin ich
in der Nachfolge des Jesus von Nazareth,
der die Liebe und Zuwendung Gottes zu uns Menschen verkündigt und gelebt hat,
der ein Herz für die Armen und Ausgegrenzten hat,
der grenzüberschreitend alle Menschen liebt.

Dieser Jesus von Nazareth
wird für mich immer der Maßstab sein,
wonach sich auch
christlicher Mythos und christliche Tradition
messen und kritisieren lassen müssen.

Als ein solcher Christ in der Nachfolge Jesu,
sehe ich mich auch
eingebunden und verwurzelt in jüdischen Traditionen,
und offen und neugierig
für islamische Glaubensanschauungen.

Ich glaube an den einen Gott,
der sich in jüdischen, christlichen und islamischen Traditionen wiederfindet,
aber natürlich auch darüber hinaus zu finden ist.

Mein Verstand wird kritisch und freundlich gesonnen,
alles prüfen,
das Gute behalten,
das Böse benennen.

Schatz in irdenen Gefäßen (2.Kor 4,7)

Das Christentum steht auf tönernen Füssen

einen Jesus von Nazareth,                                                                                                                                       von dem kaum etwas Ursprüngliches überliefert ist,

einen Menschen Jesus, den sie zum Christus, zum Sohn Gottes erhoben            und später als Teil der Trinität verehrt und vergottet haben.

Der christliche Glaube steht alles andere als felsenfest,                                             er steht im Sumpf verschiedener Mythen,

mit immer mehr Sumpfblüten ausgeschmückter Geschichten                                                                                                                                     und mythenhafter Worte                                                                                                   und hat auch noch die Mythen und Märchen anderer Religionen                           in sich aufgesogen.

Wenn ich gewusst hätte,                                                                                                          auf welch tönernen Füssen das Christentum steht,                                                                                                                                            was für ein schwacher, zusammengewürfelter Glaube da mir überliefert worden ist,                                                                                                                                   ich glaube, ich hätte die Finger davon gelassen.

So habe ich aber,                                                                                                                         anfangs nichts ahnend,                                                                                                                                      nun aber wissend,                                                                                                                  das Christentum in mir aufgesogen,                                                                                                                                 den christlichen Glauben inhaliert                                                                                                                                    und muss damit leben.

Es sind wahrhaft irdische Gefäße,                                                                                                                                       mit denen uns die unbedingte allumfassende göttliche Liebe                             überliefert worden sind,

Gefäße mit Löchern und Rissen,                                                                                        verdreckt und verdeckt.                                                                                                                                      Und doch enthalten sie den Schatz ,

einen Schatz in irdenen Gefäßen.


Hauptsache, du funktionierst!

In der Kirche

ist eines nur wichtig:

dass du als Pfarrer funktionierst.

Hauptsache, du hälst Predigt und Gottesdienste,

wie und vor allem was

interessiert nicht.

Es interessiert nicht,

ob du mit Jugendlichen und Schülern noch kannst,

es interessiert nicht,

ob du  noch die Kraft hast, an Heiligabend einen Spätgottesdienst zu halten.

Hauptsache, du bist da als Pfarrer,

wie und was du dir dabei denkst,

interessiert nicht.

Hauptsache, du funktionierst.

Willkommenskultur unserer Kirche

Damals,

als wir viele waren,

sagten sie uns:

„Ihr seid viel zu viele.

Ihr müsst froh sein, wenn wir euch übernehmen!

Glaubt nicht, dass man mit Heirat und Kind ein Anrecht  darauf hättet,

in den kirchlichen Dienst genommen zu werden!“

Heute,

als es wenige sind,

und immer weniger werden,

sagen sie immer noch zu ihnen:

„Ihr müsst froh sein, wenn wir euch übernehmen!“

Ihr braucht euch

bei eurer Willkommenskultur

nicht wundern,

dass

es wenige sind,

und immer weniger werden,

die bereit sind, in eure Dienste zu treten.

Geisterunterscheidung

Gut ist,
was vor Gott Bestand hat,
was nicht menschliche Regung ist,
was die Gemeinde auferbaut.

Nun gut, aber wer sagt denn, was vor Gott Bestand hat?
Wer sagt denn, was nur menschliche Regung ist und was göttliche Eingebung?
Wer sagt denn, was den Glauben und die Gemeinde auferbaut?

Ein Blick zur katholischen Kirche zeigt uns:
Willkürlich bestimmen sie, was vor Gott Bestand hat,
willkürlich setzen sie fest, was göttliche Eingebung ist,
willkürlich sind die Maßstäbe ihres Gemeindebaus.

Bei uns
ist es nicht viel anders.
Kein papierner Papst kann uns sagen,
was heute gut ist, was gestern gut war.
Es bleibt wohl der menschlichen Freiheit überlassen,
immer wieder neu zu fragen,
was vor Gott Bestand hat,
was göttliche Eingebung ist,
was Gemeinde und Kirche voranbringt.
Irrtümer und Sackgassen mit eingeschlossen.