Unbequeme Wahrheiten, die keiner hören mag

Apostelgeschichte 17,22-34    25.4.21  Predigt Trautskirchen

„Solange ich den Menschen nach dem Mund reden, werden sie mir zustimmen, nicken, auf Facebook „Gefällt mir“ klicken und mich bestätigen, was für feiner Mann ich doch sei. Aber wehe, wenn ich ihnen widerspreche. Wehe, wenn ich eine unbequeme Wahrheit sage.“

Diese Erfahrung macht Paulus auf dem Marktplatz in Athen.

 Dabei geht er zunächst klug vor. Er geht durch die Straßen Athens, schaut sich die verschiedensten Statuen und Tempel der verschiedensten Götter an und findet sogar einen Altar, an den er anknüpfen kann. „Dem unbekannten Gott“ geweiht stand da auf diesem Altar. Alle möglichen Götter werden verehrt und sicherheitshalber auch ein unbekannter Gott, damit keiner der Götter beleidigt ist.

„Ihr Bürger von Athen! Nach allem, was ich sehe, seid ihr sehr fromme Leute. Ich bin durch die Stadt gegangen und habe mir eure heiligen Stätten angeschaut. Dabei habe ich auch einen Altar gefunden, auf dem stand: ›Für einen unbekannten Gott‹. Das, was ihr da verehrt, ohne es zu kennen, das verkünde ich euch. Es ist der Gott, der die Welt geschaffen hat und alles, was in ihr ist.“

Die Athener sind eifrige Gottesverehrer, immer auf der Suche nach neuen Göttern. Daher kommt Paulus ihnen gerade recht.  Der redete auf den Straßen dauernd von einem Jesus und seiner Anastasia.

„Was für einen neuartigen Gott hast du? Wen oder was verehrst du? Du sagst, du willst uns die gute Nachricht von Jesus und seiner Anastasia erzählen? Erzähl mal.“

Und Paulus fängt zu erzählen:

Nun er „ist der Herr über Himmel und Erde. Er wohnt nicht in Tempeln, die von Menschenhand errichtet wurden. Er ist auch nicht darauf angewiesen, von Menschen versorgt zu werden.  Er ist es doch, der uns allen das Leben, den Atem und alles andere schenkt.“

Hm, dieser Jesus und seine Anastasia macht sie neugierig. Ja, diese Götter machen sie schon neugierig. Ihre Götter leben in Tempel. Sie sind darauf angewiesen, von den Menschen verehrt und mit Trankopfer oder Speiseopfer versorgt zu werden. Die Menschen sind dazu da, diese Götter zu verehren und ihnen zu dienen. Und sie tun es, allein schon, um sie zu besänftigen und milde zu stimmen. Es könnte ja sein, dass sie ein oder zwei von den vielen Götter vergessen haben und diese deshalb sauer sind. Also hören sie genau zu, was Paulus ihnen über diesen ihnen unbekannten Gott erzählen möchte.

„Er hat aus einem einzigen Menschen die ganze Menschheit hervorgehen lassen, damit sie die Erde bewohnt. Für jedes Volk hat er festgesetzt, wie lange es bestehen und in welchen Grenzen es leben soll. Er wollte, dass die Menschen nach ihm suchen – ob sie ihn vielleicht spüren oder entdecken können. Denn keinem von uns ist er fern. Durch ihn leben wir doch, bewegen wir uns und haben wir unser Dasein. Oder wie es einige eurer Dichter gesagt haben: ›Wir sind sogar von seiner Art.“

Ich sehe wie die Menschen nicken. Das gefällt ihnen: Keinem von uns ist dieser Gott fern. Durch ihn leben, bewegen und sind wir. Klingt gut, klingt sogar philosophisch  und dann zitiert ja Paulus auch noch einen ihrer damals bekannten Dichter: „Wir sind sogar von seiner Art.“

Gefällt mir. Wir sind göttlichen Geschlechts. Wir Menschen sind göttlicher Herkunft.

Paulus hatte sich vorher mit Philosophen unterhalten, mit Stoikern und Epikureern. Gestritten haben sie sogar miteinander. Stoiker und Epikureer  haben über sein Reden verächtlich gesagt: „Was für ein Schwätzer“.

Jetzt hören sie zu. Die Stoiker werden ihm darin zugestimmt haben:

„Keinem von uns ist dieser Gott fern. Durch ihn leben, bewegen und sind wir. „Das ist sogar hochphilosophisch  und dann zitiert ja Paulus auch noch einen ihrer damals bekannten Dichter Aratos, einem Stoiker:

„Zeus sei unser Beginn, und niemals bleib‘ er uns Männern

Ungelobt. Voll wahrlich des Zeus sind alle des Wandels

Weg, und alle Versammlung der Welt, voll jegliche Meerflut,

Jeglicher Port. Ringsum ja des Zeus bedürfen wir alle

seines Geschlechts auch sind wir.“

(Aratos)

Vor allem die Stoiker werden begeistert sein: Er zitiert unseren Starphilosophen Aratos.  Ja, das sagen wir doch auch. Es gibt ein göttliches Prinzip, das den ganzen Kosmos durchwirkt.  Und ob man Zeus dazu sagt, oder einen anderen Gott, das ist eigentlich wurscht. Wir kennen die Stoiker von der „stoischen Ruhe“. Nur nicht aufregen, immer seine Gefühle unter Kontrolle halten, frei von Leidenschaften sein, selbstgenügsam und durch nichts sich erschüttern lassen, auch durch den Tod nicht. Das ist ihre stoische Lebensdevise.

Und die Epikurerer gehen davon aus, dass es tatsächlich Götter gibt. Sie führen eine selige, sorglose Existenz und kümmern sich nicht um die Menschenschicksale .  Für Epikureer ist der Tod unvermeidlich und bedeutungslos. Alles Streben nach Glück beschränkt sich für sie deshalb auf das endliche Leben. Überwinde deine Furcht, deinen Schmerz und deine Begierden und du wirst dich des Lebens freuen können.

Worin sich Stoiker und Epikureer einig sind: Diese Götterverehrung, diese Unmengen von Statuen und Tempel, braucht es eigentlich nicht. Das ist was für das einfache Volk, die sich damit trösten. Wir Philosophen wissen, dass Götter nur Symbole sind. Wir stehen über der Götterverehrung. Aber wenn das Volk will, lass es die Götter verehren. Und deshalb werden sie diesen Worten des Paulus zugestimmt haben:

„Weil wir Menschen also von Gottes Art sind, dürfen wir uns nicht täuschen: Die Gottheit gleicht keineswegs irgendwelchen Bildern aus Gold, Silber oder Stein. Die sind nur das Ergebnis menschlichen Könnens und menschlicher Vorstellungskraft.“

Erzähl uns mehr von Deinem Philosophengott und seiner Anastasia!

„Nun – Gott sieht nachsichtig über die Zeiten hinweg, in denen die Menschen ihn nicht gekannt haben. Aber jetzt fordert er alle Menschen an allen Orten auf, ihr Leben zu ändern. Denn Gott hat einen Tag festgesetzt, um über die ganze Welt zu richten. Dann wird er Gerechtigkeit walten lassen – durch den Mann, den er dazu bestimmt hat. Dass dieser Mann wirklich dafür bestimmt ist, hat Gott allen Menschen durch dessen Anastasia/ Auferstehung  von den Toten bewiesen.“

Jetzt wird den an dem unbekannten Gott von Paulus interessierten Athenern plötzlich eines klar:

Der meint einen bestimmten Menschen, Jesus  oder so ähnlich, der tot war und den „Gott“ wieder lebendig gemacht hat. Anastasia ist nicht seine göttliche Frau. Dieser Paulus redet doch tatsächlich von der Auferstehung von den Toten. Da ist einer tot gewesen, wird von diesem unbekannten Gott auferweckt und soll auch noch das letzte Wort über die ganze Welt haben!

Lachhaft! Lächerlich! Spinnert!

Philosophen wie die Epikureer und die Stoiker beschäftigen sich mit Fragen der Lebensbewältigung. Wie können wir Menschen stoisch Leid und Tod geduldig ertragen? Oder die Epikureer: Wie können wir das Leben genießen und Lebensglück finden, ohne im Übermaß an Genuss und Leid zu ersticken? Philosoph ist jemand, der ein Freund der Weisheit ist. Weise und klug und achtsam das Leben bewältigen.

Aber keiner der Philosophen beschäftigt sich mit dem, was nach dem Tode kommt. Keiner.  Die Philosophen wissen keine Antwort darauf, was danach kommt. Und jede Vorstellung einer Anastasia, einer Auferstehung ist für sie lachhaft, spinnert.

Ich sagte eingangs: Solange Paulus den Menschen nach dem Mund reden, werden sie ihm zustimmen, nicken, auf Facebook „Gefällt mir“ klicken und ihn bestätigen, was für feiner Mann er doch sei. Aber wehe, wenn er eine unbequeme Wahrheit sagt.

Die unbequeme Wahrheit ist: Nach dem Tod geht es weiter. Du täuscht dich gewaltig, wenn du glaubst, nach dem Tod ist alles aus und es ist egal wie du dein Leben gelebt hast.

Die Auferstehung Jesu ist dabei durchaus etwas Rebellisches: Den, den die Welt ins Unrecht gesetzt hat, setzt Gott ins Recht. Du bist mit ihm rechnen nach deinem Tod. Alle Welt muss mit ihm rechnen.

Die unbequeme Wahrheit ist: Nach dem Tod hat einer das letzte Wort über mein Leben. Jesus. An ihm misst Gott dein und mein Leben.

Es ist der Jesus, der sich für die Schwachen und Armen einsetzt, der ein Herz für das einfache Volk hat und sich nicht über sie arrogant überhebt, weil sie nicht anders können, als irgendwelche Statuen und Tempel zu verehren und an Amulette und an sonstigen Aberglauben  glauben.

Die unbequeme Wahrheit ist:  Da ist tatsächlich ein Gott, der sich uns Menschen interessiert. Ganz anders als diese griechischen Götter, denen das Schicksal der Menschen wurscht ist in ihrer griechischen Götterseligkeit.  Unbequem ist diese Wahrheit deswegen, weil unser Leben von ihm hinterfragt wird.

Die unbequeme Wahrheit ist:  Da ist ein Gott, der sich tatsächlich für alle Menschen interessiert, keinem von uns Menschen ist dieser Gott fern. Wir sind göttlicher Herkunft. Aber das heißt,  dieser Gott ist nicht nur dem philosophisch gebildeten Menschen nahe. Auch der arme, ungebildete Mensch . Und göttlicher Herkunft sind alle Menschen. Heute sagen wir: Jeder Mensch hat eine Würde, jeder, der Flüchtling genauso wie  der Normalbürger und der Neonazi genauso wie der Querdenker. Und jeder davon wird von Gott gefragt, wie achtest du die Würde des anderen? Wie lebst du die Nächstenliebe?

Und Gott wird uns fragen: Wie gehst du mit der Würde deines Mitmenschen um? Du bist auch nichts Besseres oder Schlechteres als dein Mitmensch nebenan.

Als sie hörten, dass Paulus von der Auferstehung sprach, begannen die einen zu spotten, die anderen „Wir wollen dich ein andermal weiterhören.“ So kann es laufen, wenn man unbequeme Wahrheiten nicht hören mag.

Eine ähnliche Rede wie Paulus hielt neulich ein Polizist ,Thomas Lebkücher ,vor Corona-Demonstranten in Worms.  Und ähnlich wie Paulus scheut er nicht, unbequeme Wahrheit zu sagen:

Am vergangenen Wochenende diskutierte er mit Mundschutz mit Corona-Demonstranten ohne Mundschutz. Um diese auf die Einhaltung der geltenden Hygienevorschriften aufmerksam zu machen, zitierte er aus der Bibel und verweist auf Jesus. „Sie haben ein Recht zu demonstrieren, andere haben ein Recht auf Leben“, erklärte er.  Außerdem bat er die anscheinend christlich motivierte Gruppe, an das christliche Gebot der Nächstenliebe zu denken.

Ein Mann trug mit Absicht keinen Mundschutz und frage ihn provozierend:

Würde Jesus heute auch einen Mund-Nasen-Schutz tragen und eine Corona-Impfung empfehlen“. Da antwortete der Polizist: „Der würde sagen: Betet so, dass ihr keinem anderen schadet.“ Jesus habe im Garten Gethsemane bei seiner eigenen Verhaftung einem Soldaten das Ohr wieder geheilt, das sein Jünger Petrus diesem abgeschlagen hatte.

„Weil er davon geprägt war, den Nächsten mehr zu lieben als sich selbst. Das ist das fundamentale Gebot, und wenn wir uns alle daranhalten, haben wir kein Problem“, sagte der Beamte.

Ich wünsche uns auch diesen Mut, unbequeme Wahrheiten zu sagen. Amen

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